Vor der Wahl in Baden-Württemberg: Der miserable Wahlkampf des Markus Frohnmaier
In den Umfragen ging es für die AfD in Baden-Württemberg zuletzt bergab. Sollte sie bei der Wahl unter 20 Prozent landen, dürfte die Partei noch nervöser werden.
Die AfD steuert in Baden-Württemberg auf ihr historisch bestes Landtagswahlergebnis in Westdeutschland zu. Dennoch könnte die Wahl am Sonntag für die inzwischen erfolgsverwöhnte Partei zum Misserfolg werden, denn in den Umfragen ging es zuletzt bergab: Die Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap sehen die AfD inzwischen nur noch bei 18 Prozent, INSA bei 20 Prozent. Damit liegt die Partei zwar noch immer im Bereich der 18,4 Prozent, die die AfD 2023 in Hessen einfuhr, dem bislang besten Ergebnis bei einer westdeutschen Landtagswahl. Gleichzeitig läge sie damit aber deutlich unter den eigenen Erwartungen. Vielen in der Partei dürfte das nicht reichen.
Bei der Bundestagswahl 2025 kam die AfD in Baden-Württemberg auf 19,8 Prozent und lag damit nur leicht unter dem Bundesergebnis. Heute steht die Bundespartei bundesweit bei etwa 24 Prozent, also noch einmal ein paar Prozentpunkte mehr als bei der Wahl vor gut einem Jahr. Entsprechend müsste die AfD in Baden-Württemberg im Bereich von 23 Prozent landen, wenn sie in etwa proportional zum Bundestrend gewachsen wäre. Angesichts der Krise der in Baden-Württemberg besonders starken Industrie – allen voran der Autoindustrie – hatte man sich allerdings erhofft, sogar noch mehr zu schaffen. Von einem Ergebnis deutlich über der 20-Prozent-Marke scheint die AfD jedenfalls weit entfernt.
Frohnmaier ist tief in die Verwandtenaffäre verstrickt
Woran liegt das? Der AfD macht einerseits zu schaffen, dass in Baden-Württemberg Grüne und CDU offen um das Ministerpräsidentenamt kämpfen. Die Polarisierung zwischen CDU und Grünen kostet die AfD nämlich wertvolle Aufmerksamkeit. Es ist ein zäher Wahlkampf, in dem sich nicht jede zweite Schlagzeile um die Partei dreht.
Aktuell sieht alles danach aus, dass die AfD nur drittstärkste Kraft wird. Dabei tourt Landeschef Markus Frohnmaier großspurig als „Ministerpräsidentenkandidat“ durch den Südwesten. Er weiß: Sollte die AfD unter 20 Prozent bleiben, wäre das eine herbe Enttäuschung für seine Partei – und für ihn selbst.
Dass die Umfragewerte der AfD in Baden-Württemberg gerade sinken, hat nämlich auch viel mit ihm zu tun. Er ist tief in die Verwandtenaffäre verstrickt, die die Partei seit Wochen nicht abschütteln kann. Bundesweit werden immer wieder neue Fälle bekannt von Abgeordneten, die Verwandte anderer Abgeordneter angestellt haben. Frohnmaiers Frau etwa ist im Büro eines AfD-Bundestagsabgeordneten angestellt. Am Donnerstag kam dann heraus, dass auch Frohnmaiers Vater für die AfD-Bundestagsabgeordnete Diana Zimmer arbeitet – die organisiert praktischerweise gerade Frohnmaiers Wahlkampf.
Ein Parteikarrierist ohne Berufsausbildung
Der Vorwurf der Vetternwirtschaft wiegt bei Frohnmaier auch parteiintern schwerer als bei vielen anderen Abgeordneten, bei denen ähnliche Konstellationen bekannt geworden sind. Denn Frohnmaier gilt als Prototyp des Parteikarrieristen, den die AfD eigentlich ablehnt. Er ist 35 Jahre alt und hat weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch ein Studium vollendet. Seit 2017 sitzt er im Bundestag. Das wird er auch nach der Landtagswahl bleiben, denn um ein Landtagsmandat hat er sich lieber nicht beworben. Auch das macht ihn weder bei seinen parteiinternen Kritikern noch bei den Wählern beliebter.
Inhaltlich steht er den radikalen Kräften in der Partei in nichts nach, doch er setzt auf einen gemäßigten Stil, wie Lucius Teidelbaum analysiert, der Partei und Vorfeld in Baden-Württemberg seit vielen Jahren beobachtet. Die Selbstverharmlosung hindere Frohnmaier jedoch nicht daran, auch härtere Töne anzuschlagen, etwa als er Anfang des Jahres auf X schrieb: „Man muss sich nicht mehr dafür entschuldigen, weiß zu sein“ und dazu ein Emoji verwendete, das unter Rechtsradikalen als White-Power-Symbol gilt.
Außerdem missfallen vielen in der Partei Frohnmaiers Avancen in Richtung USA. So hatte Frohnmaier, der in der Partei eigentlich als besonders moskautreu gilt, nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran deren Vorgehen gelobt. „Die Trump-Administration hat hier mit chirurgischer Präzision und klarer Zielorientierung gehandelt“, erklärte Frohnmaier am Montag. Parteichef Chrupalla war davon nicht gerade begeistert. „Die chirurgische Kriegsführung kann man sicher infrage stellen“, sagte er gegenüber dem Fernsehsender ntv.
Reise in die USA wenige Tage vor der Wahl
Auf parteiinterne Kritik stößt auch Frohnmaiers Reise nach Washington. Drei Tage vor der Wahl besuchte er eine Konferenz von Turning Point, einst gegründet von Charlie Kirk. Offenbar versucht Frohnmaier, die Reise inzwischen nicht mehr allzu hoch zu hängen. Bislang veröffentlichte er lediglich einen Beitrag auf X, schrieb von intensiven Gesprächen und präsentierte sich auf einem Foto mit einem unbekannten Abteilungsleiter im US-Außenministerium. Lieber hätte er sich wohl mit ranghöheren Vertretern der USA fotografieren lassen. Doch besonders groß schien das Interesse an dem deutschen Gast nicht gewesen zu sein, berichtet Pauline von Pezold, die Frohnmaier für POLITICO begleitet hat: Frohnmaier sei von Montagabend bis Donnerstagmittag in Washington gewesen, sein Terminkalender sei weitgehend leer geblieben.
Frohnmaier versucht angesichts des parteiinternen wie öffentlichen Drucks, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, und feierte vor ein paar Tagen eine INSA-Umfrage, die die AfD bei 20 Prozent sah. „All die linken Kampagnen können uns nicht runterdrücken“, die 20 Prozent seien „sensationell“, erklärte er. Trotz aller vorgeblich guten Laune klingt das wenige Tage vor der Wahl deutlich kleinlauter als noch vor einiger Zeit, als er noch offensiver als Ministerpräsidentkandidat auftrat.
So blickt Frohnmaier am Sonntag eher nach unten als nach oben: Alles unter 20 Prozent wäre eine herbe Klatsche für die AfD. Sollte die AfD sogar unter 18,4 Prozent landen, also nicht einmal das bislang beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland einfahren, wäre das für Frohnmaier eine Katastrophe. Seine parteiinternen Kritiker machen sich schon warm.


