Björn Höcke redet bei einem YouTuber vier Stunden lang ohne kritische Fragen. Die Empörung darüber ist verständlich. Aber das Phänomen zeigt auch die Grenzen etablierter Medien.
Danke für die Zusammenfassung des Interviews. Ich konnte mir nur die ersten zwei Minuten anhören, dann hab ich aufgehört. Wahrscheinlich hätte ich sonst Ausschlag bekommen. Wenn das die neue Form von Journalismus ist, dann gute Nacht. Ich finde mittlerweile selbst bei öffentlich rechtlichen gibt es so viele schlecht informierte Leute, dass man sich gerade die Interviews mit Politikern sparen kann. Ich schaue mir dann lieber andere Formate an, siehe Maurice Höfgen.
Ich (als Rechter, der sich selbst als Demokraten sieht) muss sagen:
ein erfreulich guter und ausgewogener Artikel und eine (aus linker Sicht) zutreffende Analyse.
Auch die Kommentare hier sind mit angenehm wenig Schaum vor dem Mund geschrieben. Bin nur zufällige auf diese Seite gestoßen, als ich zu Bens Podcast recherchiert habe.
Ich kann bestätigen, was der Autor schreibt: dieses jahrelang von ÖRR&Medien betriebene Gatekeeping funktioniert nicht, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Bei mir zumindest. Wenn ich das Gefühl habe, es gibt kontroverse, aber legitime Standpunkte, die totgeschwiegen werden, dann erzeugt das eher Interesse.
Wenn ich dazu noch als Rechter/Nazi/Faschist/Antidemokrat geframt werde, erzeugt das zusätzlich Trotz. Und ich glaube, da bin ich nicht der Einzige. Wenn "Ihr" "uns" eindämmen wollt, dann fangt an, uns zuzuhören, anstatt immer die Fackeln & Mistgabeln herauszuholen.
Es ist eine gute Sache, dass die Medien diese Gatekeeperfunktion verloren haben. In meinen Jugendjahren gab es noch kein Internet und ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, dass der öffentliche Diskurs irgendwie vorgegeben und kanalisiert war und man zwar Leserbriefe schreiben konnte aber nicht wusste, ob man abgedruckt wurde oder wie man abgedruckt wurde (Kürzungen wurden in der Regel nicht angegeben).
Das so viele Menschen den Podcast mit Höcke hören wollen hat ja weniger damit zu tun, dass dieser Mensch so unglaublich interessant und spannend wäre, als eben vielmehr damit, dass man das Gefühl hat, dass er in den Leitmedien immer nur "eingeordnet" sprich "verzerrt" dargestellt wird. Dann will man ihn gerne mal unfiltered oder eben unscripted hören. Die Medien haben mit ihrer "Brandmauer" bzw. "Boykott" genau das Gegenteil erreicht, nämlich die Neugierde erhöht.
Prima Nils. Danke. Hatte gestern darüber gelesen. Wie immer bisher bei Dir (habe ja noch nicht viel verfolgen Können) eine vortreffliche Analyse. Was Aladin El-Mafaalani digitale „Misstrauens-Infrastrukturen“ nennt indes, überwiegt zwischen den verschiedenen Gruppierungen links der Mitte. "Brücken bauen" und entsprechend die demokratischen Diskurse gegen den rechten Kulturkampf beleben wird so fast unmöglich. Da jedoch müssen wir hin. Danke erst Mal und schönen Tag.
Diese Grenzen etablierter Medien sind doch schon längst offensichtlich. Bei Tilo Jung dürfen sämtliche Hamasfans auch völlig ungeskriptet ihre Propaganda verbreiten (mit dem Unterschied, dass Jung pampig wird, wenn man nicht seiner Meinung ist, siehe das Interview mit Götz Aly). Insofern gibt es das entsprechende "linke Format" auch schon. Wobei sich die Linke in dem Zusammenhang die Frage gefallen lassen muss, ob das wirklich der beste Mann ist, den sie ins Rennen schicken können.
Hallo, danke für den Artikel. Ich finde da stehen emanzipatorische Kräfte vor eine wirklich kniffligen Aufgabe. Denn Teil der neuen Medienökonomie ist auch, dass einfache, emotionalisierende, populistische Inhalte strukturell von Algorithmen und Netzwerken bevorteilt werden. Wie soll man dagegen mit komplexen und differenzierten Beiträgen gewinnen? Und eine andere Frage habe ich noch: was ist eure Meinung dazu, dass einige linke Influencer/Medienschaffende der Meinung sind, dass man jetzt in diese Formate (zb Ben ungeskriptet, Jasmin Kosubek,…) gehen sollte, weil sie nun die Platform selbst sind? Ich sehe das sehr kritisch und denke dass leistet ihnen einen großen Normalisierungsschub.
“einfache, emotionalisierende, populistische Inhalte” waren bereits vor dem Internetzeitalter das Mittel der Wahl, um Erfolg zu haben. Aber man braucht natürlich auch die entsprechenden Persönlichkeiten dafür. Proseminare mit Eggheads lockten noch kaum jemanden hinterm Ofen vor.
Natürlich braucht man beides. Für jeweilig eine andere Klientel.
Im Übrigen waren bereits Gysi und van Aken bei Ben.
"Höcke ist innerhalb der AfD machtpolitisch längst nicht mehr so dominant wie noch vor einigen Jahren." Es wäre sehr lehrreich, wenn ihr diese Einschätzung in einem kommenden Artikel oder Podcast genauer begründen könntet. Gewiss sind seit der Auflösung des Flügels nochmal neue Dynamiken in die Partei gekommen. Aber zumindest der Parteitag von 2022 und die Aufstellung der Generation Deutschland waren klare Machtdemonstrationen des Höcke Lagers. Ich hatte euch bis jetzt immer so verstanden, dass ihr diese Einschätzung teilt.
Im heutigen Journalismus geht es darum, vor den Kameras gut auszusehen und gut vorzulesen – was den Journalisten jedoch meistens misslingt; und genau das ist eine Krise.
Sehr gut erkannt, sachlich erklärt, die letzte Frage ist mehr als berechtigt. Leider wird es ein Pfeifen im Wind bleiben, die maßgebliche Reaktion wird der Ruf nach "Mehr Regulierung!" sein.
Also der Versuch, mit allen Mitteln die alte Deutungshoheit zurückzugewinnen.
Das Ergebnis ist jetzt schon absehbar.
Im Übrigen (ich hab die Kommentare mal quergelesen) noch ein wesentlicher Punkt: Das ständige Framing von Höcke und AFD als "rechtsextrem", "rechtsradikal" und "Nazi".
Haben die Menschen bereits Millionenfach gehört. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt muss man konstatieren, es hat nicht nur Null-Wirkung, sondern gar den gegenteiligen Effekt. Angesichts stetig steigender elektoraler Zustimmung des Souveräns.
Zudem las ich gestern, mittlerweile habe die AFD bei umfragen auch die Führung im Bereich "Problemlösungskompetenz" erobert. Abgesehen von ihrem aktuellen Status als in Umfragen weit führende Partei.
Sollte man da nicht mal die Wahl der kommunikativen Mittel evaluieren? Mir scheint das Sprichwort "Wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel" hier sehr zuzutreffen.
Eine ausgezeichnete Analyse jenseits der hyperventilierenden Masse. Vielen Dank für Ihre Arbeit.
Danke für die Zusammenfassung des Interviews. Ich konnte mir nur die ersten zwei Minuten anhören, dann hab ich aufgehört. Wahrscheinlich hätte ich sonst Ausschlag bekommen. Wenn das die neue Form von Journalismus ist, dann gute Nacht. Ich finde mittlerweile selbst bei öffentlich rechtlichen gibt es so viele schlecht informierte Leute, dass man sich gerade die Interviews mit Politikern sparen kann. Ich schaue mir dann lieber andere Formate an, siehe Maurice Höfgen.
Ich (als Rechter, der sich selbst als Demokraten sieht) muss sagen:
ein erfreulich guter und ausgewogener Artikel und eine (aus linker Sicht) zutreffende Analyse.
Auch die Kommentare hier sind mit angenehm wenig Schaum vor dem Mund geschrieben. Bin nur zufällige auf diese Seite gestoßen, als ich zu Bens Podcast recherchiert habe.
Ich kann bestätigen, was der Autor schreibt: dieses jahrelang von ÖRR&Medien betriebene Gatekeeping funktioniert nicht, sondern bewirkt eher das Gegenteil. Bei mir zumindest. Wenn ich das Gefühl habe, es gibt kontroverse, aber legitime Standpunkte, die totgeschwiegen werden, dann erzeugt das eher Interesse.
Wenn ich dazu noch als Rechter/Nazi/Faschist/Antidemokrat geframt werde, erzeugt das zusätzlich Trotz. Und ich glaube, da bin ich nicht der Einzige. Wenn "Ihr" "uns" eindämmen wollt, dann fangt an, uns zuzuhören, anstatt immer die Fackeln & Mistgabeln herauszuholen.
Es ist eine gute Sache, dass die Medien diese Gatekeeperfunktion verloren haben. In meinen Jugendjahren gab es noch kein Internet und ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, dass der öffentliche Diskurs irgendwie vorgegeben und kanalisiert war und man zwar Leserbriefe schreiben konnte aber nicht wusste, ob man abgedruckt wurde oder wie man abgedruckt wurde (Kürzungen wurden in der Regel nicht angegeben).
Das so viele Menschen den Podcast mit Höcke hören wollen hat ja weniger damit zu tun, dass dieser Mensch so unglaublich interessant und spannend wäre, als eben vielmehr damit, dass man das Gefühl hat, dass er in den Leitmedien immer nur "eingeordnet" sprich "verzerrt" dargestellt wird. Dann will man ihn gerne mal unfiltered oder eben unscripted hören. Die Medien haben mit ihrer "Brandmauer" bzw. "Boykott" genau das Gegenteil erreicht, nämlich die Neugierde erhöht.
Prima Nils. Danke. Hatte gestern darüber gelesen. Wie immer bisher bei Dir (habe ja noch nicht viel verfolgen Können) eine vortreffliche Analyse. Was Aladin El-Mafaalani digitale „Misstrauens-Infrastrukturen“ nennt indes, überwiegt zwischen den verschiedenen Gruppierungen links der Mitte. "Brücken bauen" und entsprechend die demokratischen Diskurse gegen den rechten Kulturkampf beleben wird so fast unmöglich. Da jedoch müssen wir hin. Danke erst Mal und schönen Tag.
Vielen Dank, lieber Stefan!
Diese Grenzen etablierter Medien sind doch schon längst offensichtlich. Bei Tilo Jung dürfen sämtliche Hamasfans auch völlig ungeskriptet ihre Propaganda verbreiten (mit dem Unterschied, dass Jung pampig wird, wenn man nicht seiner Meinung ist, siehe das Interview mit Götz Aly). Insofern gibt es das entsprechende "linke Format" auch schon. Wobei sich die Linke in dem Zusammenhang die Frage gefallen lassen muss, ob das wirklich der beste Mann ist, den sie ins Rennen schicken können.
Hallo, danke für den Artikel. Ich finde da stehen emanzipatorische Kräfte vor eine wirklich kniffligen Aufgabe. Denn Teil der neuen Medienökonomie ist auch, dass einfache, emotionalisierende, populistische Inhalte strukturell von Algorithmen und Netzwerken bevorteilt werden. Wie soll man dagegen mit komplexen und differenzierten Beiträgen gewinnen? Und eine andere Frage habe ich noch: was ist eure Meinung dazu, dass einige linke Influencer/Medienschaffende der Meinung sind, dass man jetzt in diese Formate (zb Ben ungeskriptet, Jasmin Kosubek,…) gehen sollte, weil sie nun die Platform selbst sind? Ich sehe das sehr kritisch und denke dass leistet ihnen einen großen Normalisierungsschub.
“einfache, emotionalisierende, populistische Inhalte” waren bereits vor dem Internetzeitalter das Mittel der Wahl, um Erfolg zu haben. Aber man braucht natürlich auch die entsprechenden Persönlichkeiten dafür. Proseminare mit Eggheads lockten noch kaum jemanden hinterm Ofen vor.
Natürlich braucht man beides. Für jeweilig eine andere Klientel.
Im Übrigen waren bereits Gysi und van Aken bei Ben.
"Höcke ist innerhalb der AfD machtpolitisch längst nicht mehr so dominant wie noch vor einigen Jahren." Es wäre sehr lehrreich, wenn ihr diese Einschätzung in einem kommenden Artikel oder Podcast genauer begründen könntet. Gewiss sind seit der Auflösung des Flügels nochmal neue Dynamiken in die Partei gekommen. Aber zumindest der Parteitag von 2022 und die Aufstellung der Generation Deutschland waren klare Machtdemonstrationen des Höcke Lagers. Ich hatte euch bis jetzt immer so verstanden, dass ihr diese Einschätzung teilt.
Liebe Grüße
Das machen wir gerne demnächst mal, danke für den guten Hinweis!
Im heutigen Journalismus geht es darum, vor den Kameras gut auszusehen und gut vorzulesen – was den Journalisten jedoch meistens misslingt; und genau das ist eine Krise.
Sehr gut erkannt, sachlich erklärt, die letzte Frage ist mehr als berechtigt. Leider wird es ein Pfeifen im Wind bleiben, die maßgebliche Reaktion wird der Ruf nach "Mehr Regulierung!" sein.
Also der Versuch, mit allen Mitteln die alte Deutungshoheit zurückzugewinnen.
Das Ergebnis ist jetzt schon absehbar.
Im Übrigen (ich hab die Kommentare mal quergelesen) noch ein wesentlicher Punkt: Das ständige Framing von Höcke und AFD als "rechtsextrem", "rechtsradikal" und "Nazi".
Haben die Menschen bereits Millionenfach gehört. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt muss man konstatieren, es hat nicht nur Null-Wirkung, sondern gar den gegenteiligen Effekt. Angesichts stetig steigender elektoraler Zustimmung des Souveräns.
Zudem las ich gestern, mittlerweile habe die AFD bei umfragen auch die Führung im Bereich "Problemlösungskompetenz" erobert. Abgesehen von ihrem aktuellen Status als in Umfragen weit führende Partei.
Sollte man da nicht mal die Wahl der kommunikativen Mittel evaluieren? Mir scheint das Sprichwort "Wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel" hier sehr zuzutreffen.