<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Über Rechts]]></title><description><![CDATA[Wir beobachten die Rechten, damit ihr es nicht müsst.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png</url><title>Über Rechts</title><link>https://www.ueberrechts.de</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Tue, 28 Jul 2026 23:55:58 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.ueberrechts.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Nils Schniederjann & Sebastian Friedrich]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Nils Schniederjann]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Nils Schniederjann]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Nils Schniederjann]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Eskalation in NRW: Worum geht es beim AfD-Streit?]]></title><description><![CDATA[Die AfD tritt zunehmend professionell auf. Doch ein Landesverband leistet Widerstand gegen den Kurs der Parteispitze. In NRW werden auf offener B&#252;hne Machtk&#228;mpfe ausgetragen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 25 Jul 2026 05:28:23 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/208341482/8527b3daa1a7fd06dd04d9351e8996e1.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>An den vergangenen beiden Wochenenden wollte die AfD in NRW eigentlich blo&#223; ihre Liste f&#252;r die Landtagswahl aufstellen. Doch der Parteitag eskalierte und sorgte daf&#252;r, dass der Landesverband sich nun im offenen Konflikt mit dem Bundesvorstand der Partei befindet. </span>Wir haben in den vergangenen Tagen mit Akteuren aus allen beteiligten Lagern gesprochen und so versucht, zu verstehen, worum es bei diesem Kampf um den Landesverband wirklich geht.</p><p>Deshalb rekonstruieren wir <span>in dieser Folge, was sich beim Parteitag abgespielt hat, bleiben aber nicht dabei stehen. Stattdessen beleuchten wir auch die Hintergr&#252;nde des Konflikts: Welche ideologischen, welche strategischen Differenzen spalten die Partei? Und was bedeutet der Machtkampf f&#252;r die Zukunft? </span></p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich &#8211; wie diese hier &#8211; mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Mark Terkessidis: Wie faschistisch ist die Linke? (Live)]]></title><description><![CDATA[Der Migrationsforscher Mark Terkessidis fragt sich, wo der Faschismus beginnt. Seine Antwort: Da, wo man ihn eher nicht vermuten w&#252;rde.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/mark-terkessidis-gewalt-am-denken</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/mark-terkessidis-gewalt-am-denken</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Sat, 18 Jul 2026 06:44:05 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/207413020/c41c464fe7dd6cb752f5e26c030c948a.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wann beginnt der Faschismus? Mark Terkessidis beantwortet die Frage nicht mit den erwartbaren Verd&#228;chtigen. Wer <em>Gewalt am Denken</em> aufschl&#228;gt in der Erwartung, dort Namen wie Musk, Trump oder die AfD zu finden, wird &#252;berrascht. Terkessidis findet Vertreter eines faschistischen Denkstils n&#228;mlich auch im eigenen, linksliberalen Milieu.</p><p>Terkessidis kommt aus dem Rassismus- und Migrationsdiskurs, sein erstes Buch widmete er schon 1995 der Neuen Rechten, zuletzt schrieb er &#252;ber koloniale Vergangenheit und Erinnerungspolitik. Mit <em>Gewalt am Denken</em> richtet er den Blick nun auf die eigene politische Herkunft, auf Identit&#228;tspolitik, Debatten um die Sprecherposition und Critical Whiteness. Er beschreibt darin dieselben Mechanismen der Angst und Ausgrenzung, die man sonst h&#228;ufig der radikalen Rechten zuschreibt. Im Gespr&#228;ch h&#246;rt man ihm einen Frust an, der &#252;ber akademische Entt&#228;uschung hinausgeht: An mehreren Stellen des Gespr&#228;chs berichtet er offen, dass er zwischenzeitlich &#252;berlegt hat, &#252;berhaupt noch etwas zu schreiben, so ersch&#246;pfend fand er das mediale Klima der vergangenen Jahre.</p><p>Das Gespr&#228;ch ist ein Mitschnitt der Veranstaltung, die Nils mit Terkessidis im Literaturforum im Brecht-Haus Berlin gef&#252;hrt hat. Es war die zweite Ausgabe der Reihe <em>Zeitanalysen</em>, einer Kooperation zwischen <em>&#220;ber Rechts</em> und dem Brechthaus. </p><p>Dies ist eine von zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wer hat in der AfD das Sagen?]]></title><description><![CDATA[Jetzt anh&#246;ren | Der AfD-Parteitag 2026 in Erfurt offenbart, dass unsere alten Kategorien nicht mehr funktionieren. Stattdessen pr&#228;gen neue Netzwerke und Kl&#252;ngeleien die Parteien. Wir versuchen, zu sortieren.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/wer-hat-in-der-afd-das-sagen</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/wer-hat-in-der-afd-das-sagen</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Mon, 06 Jul 2026 15:28:45 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/205534687/d54b5a4a5baf0f350fd6a1988eccd3ad.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Fr&#252;her waren AfD-Parteitage Orte der Wut, der Tr&#228;nen und der offenen Machtk&#228;mpfe. Inzwischen hat sich die Partei jedoch so weit professionalisiert, dass es deutlich gesitteter zugeht und vieles, was auf Parteitagen beschlossen wird, bereits im Voraus ausgehandelt ist. Auch der Bundesparteitag in Erfurt wirkt deshalb weniger wie ein offener Richtungsstreit, sondern eher wie das Ergebnis von Netzwerken, die im Hintergrund um Macht, Posten und das Personaltableau gerungen haben.</p><p>Alice Weidel und Bj&#246;rn H&#246;cke gelten gemeinhin als die gro&#223;en Gewinner dieses Parteitags. Wir schauen genauer hin und fragen: Wer hat in der AfD tats&#228;chlich das Sagen? Unsere Analyse zeigt: Weidel und H&#246;cke haben nur auf den ersten Blick gewonnen. Der eigentliche Gewinner ist das Netzwerk um den Bundestagsabgeordneten Sebastian M&#252;nzenmaier, in dem sich Akteure aus dem Umfeld Weidels ebenso wiederfinden wie Teile des H&#246;cke-Lagers. Wer geh&#246;rt zu diesem Netzwerk? Wie funktioniert es? Und wohin will es die Partei f&#252;hren?</p><p>Dabei zeigt sich: Die alten Kategorien, mit denen die AfD lange beschrieben wurde, tragen immer weniger. Aus dem Kampf zwischen Radikalen und vermeintlich Gem&#228;&#223;igten ist l&#228;ngst ein Kampf um Macht, Mandate und Einfluss geworden. Der neue Bundesvorstand wird von einem neuen Typus gepr&#228;gt: dem jungen Berufspolitiker. Er ist charmant, professionell, pragmatisch &#8211; und nicht minder radikal.</p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. 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Bundesparteitag der AfD in Erfurt zeigt jetzt eine Partei, die von Hinterzimmer-Diplomatie und Karrierenetzwerken gepr&#228;gt ist.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/afd-parteitag-2026</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/afd-parteitag-2026</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 05 Jul 2026 14:56:39 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/00fbf71f-e44f-422c-b73e-800cb6682751_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die AfD war eigentlich mal stolz darauf, eine Partei der Basisdemokratie zu sein, bei der man nie so richtig wei&#223;, was bei einem Parteitag passiert. Ein &#8222;g&#228;riger Haufen&#8220; eben, wie sie Alexander Gauland vor vielen Jahren einmal bezeichnete.</span></p><p><span>Entsprechend waren Parteitage der AfD &#252;ber Jahre hinweg sehr unterhaltsam. Selbst zu Zeiten J&#246;rg Meuthens gab es noch gerne mal Geschrei, Tr&#228;nen, Menschentrauben. Die Partei zeigte, dass sie sich nicht nur inhaltlich von den anderen Parteien unterschied, sondern auch in der Art und Weise, wie Konflikte immer wieder aufbrachen und weltanschauliche Widerspr&#252;che sichtbar wurden.</span></p><p><span>Als die schlimmsten St&#246;renfriede der rechten Einigkeit ausgeschaltet waren und aus Mitgliederparteitagen allm&#228;hlich Delegiertenparteitage wurden, gab es wenigstens noch ein paar Stellvertreterkriege, auf die Beobachter hinfiebern konnten. Der 17. Bundesparteitag der AfD in Erfurt aber lief an seinem ersten Tag, dem Tag, an dem der Bundesvorstand neu gew&#228;hlt wurde, so professionell und routiniert ab wie ein Parteitag der CDU: Alles steht ohnehin schon vorher fest, eigentlich tritt man nur f&#252;r die Fernsehkameras noch einmal zusammen.</span></p><h3><span>Stramm und glatt</span></h3><p><span>Man ahnte schon zu Beginn, dass in Erfurt keine gro&#223;en Linien gezogen w&#252;rden, sondern dass das Bild der Partei nach au&#223;en im Mittelpunkt stehen sollte: radikal rechts und professionell, stramm und glatt. Vor dem Parteitag war spekuliert worden, dass ein von Bj&#246;rn H&#246;cke unterst&#252;tzter Antrag gegen die Unvereinbarkeitsliste der Partei zumindest f&#252;r etwas Streit sorgen k&#246;nnte. Doch nicht einmal eine Stunde nach p&#252;nktlichem Beginn war die Sache erledigt.</span></p><p><span>Alice Weidel bedankte sich artig f&#252;r den Hinweis, die Liste zu &#252;berarbeiten. Der Bundesvorstand h&#228;tte das schon l&#228;ngst machen m&#252;ssen. Sie habe mit den Antragstellern gesprochen. Der neue Vorstand werde innerhalb eines Jahres die Unvereinbarkeitsliste &#252;berarbeiten. Antragsteller Joachim Paul zog den Antrag direkt zur&#252;ck und betonte, &#8222;volles Vertrauen&#8220; in den Bundesvorstand zu haben. Wof&#252;r man fr&#252;her mehrere Stunden hitziger Debatten gebraucht h&#228;tte, erledigt die Partei inzwischen in zwei Minuten.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><span>&#196;hnlich unspektakul&#228;r verlief die mit Spannung erwartete Rede von Bj&#246;rn H&#246;cke. Der Th&#252;ringer AfD-Chef durfte als Kopf des gastgebenden Landesverbands zu Beginn seine vermutlich bisher l&#228;ngste Rede bei einem Parteitag halten. Er referierte aus seinem Standardrepertoire: von der gebrochenen deutschen Identit&#228;t und den schlimmen Kartellparteien. Einzig sein kurzer Abstecher zum Thema Autobahntoiletten hatte etwas Innovatives: &#8222;Schaut auf den Zustand der Autobahntoiletten eines Landes und ihr erkennt den Zustand einer Gesellschaft!&#8220;, rief er den Delegierten zu.</span></p><p><span>Ihre Reaktionen, eingefangen von den Kameras: fragende Gesichter, leichte Andeutungen von Kopfnicken und zaghafter Applaus, um die Kunstpause zu f&#252;llen. Die Rede wurde insgesamt eher zur&#252;ckhaltend aufgenommen. Ein paar Fans standen auf, um zu applaudieren. Die meisten blieben sitzen, nach wenigen Sekunden ging es weiter.</span></p><h3>Chrupalla und Weidel in Konkurrenz und Eintracht</h3><p><span>Spannend h&#228;tte auch die Wahl der Bundesvorsitzenden werden k&#246;nnen, aber Tino Chrupalla und Alice Weidel traten jeweils ohne Gegenkandidaten an. Sie schlugen sich demonstrativ gegenseitig vor, hielten jeweils souver&#228;ne Reden. Weil es schon keine Kampfkandidatur gab, versuchten Journalisten und Delegierte immerhin, ein Duell zwischen Chrupalla und Weidel heraufzubeschw&#246;ren. Wer w&#252;rde mehr Zustimmung bekommen, nachdem beim letzten Mal Weidel hinter Chrupalla gelandet war? Weidel blieb auf dem Niveau von vor zwei Jahren und bekam schlie&#223;lich 81 Prozent. Chrupalla bekam 70 Prozent, gut zehn Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. Ein Signal, dass der Sachse Erfurt etwas geschw&#228;cht verl&#228;sst, wenngleich l&#228;ngst nicht so schwach, wie von Beobachtern im Vorfeld gemunkelt worden war. </span></p><p><span>Fr&#252;her ging man beim Blick auf die AfD von ideologischen Fl&#252;geln oder Lagern aus. Heute dominieren in der AfD Karrierenetzwerke. Da ist das m&#228;chtige Netzwerk um Alice Weidel und den Bundestagsabgeordneten Sebastian M&#252;nzenmaier. Dieses Netzwerk ist verb&#252;ndet mit dem Lager um Bj&#246;rn H&#246;cke. Daneben gibt es das schw&#228;chere Netzwerk um Tino Chrupalla, zu dem die Mehrheiten der Landesverb&#228;nde in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen z&#228;hlen.</span></p><h3>Kleinere Duelle und &#220;berraschungen</h3><p>Der Riss zwischen diesen Netzwerken geht zum Teil quer durch die Landesverb&#228;nde. Das zeigte sich in Erfurt bei der Wahl eines stellvertretenden Parteivorsitzenden: Kay Gottschalk gegen Sven Tritschler, beide aus Nordrhein-Westfalen, beide fr&#252;her eher solche, die sich gem&#228;&#223;igt gaben. Gottschalk hat sich in den vergangenen Monaten aber lager&#252;bergreifend wenig Freunde gemacht: Zun&#228;chst gab es im Bundestag Streit mit Beatrix von Storch, dann hatte er sich mit den Rechtsradikalen in der Partei angelegt, weil er sich f&#252;r den Ausschluss des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich eingesetzt hatte. Da n&#252;tzte es auch nichts, dass Gottschalk sich neulich auf einem Remigrationskongress in Portugal blicken lie&#223; und dort medienwirksam mit dem ehemaligen ICE-Kommandeur Gregory Bovino zusammentraf. Am Ende landete Tritschler, der von Alice Weidel pers&#246;nlich vorgeschlagen wurde, vor Gottschalk.</p><p>Die einzige wirkliche &#220;berraschung war die Wahl von Katrin Ebner-Steiner zur stellvertretenden Parteivorsitzenden. Die bayerische AfD-Chefin gilt als H&#246;cke-Vertraute, trat ohne Gegenkandidatin an und wurde mit lediglich 55,7 Prozent gew&#228;hlt. Wohl auch, weil der eigentlich f&#252;r diesen Posten vorgesehene Kandidat seine Kandidatur f&#252;r viele &#252;berraschend zur&#252;ckgezogen hatte.</p><p>Peter Boehringer ist seit 2022 im Bundesvorstand. Er ist ein harter Marktliberaler und dabei nicht minder rechtsradikal. Vor allem gilt er als flei&#223;ig. Kurz bevor Ebner-Steiner gew&#228;hlt wurde, erkl&#228;rte er jedoch seinen Verzicht auf eine Kandidatur. Er machte das ganz knapp, mit nicht besonders gl&#252;cklicher Miene und ganz sicher nicht von langer Hand geplant. Noch zwei Tage vor dem Parteitag hatte er in einem fast halbst&#252;ndigen Video seine erneute Kandidatur f&#252;r den neuen Bundesvorstand begr&#252;ndet. Warum er zur&#252;ckstecken musste, was seit Donnerstag in den Hinterzimmern und Netzwerken passiert ist, erfuhren die Delegierten nicht.</p><h3>Der Erfolg der Hinterzimmer-Diplomatie</h3><p><span>Jenseits der Netzwerke geht im Grunde nichts mehr in der AfD. Das zeigte sich bei der Wahl des Bundesschatzmeisters. Carsten H&#252;tter macht diesen Job seit vielen Jahren. Er bat in seiner Bewerbungsrede darum, nicht auf die Netzwerker und Einfl&#252;sterer zu h&#246;ren, sondern auf das eigene Gef&#252;hl. H&#252;tters Worte wurden nicht erh&#246;rt. Der einstige Chef der Jungen Alternative, Hannes Gnauck, der eigentlich keine Erfahrung auf diesem Gebiet hat, setzte sich durch. In zwei Wahlg&#228;ngen hatte auch er keine absolute Mehrheit, aber im dritten Wahlgang reichte es dann f&#252;r ihn.</span></p><p>Die meisten anderen Wahlen zum neuen Bundesvorstand gingen ger&#228;uschlos vonstatten, oft ohne Gegenkandidaten. Die Hinterzimmer-Diplomatie funktioniert besser denn je in der AfD. Der Politikwissenschaftler Floris Biskamp wies auf einen interessanten Umstand beim gew&#228;hlten Bundesvorstand hin: Der 14 Personen umfassende Bundesvorstand besteht aus zw&#246;lf M&#228;nnern und zwei Frauen. Die H&#228;lfte waren einst Kader der Jungen Alternative; bis auf eine Ausnahme sind sie alle unter 40. Diese Verj&#252;ngung h&#228;ngt unmittelbar mit dem M&#252;nzenmaier-Netzwerk zusammen, das sich wesentlich aus alten JA-Kontakten speist.</p><p>&#8222;So viel zur Ablehnung des Prinzips &#8218;Krei&#223;saal-H&#246;rsaal-Plenarsaal&#8216;, die mal so wichtig f&#252;r die Parteidentit&#228;t war&#8220;, <a href="https://bsky.app/profile/theflorislava.bsky.social/post/3mptg2uf7is23">kommentierte Biskamp</a>. Die Partei reproduziert sich immer mehr aus sich selbst und produziert eine neue Generation von Berufspolitikern.</p><p><span>Bei den Diskussionen zu den Satzungs&#228;nderungen am Sonntag, die kaum noch jemand wahrnahm, setzte sich ebenfalls die Professionalisierungsfraktion durch. Nachdem man mit dem Antrag, </span>wonach jeder Landesverband ab einer Mitgliederzahl von 8.000 k&#252;nftig nur noch Delegiertenparteitage durchf&#252;hren soll,<span> auf vergangenen Parteitagen immer wieder gescheitert war, ging auch dieser nun durch. Lange war die Zeit f&#252;r die einstige Partei der Basisdemokratie daf&#252;r offenbar noch nicht reif. In Erfurt aber konnte die Basisdemokratie als eine der letzten Altlasten der Gr&#252;nderjahre der Partei eingehegt werden. </span></p><p><span>So pr&#228;sentierte sich die Partei am Ende des Wochenendes radikaler denn je, j&#252;nger denn je, professioneller denn je &#8211; und immer mehr als das, was sie eigentlich nie sein wollte: eine Partei der Funktion&#228;re, Netzwerker und Berufspolitiker. Die AfD ist nun endg&#252;ltig eine Altpartei, wenngleich die j&#252;ngste und rechteste.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Springer braucht kein Geheimtreffen: Wie Bild und Welt die AfD hofieren]]></title><description><![CDATA[Fand zwischen Mathias D&#246;pfner und Friedrich Merz ein Vier-Augen-Gespr&#228;ch zur Brandmauer statt? Ein Blick in BILD und WELT verr&#228;t jedenfalls, was man bei Axel Springer von der Brandmauer h&#228;lt.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/springer-braucht-kein-geheimtreffen</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/springer-braucht-kein-geheimtreffen</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Thu, 02 Jul 2026 04:57:58 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/3447367e-47fd-42d8-8495-5ddb2c6e90df_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Aufregung in Berlin-Mitte: Springer-Chef Mathias D&#246;pfner soll Kanzler Merz offensiv dazu gedr&#228;ngt haben, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Das jedenfalls behaupten der Journalist Stephan Lamby und die Journalistin Eva Quadbeck <a href="https://www.rnd.de/politik/merz-und-doepfner-geraten-aneinander-die-ganze-geschichte-im-neuen-rnd-podcast-wenn-sie-wuessten-VSLZMQOY35CSHHHXRMIACGEMB4.html">in einem Podcast</a>. Sie berichten von einem Vier-Augen-Treffen zwischen D&#246;pfner und Merz, das Anfang des Jahres im Kanzleramt stattgefunden haben soll. Lamby und Quadbeck waren zwar nicht dabei, aber es gebe &#8222;Sekund&#228;rquellen&#8221;, &#8222;Indizien&#8221; und &#8222;gut informierte Personen&#8221;, auf deren Grundlage der Gespr&#228;chsverlauf rekonstruierbar sei. Merz soll demnach zu D&#246;pfner gesagt haben, eine Zusammenarbeit mit der AfD komme nicht infrage: &#8222;Das wird nicht passieren. Nur &#252;ber meine Leiche.&#8220; Anschlie&#223;end habe er D&#246;pfner rausgeworfen, der das Gespr&#228;ch beim Herausgehen mit einer Drohung beendete: &#8222;Das werden Sie noch bereuen.&#8220;</p><p>Der Springer-Konzern <a href="https://x.com/axelspringer/status/2072248906482663550">weist die Vorw&#252;rfe als absurd zur&#252;ck</a>: &#8222;Die Unterstellung, Mathias D&#246;pfner h&#228;tte den Kanzler zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedr&#228;ngt, ist eine glatte L&#252;ge.&#8220; In dem Statement verweist das Unternehmen noch auf etwas anderes: Bereits im November 2025 habe in Berliner Journalistenkreisen eine Nachricht kursiert, in der &#8222;nahezu wortgleich&#8220; ein Gespr&#228;ch zwischen D&#246;pfner und Merz wiedergegeben worden sei wie jenes, von dem nun Lamby berichtet &#8211; der datiert die Szene allerdings auf Anfang 2026.</p><p>Gro&#223;e Verwirrung im politischen Berlin: Fand dieses Vier-Augen-Gespr&#228;ch nun statt? Was wurde darin gesagt? Wenn es stattfand: Wann war es? Was steht in jener Nachricht, die in Berliner Journalistenkreisen kursiert haben soll? Und wer sind eigentlich diese &#8220;gut informierten Personen&#8221;, von denen die Rede ist?</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag von uns zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p>Es verwundert nicht, dass diese Fragen die Speerspitze des politischen Journalismus in Wallung bringen. Aber eigentlich br&#228;uchte es weder Vier-Augen-Gespr&#228;che noch kursierende Nachrichten. Ein kursorischer Blick in die Produkte des Springer-Konzerns ist aufschlussreich genug, um zu sehen, wohin die Reise f&#252;r einen der umsatzst&#228;rksten Medienunternehmen Europas gehen d&#252;rfte.</p><p>Etwa bei BILD: Dort schrieb Chefredakteurin Marion Horn k&#252;rzlich <a href="https://www.bild.de/politik/meinung-kommentare-kolumnen/brandmauer-reicht-nicht-deutschland-braucht-den-befreiungsschlag-6a11d0f23b7096456ac80c03">einen bemerkenswerten Kommentar</a> gegen die Brandmauer. Die Regierung habe nicht begriffen, wie ernst die Lage sei: &#8222;Deutschland braucht keinen weiteren Warnhinweis. Deutschland braucht endlich einen Befreiungsschlag. Bei Rente, Steuern, Arbeit, B&#252;rokratie&#8220;, schrieb Horn. Dagegen sei die Brandmauer noch keine Politik.</p><p>Wie die Bev&#246;lkerung die Sache sieht, wei&#223; BILD nat&#252;rlich auch. In dem Beitrag <em><a href="https://www.bild.de/politik/inland/brandmauer-zur-afd-einreissen-das-sagen-die-bild-leser-6a12a7983b7096456ac81225">Das denken die BILD-Leser &#252;ber die Brandmauer</a></em> verk&#252;ndete das Blatt Volkes Wille. Klares Ergebnis: 84 Prozent sind f&#252;r eine Zusammenarbeit mit der AfD.</p><p>Und weil Chefredakteurin und Leser noch nicht ausreichen, legte BILD noch einmal nach: &#8222;<a href="https://www.bild.de/politik/bild-fragt-unternehmer-das-sagen-wirtschafts-bosse-zur-brandmauer-6a1956f4411d40cd4c74b737">Das sagen Deutschlands Wirtschaftsbosse zur Brandmauer</a>&#8220;. Hier fiel das Bild etwas geteilter aus: Manche sind gegen die Brandmauer, andere Unternehmer aus Kostengr&#252;nden dagegen. Aber der Teaser gab den Takt vor: Merz wolle nicht mit der AfD zusammenarbeiten. &#8222;Doch die Zweifel daran, ob ihm mit den Sozialdemokraten der gro&#223;e Reformwurf gelingt, wachsen mit jedem Tag der Regierungskrise. Auch bei Unternehmern, die an massiven Wettbewerbsnachteilen (B&#252;rokratie, Energiepreise) leiden, oder die sogar um ihre Existenz k&#228;mpfen.&#8220;</p><p>Wer angesichts dieser Rahmung noch Zweifel hatte, bekam die Meinung gleich noch einmal mitgeliefert. Diesmal nicht von der Chefredakteurin, sondern von Vizechefin Linna Nickel. Sie lobte <a href="https://www.bild.de/politik/meinung-kommentare-kolumnen/unternehmer-fordern-mehr-mut-und-kritisieren-die-politische-blockade-6a1b0c5e411d40cd4c74cccf">in ihrem Kommentar</a> ausdr&#252;cklich einen Unternehmer, der findet, dass die Brandmauer das Land l&#228;hme. &#8222;Ich w&#252;nsche mir mehr mutige Unternehmer wie ihn, die endlich Position beziehen&#8220;, so die stellvertretende Chefredakteurin.</p><p>Diese vier Artikel sind nicht aus den vergangenen zwei Jahren zusammengesammelt, nicht m&#252;hsam aus dem BILD-Archiv herausgepickt. Sie erschienen allesamt binnen einer einzigen Woche Ende Mai. Zwar gibt es nicht jede Woche eine derart geballte Ladung zum Thema Brandmauer. Aber exemplarisch zeigt sich hier sehr gut, wie und mit welchen Mitteln vonseiten der BILD versucht wird, die Brandmauer einzurei&#223;en.</p><p>Auch bei Springers WELT schreibt man seit dem <a href="https://www.welt.de/debatte/kommentare/article254982012/Warum-Elon-Musk-auf-die-AfD-setzt-und-warum-er-dabei-irrt.html">Gastbeitrag</a>, in dem Elon Musk die AfD im Dezember 2024 als &#8222;letzten Funken Hoffnung&#8220; bezeichnete, kr&#228;ftig gegen die Brandmauer an. Die Redakteurin Fatina Keilani <a href="https://x.com/KeilaniFatina/status/1998626882267525342">fantasiert etwa auf X</a>, dass Deutschland &#8222;strukturell eine rechte Mehrheit&#8220; aus CDU und AfD habe, die es zu nutzen gelte. Im Februar 2025 <a href="https://www.welt.de/debatte/plus255478428/Bundestagswahl-Die-Un-Logik-der-Brandmauer.html">schreibt Magnus Klaue in der WELT</a>, die Brandmauer drohe &#8222;die Konkurrenz der Parteien vollends zu ersticken&#8220;.</p><p>Ansonsten geht es bei dem &#8222;Premium-Produkt&#8220; WELT vor allem um die Minderheitsregierung. Bei WELT TV etwa ist regelm&#228;&#223;ig von dieser M&#246;glichkeit die Rede. Am deutlichsten trug Ulf Poschardt, laut dem die Brandmauer &#8222;<a href="https://www.welt.de/debatte/plus255256764/Merz-Migrationspolitik-Das-Ende-der-moralischen-Anmassung-der-Gernegrossen.html">dem Machterhalt eines linken, rot-gr&#252;nen Milieus</a>&#8220; dient, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jRtJ3UwCupQ">die &#220;berlegung im November 2025 vor,</a> als SPD-Chefin B&#228;rbel Bas in der Kritik stand:</p><blockquote><p>&#8222;Ich haue ja gerne mal auf Friedrich Merz kritisch drauf, aber mit so einem Koalitionspartner kannst du das Land eigentlich nur an die Wand fahren. Und vor dem Hintergrund ist dann nat&#252;rlich auch noch mal anzugucken, wenn Alice Weidel ein paar vern&#252;nftige Sachen gesagt hat, die sie gerne machen w&#252;rde, ob man nicht wirklich Richtung Minderheitsregierung irgendwann nachdenken muss.&#8220;</p></blockquote><p>Dar&#252;ber wird also ganz offen bei Springer nachgedacht. Ob das auch explizit Thema in einem Vier-Augen-Gespr&#228;ch im Kanzleramt war, ist eigentlich zweitrangig. Man muss nur BILD lesen und WELT schauen. </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Hat die Links-Rechts-Unterscheidung ausgedient? | Philip Manow: „Spaltungslinien“ (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[Verl&#228;uft der zentrale Konflikt heute zwischen &#214;ffnung und Schlie&#223;ung, Globalisierung und Nationalstaat, liberal und illiberal? Was eine solche Perspektive sichtbar macht &#8211; und was nicht.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/philip-manow-spaltungslinien</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/philip-manow-spaltungslinien</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 27 Jun 2026 05:08:09 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/203482074/f913c512338fc72dfc94cb38e130c654.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Schon seit Jahrzehnten wird behauptet, die alte Aufteilung der politischen Lager in Links und Rechts h&#228;tten ihre Erkl&#228;rungskraft verloren. Die Konflikte der Gegenwart verliefen l&#228;ngst entlang anderer Spaltungs- und Konfliktlinien. Genau hier setzt der Politikwissenschaftler Philip Manow an, den die FAZ k&#252;rzlich zum &#8222;Denker der Stunde&#8220; adelte. In seinem neuen Buch <em>Spaltungslinien. Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats</em> behauptet er, dass Europ&#228;isierung und Globalisierung eine neue politische Konfliktachse hervorgebracht haben &#8211; und dass sich mit ihr auch der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien besser verstehen lasse.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!s85C!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc1f56391-9551-4d16-a417-a9b070071514_4200x2296.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!s85C!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc1f56391-9551-4d16-a417-a9b070071514_4200x2296.jpeg 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>In dieser Kaderschmiede lesen wir Manows Buch, das im Mai im Verlag C.H. Beck erschienen ist. Zun&#228;chst diskutieren wir seine zentrale These: L&#246;st sich die alte Links-Rechts-Achse tats&#228;chlich auf? Oder &#252;berzieht Manow, wenn er die politischen Konflikte der Gegenwart vor allem als Gegensatz von &#214;ffnung und Schlie&#223;ung beschreibt?</p><p>Relativ einig si&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/philip-manow-spaltungslinien">
              Read more
          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Alles Faschisten außer der Linken?]]></title><description><![CDATA[Luigi Pantisano hat CDU und AfD f&#252;r faschistisch erkl&#228;rt und sich daf&#252;r wenig sp&#228;ter entschuldigt. Das war politisch unklug &#8211; wichtiger ist aber, was das Debakel &#252;ber den Begriff selbst sagt.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/alles-faschisten-auer-der-linken</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/alles-faschisten-auer-der-linken</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 24 Jun 2026 09:43:58 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/706cb8b6-7ca0-467c-9925-6b1429c8ece7_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte Luigi Pantisano &#252;ber Friedrich Merz sprechen. Als er am vergangenen Samstag zum neuen Linken-Vorsitzenden gew&#228;hlt wurde, hatte er eine klare Agenda: die unsoziale Politik der Bundesregierung angreifen und die Partei als erkennbare dritte Kraft zwischen Mitte-Parteien und rechtsradikaler Opposition aufstellen. Dann &#252;berlagerte ein Satz aus einem Bild-Interview alles: &#8222;Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst&#8220;, sagte er kurz vor dem Parteitag, auf dem er dann ohne Gegenkandidaten mit sehr knapper Mehrheit gew&#228;hlt wurde. </p><p>Nicht nur von der CDU und aus der Presse kamen R&#252;cktrittsforderungen und harte Kritik an seiner Aussage. Auch mehrere Mitglieder der Ostverb&#228;nde der Linkspartei distanzierten sich. Am Tag nach dem Parteitag nahm Pantisano seine Aussage dann als &#8222;verk&#252;rzt und in dieser Form falsch&#8220; zur&#252;ck. Das ganze Debakel zeigt, dass Pantisano noch nicht die Klaviatur professioneller politischer Rhetorik beherrscht. Analytisch interessanter ist es aber, sich dem Begriff zuzuwenden, mit dem er da operierte.</p><h3><strong>Der Faschismus-Begriff ist vieldeutig</strong></h3><p>Denn der Begriff &#8222;Faschismus&#8220; bezeichnet gleichzeitig zwei sehr verschiedene Dinge: einerseits ist es ein analytisches Konzept, andererseits der moralische H&#246;hepunkt im politischen Sprechen.</p><p>Als analytischer Begriff beschreibt er aus einem engeren historischen Blickwinkel ein spezifisches Ph&#228;nomen der europ&#228;ischen Zwischenkriegszeit. Die faschistischen Bewegungen jener Jahre zerschlugen die organisierte Arbeiterbewegung durch paramilit&#228;rische Gewalt, strebten einen streng hierarchisch strukturierten Staat an und legitimierten das mit Ultranationalismus und einem rassistischen Vernichtungsnarrativ. Damals ergab sich eine spezifische Situation, die eine zerst&#246;rerische Politik hervorbrachte, die sich qualitativ von allgemeinem Autoritarismus unterschied.</p><p>In einer eher weiten Deutung kann unter Faschismus eine politische Ideologie verstanden werden, die radikalen Nationalismus, Antiliberalismus und den Mythos der Wiedergeburt der Nation fasst. Eine strenger materialistische Analyse sieht im Faschismus eine Form der Ausnahmeherrschaft des Kapitals, wenn die b&#252;rgerliche Demokratie als nicht mehr funktionst&#252;chtig erscheint. Diese unvollst&#228;ndige Auflistung zeigt bereits, dass selbst ein analytisch gefasster Faschismusbegriff sehr unterschiedliche Akzente setzt. Was mit Faschismus gefasst werden kann, ist in der Fachwelt wie unter Linken h&#246;chst umstritten.</p><p>Der Alltagsverstand kennt insbesondere in Deutschland noch eine andere Bedeutung: Weil das historische Ph&#228;nomen so extrem war, avancierte das Wort nach 1945 zum absoluten H&#246;hepunkt moralischer Verurteilung. Wer jemanden anderen als Faschisten bezeichnete, wollte diskreditieren &#8211; die Linken die Rechten, aber auch umgekehrt, wenn Linke als rot lackierte Faschisten oder von Liberalen als &#8222;Linksfaschisten&#8220; beschimpft wurden.</p><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;12799d1e-d0a8-4f02-8716-a5deef61cb54&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Ausgehend von aktuellen Debatten diskutieren wir verschiedene Begriffsangebote, die derzeit im Umlauf sind. Wir sprechen &#252;ber den Faschismusbegriff im Alltagsverstand, &#252;ber den Begriff des &#8222;demokratischen Faschismus&#8220; bei Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey sowie &#252;ber den Begriff der Faschisierung, wie ihn etwa Mario Candeias verwendet.&quot;,&quot;cta&quot;:null,&quot;showBylines&quot;:true,&quot;showDescription&quot;:true,&quot;showImage&quot;:true,&quot;size&quot;:&quot;sm&quot;,&quot;isEditorNode&quot;:true,&quot;title&quot;:&quot;Warum wir nicht von Faschismus sprechen&quot;,&quot;publishedBylines&quot;:[{&quot;id&quot;:111371079,&quot;name&quot;:&quot;Sebastian Friedrich&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Freier Journalist und Autor (u.a. NDR, Panorama, Der Freitag) Podcast + Newsletter &#8222;&#220;ber Rechts&#8220;&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!XfPS!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffed732ec-af3d-4bdd-8130-e358d6d187d6_400x400.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100},{&quot;id&quot;:2651099,&quot;name&quot;:&quot;Nils Schniederjann&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Journalist.&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!MiNx!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F2fee6b98-5740-402f-b84a-6e6f6193073c_1178x1179.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100}],&quot;post_date&quot;:&quot;2026-04-12T04:56:56.801Z&quot;,&quot;cover_image&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/015aba20-1a86-4d2c-aa54-9a25930d0641_2100x1485.jpeg&quot;,&quot;cover_image_alt&quot;:null,&quot;canonical_url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/warum-wir-nicht-von-faschismus-sprechen&quot;,&quot;section_name&quot;:null,&quot;video_upload_id&quot;:null,&quot;id&quot;:193940851,&quot;type&quot;:&quot;podcast&quot;,&quot;reaction_count&quot;:20,&quot;comment_count&quot;:7,&quot;publication_id&quot;:4369993,&quot;publication_name&quot;:&quot;&#220;ber Rechts&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;youtube_url&quot;:null,&quot;show_links&quot;:null,&quot;feed_url&quot;:null}"></div><p>Aufgrund der abwertenden Dimension gibt es auch heute noch eine rhetorische Versuchung, auf das Wort Faschismus zur&#252;ckzugreifen. Ein Begriff, der den &#228;u&#223;ersten moralischen Ausschluss markiert, zieht deshalb tendenziell einen inflation&#228;ren Gebrauch auf sich: je st&#228;rker die moralische Ladung, desto gr&#246;&#223;er der Anreiz, ihn gegen alles einzusetzen, was man verdammen will. Aber die historische Pr&#228;zision und die moralische &#220;berladung stehen in einem Widerspruch, den der Begriff auf Dauer nicht aush&#228;lt.</p><p>Linke Theoretiker haben das in den vergangenen Jahren registriert und auch deshalb den Begriff der &#8222;Faschisierung&#8220; angeboten: Faschisierung als Prozess, als das Hineingleiten in faschistische Verh&#228;ltnisse noch vor &#220;berschreitung der historischen Schwelle, die seine Existenz f&#252;r alle sichtbar macht; Faschisierung als das &#8222;Changieren zwischen einem Gerade-Noch demokratischer Regelung und dem Noch-Nicht faschistischer Politik&#8220;, wie es <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/522410.faschismusdefinition-ein-griff-um-die-dinge-zu-bewegen.html">der Faschismusforscher Klaus Weber nennt</a>. Das ist nicht unklug, gel&#246;st ist das Problem damit aber noch nicht. Denn wenn jede autorit&#228;re Versch&#228;rfung und jede Austerit&#228;tspolitik als Schritt zur Faschisierung gilt, geht die Trennsch&#228;rfe trotzdem verloren. Gewonnen hat man zwar ein Spektrum statt eines Schwarz/Wei&#223;-Bilds, doch auf diesem l&#228;sst sich immer noch alles rechts der Mitte einordnen.</p><h3><strong>Pantisanos Faschismus-Definition</strong></h3><p>Pantisanos Aussagen zeigen genau dieses Problem. Nach dem Parteitag wurde er im Interview mit dem ZDF-Magazin Berlin Direkt noch einmal nach seinem &#8222;recht freih&#228;ndigen&#8220; Umgang mit dem Faschismusbegriff gefragt und um eine etwas genauere Definition gebeten. Pantisano antwortete:</p><blockquote><p>&#8222;Naja, ich w&#252;rde definieren, dass Politiken der AfD beispielsweise in Sachsen-Anhalt faschistische Z&#252;ge tr&#228;gt, die zum Beispiel an die Zeiten der Euthanasie in Deutschland erinnern lassen. Und wenn ein CDU-Fraktionsvorsitzender kumpelt mit dem Spitzenkandidaten der AfD dann bereitet mir das gro&#223;e Sorgen.&#8220;</p></blockquote><p>Auf eine Anfrage von <em>&#220;ber Rechts</em>, was der neue Parteivorsitzende mit seiner Aussage genau meinte, antwortete Pantisano, er beziehe sich dabei &#8222;auf die Abschaffung der Inklusion&#8220;. In <a href="https://afd-regierungsprogramm.de/">dem Programm der AfD</a> findet sich tats&#228;chlich die Forderung, behinderte Kinder an F&#246;rderschulen zu unterrichten, statt sie in den Regelbetrieb zu integrieren. (Daneben will die Partei die Zahl der Behindertenparkpl&#228;tze reduzieren.)  Die Trennung von behinderten und nicht-behinderten Kindern folgt tats&#228;chlich einer Aussonderungslogik, aber sie ist weit entfernt von der massenhaften Euthanasie von Menschen mit Behinderung, die im deutschen Kontext mit der Aktion T4, bei der die Nationalsozialisten bis zu 70.000 Menschen get&#246;tet haben, verbunden ist. Dass die AfD also eine tendenziell behindertenfeindliche Politik verfolgt, d&#252;rfte kaum jemand ernsthaft bezweifeln &#8211; aber macht sie das faschistisch?</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><h3><strong>Das analytische Defizit hinter dem Faschismus-Begriff</strong></h3><p>Der analytische Fehler folgt dabei durchaus einer gewissen Logik: Die linken Faschismus-Warner belegen zun&#228;chst die AfD mit dem Begriff, dann stellen sie Gemeinsamkeiten mit der CDU fest und schlie&#223;en daraus, dass auch letztere in dieselbe Kategorie geh&#246;rt. Dass es (insbesondere im Bereich der Migrations- und Sicherheitspolitik) immer wieder inhaltliche &#220;berschneidungen zwischen AfD und CDU gibt; dass die CDU etwa im Kampf gegen Antisemitismus zunehmend bereit ist, autorit&#228;re Mittel einzusetzen; dass die CDU im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik bereit ist, den Menschen eine gewisse H&#228;rte zuzumuten &#8211; all das ist unbestritten.</p><p>Dass es sich dabei allerdings schon um Faschismus (oder den Weg dorthin) handelt, konnte bislang niemand plausibel machen. Und deshalb braucht es immer wieder den Umweg &#252;ber eine potenzielle Zusammenarbeit der CDU mit der AfD, die nun auch Pantisano in den Mittelpunkt seiner Verteidigung stellt, wenn er sagt, ihm sei es nur darum gegangen, seine Sorge vor den Kumpeleien zwischen den Christdemokraten und der Rechtsau&#223;en-Partei zum Ausdruck zu bringen.</p><p>Damit d&#252;rfte er allerdings die Kooperationsperspektive mit der CDU in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig besch&#228;digt haben. Dort werden nach den Herbstwahlen m&#246;glicherweise B&#252;ndnisse zwischen Linken und CDU n&#246;tig sein, um eine AfD-Regierungsbeteiligung zu verhindern. Fast zeitgleich mit seinem Faschismus-Vorwurf hatte Pantisano sich &#252;brigens in einem ARD-Interview noch f&#252;r eben diese Zusammenarbeit ausgesprochen.</p><p>Hinter dem Scheitern der Faschismusrhetorik steckt also ein reales analytisches Defizit. Der Faschismusbegriff ist analytisch zu vieldeutig, um als allgemeines Verdikt zu funktionieren; gleichzeitig ist er zu moralisch aufgeladen, um analytisch pr&#228;zise zu bleiben. Was die gegenw&#228;rtige Rechte in ihren verschiedenen Auspr&#228;gungen will und ist, l&#228;sst sich beschreiben. Der Faschismusbegriff hilft dabei nicht.<span> </span>Und so zeigt sich an diesem Wochenende erneut, wie ungeeignet der Faschismusbegriff nicht nur ist, um die K&#228;mpfe der Gegenwart zu verstehen &#8211; er ist es erst Recht, um sie auszutragen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kumpelei zwischen AfD & CDU: Die glattzuspachtelnde Wirklichkeit]]></title><description><![CDATA[Der CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt liegt lachend im Arm von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die Reaktion der CDU zeigt, wie br&#246;ckelig die Strategie der Partei inzwischen ist.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/heuer-siegmund-kumpelei-zwischen-afd-und-cdu</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/heuer-siegmund-kumpelei-zwischen-afd-und-cdu</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:50:53 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/00f4ffec-297f-4571-9eae-e72a4d5d656d_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Vermieter kennen diesen Trick: Kurz bevor potenzielle Neumieter eine leere Altbauwohnung betreten, werden noch schnell die Risse in der Wand gekittet, mit dem Spachtel glattgezogen und anschlie&#223;end mit wei&#223;er Farbe &#252;berpinselt. F&#252;r den Moment sieht die Wand aus wie neu. Doch der Riss wird bald wieder an derselben Stelle sichtbar. Daf&#252;r braucht es nur eine kleine Bewegung im Mauerwerk, das ja unver&#228;ndert bleibt.</p><p>Die CDU in Sachsen-Anhalt erlebte vor ein paar Tagen eine solche Bewegung. Bei einer Veranstaltung griff Guido Heuer, Chef der CDU-Landtagsfraktion, zum Mikrofon und lag dabei lachend mehr oder weniger in den Armen von AfD-Landeschef Ulrich Siegmund. Ein Foto entstand und machte schnell die Runde. Heuer versuchte, die Szene wieder einzufangen und erkl&#228;rte, das Foto sei lediglich im falschen Moment entstanden. Er habe ein Mikrofon gebraucht, weil er Siegmund widersprechen wollte. Auch CDU-Ministerpr&#228;sident Sven Schulze gab sich gelassen: &#8222;Man sollte das Foto nicht &#252;berbewerten&#8220;, sagte er am Rande des Landesparteitags seiner Partei am Wochenende.</p><h3><strong>Ein Video zerst&#246;rt die offizielle Version</strong></h3><p>Negative Presse ist im Augenblick so ziemlich das Letzte, was die CDU in Sachsen-Anhalt gebrauchen kann, liegt sie doch in den Umfragen weit hinter der AfD. Doch noch bevor die Krisenkommunikation von Heuer und Schulze richtig verfangen konnte, tauchte ein Video auf, das die ganze Szene zeigte &#8211; und Heuers Erkl&#228;rung ad absurdum f&#252;hrte.</p><p>Heuers Widerspruch bestand tats&#228;chlich nur darin, sich von seiner eigenen Partei zu distanzieren und klarzustellen, dass er noch nie im Bundestag gesessen habe. Als Siegmund weitersprach, griff Heuer noch einmal ins Mikrofon, um weiterzuscherzen: Das defekte Ger&#228;t sei wohl das &#8222;Altparteien-Telefon&#8220; Siegmund stieg sofort ein: &#8222;Da war vielleicht der Verfassungsschutz direkt mit drinne!&#8221;</p><h3><strong>Das Machtwort von Friedrich Merz</strong></h3><p>Die Szene, ebenso wie das anschlie&#223;ende Herumlavieren des CDU-Vorsitzenden, zeigt, wie notd&#252;rftig und oberfl&#228;chlich hier verspachtelt wurde. Offiziell muss man sich in Sachsen-Anhalt energisch von der AfD abgrenzen, mit der man wohl eigentlich ganz gut k&#246;nnte. Offiziell darf kein Zweifel an der Brandmauer aufkommen, die man vermutlich selbst als ziemlich beschr&#228;nkend empfindet. All das darf nicht sichtbar werden, weil die Bundes-CDU sich eindeutig festgelegt hat, allen voran Kanzler und Parteichef Friedrich Merz. Er war es, <a href="https://www.ueberrechts.de/p/die-brandmauer-ist-nicht-links">der den Begriff von der Brandmauer &#252;berhaupt popularisiert hat</a>. Ende 2021 bekr&#228;ftigte er in einem Interview mit dem Spiegel nicht nur die Abgrenzung zur AfD, sondern sprach auch eine Drohung an die eigene Partei aus: &#8222;Die Landesverb&#228;nde, vor allem im Osten, bekommen von uns eine glasklare Ansage: Wenn irgendjemand von uns die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am n&#228;chsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an.&#8220;</p><h3><strong>Als die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD flirtete</strong></h3><p>Wen Merz damit genau meinte, ist nicht bekannt. Ziemlich wahrscheinlich ist aber, dass die Drohung vor allem in Richtung Sachsen-Anhalt ging. Dort soll ziemlich genau ein Jahr zuvor der damalige CDU-Innenminister Holger Stahlknecht auf die AfD zugegangen sein, um eine m&#246;gliche Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung auszuloten. Stahlknecht wurde nicht nur zur&#252;ckgepfiffen, sondern entmachtet. Er verlor sein Ministeramt und auch den Landesvorsitz. Seine politische Karriere war damit beendet, obwohl er als m&#246;glicher Nachfolger des beliebten Ministerpr&#228;sidenten Reiner Haselhoff galt.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Die Entlassung und das Machtwort von Merz zeigten Wirkung: Seitdem sind aus der CDU in Sachsen-Anhalt kaum offene Sympathiebekundungen f&#252;r die AfD zu vernehmen. Unwahrscheinlich ist aber, dass es sie auf Ebene der Landes-CDU und der Landtagsfraktion nicht gibt. Gerade aus Sachsen-Anhalt kamen immer wieder Stimmen, die sich zumindest mittelbar f&#252;r eine Normalisierung des Verh&#228;ltnisses zur AfD einsetzten. Am bekanntesten &#8211; neben Holger Stahlknecht &#8211; sind Lars-J&#246;rn Zimmer und Ulrich Thomas. 2019 sorgten sie mit einem Grundsatzpapier f&#252;r Aufsehen, in dem sich die beiden damaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden mit der AfD befassten. W&#228;hler von CDU und AfD h&#228;tten &#228;hnliche Ziele, die Mehrheit in Deutschland sei konservativ, doch die CDU verprelle ihre W&#228;hler, weil sie immer nur mit Linken zusammenarbeite. Es sei ein Fehler, die Sehnsucht nach Heimat nicht verteidigt zu haben. Der CDU m&#252;sse es wieder gelingen, &#8222;das Soziale mit dem Nationalen zu vers&#246;hnen&#8220;.</p><p>Thomas sprach sich damals auch &#246;ffentlich daf&#252;r aus, eine Koalition mit er AfD nicht f&#252;r alle Zeit auszuschlie&#223;en. Nach dem Stahlknecht-Aus hielten sich beide Politiker deutlich zur&#252;ck. Ihre Namen finden sich auf Platz vier und sechs der CDU-Landesliste f&#252;r die anstehende Landtagswahl. Man ahnt, wo sich beide positionieren w&#252;rden, g&#228;be es in der Union eine offen gef&#252;hrte Debatte zum Verh&#228;ltnis zur AfD.</p><h3><strong>Der Druck auf das Mauerwerk</strong></h3><p>Merz&#8216; Machtwort von einst hallt also noch immer nach. Aber in jenen kurzen Sekunden, in denen der CDU-Fraktionschef mit dem AfD-Chef auf offener B&#252;hne kumpelt, wird der Riss sichtbar. Auch deshalb, weil zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl der Druck auf das Mauerwerk so heftig ist wie nie. Wie soll eine Brandmauer halten, wenn keine Mehrheit ohne AfD oder Linke in Sicht ist, zu der es, beschlossen durch den Bundesparteitag, ebenfalls formal eine Brandmauer gibt?</p><p>Die CDU weigert sich seit einiger Zeit, eine neue Positionierung zu entwickeln, die dieser Realit&#228;t im Osten gerecht wird. Daf&#252;r m&#252;sste sie entweder die Kooperationsweigerung gegen&#252;ber der Linken kippen oder sich zur AfD hin &#246;ffnen. Indem sie beides nicht tut, verlangt die Bundes-CDU von ihren Ostverb&#228;nden, eine Fassade aufrechtzuerhalten, hinter der keine belastbare Grundlage mehr steht. Dass die Verb&#228;nde dann in der Realit&#228;t wiederum eher zu einer Zusammenarbeit mit der immens starken AfD neigen, ist keine &#220;berraschung.</p><h3><strong>Eine Fassade ohne Fundament</strong></h3><p>Das Problem reicht &#252;ber die CDU hinaus. Die Podiumsdiskussion in Sachsen-Anhalt wurde vom &#8222;Liberalen Mittelstand&#8221; veranstaltet, einer Vorfeldorganisation der FDP. Auch sie hatte die AfD eingeladen. Der Bundesvorstand reagierte mit &#8222;gro&#223;er Irritation&#8221; und bat um eine schriftliche Stellungnahme. Das Muster ist dasselbe: Bundesverb&#228;nde, die eine Abgrenzungsnorm formulieren, die ihre eigenen Landesverb&#228;nde unter realen politischen Bedingungen nicht einhalten k&#246;nnen oder wollen.</p><p>Solange die CDU keine Positionierung entwickelt, die der ver&#228;nderten Machtkonstellation im Osten Rechnung tr&#228;gt, wird sie weitere Momente bekommen, in denen der Riss sichtbar wird zwischen dem, was sie &#246;ffentlich behauptet, und dem, was politisch offenbar l&#228;ngst gedacht wird. Dass sie die Fassade der Brandmauer aufrechterhalten will, um die AfD nicht an die Macht kommen zu lassen, ist ein hehres Ziel. Aber dieses Ziel l&#228;sst sich kaum erreichen, wenn man die Widerspr&#252;che immer nur notd&#252;rftig verspachtelt und jedes Mal aufs Neue hofft, die Spachtelmasse m&#246;ge diesmal halten.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was käme nach einem Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt?]]></title><description><![CDATA[Die AfD will in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erreichen und die Umfragen zeigen sie auf dem besten Weg dorthin. Was w&#252;rde das bedeuten? Und wollen &#252;berhaupt alle in der Partei regieren?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/was-kommt-nach-einem-sieg-der-afd-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/was-kommt-nach-einem-sieg-der-afd-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 10 Jun 2026 08:32:09 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/201420074/60135aa29d3f3a264a4a19d4fe46191f.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die AfD will in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erreichen und die Umfragen zeigen sie auf dem besten Weg dorthin:</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4A7C!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb0812b6d-28f8-4ca7-aa3d-a0a58e0e267c_3996x1730.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4A7C!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb0812b6d-28f8-4ca7-aa3d-a0a58e0e267c_3996x1730.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4A7C!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb0812b6d-28f8-4ca7-aa3d-a0a58e0e267c_3996x1730.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4A7C!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb0812b6d-28f8-4ca7-aa3d-a0a58e0e267c_3996x1730.png 1272w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Das radikale &#8222;Regierungsprogramm&#8220; gibt schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was die Strategen der Partei planen. Mit dem Motto &#8222;Alles ist m&#246;glich!&#8221; steht die Kampagne des Landesverbands f&#252;r einen Politikmodus, der auch den anderen Parteien zu denken geben m&#252;sste. W&#228;hrend der Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf die Verbindung von Charisma und radikalem Ver&#228;nderungsversprechen setzt, geht es den meisten anderen Parteien blo&#223; darum, irgendwie in den Landtag zu kommen. </p><p>Geht es so weiter, k&#246;nnte die AfD also im Herbst in die Staatskanzlei in Magdeburg einziehen. Aber w&#228;ren wirklich alle in der Partei begeistert von dieser AfD an der Macht? Manch einer f&#252;rchtet schon jetzt, dass das der Rechtsau&#223;en-Partei auch schaden k&#246;nnte. Wir sprechen in dieser Folge dar&#252;ber, woran das liegt und was das f&#252;r die anderen Parteien bedeutet.</p><p>Diese Folge ist eine Kooperation mit dem <a href="https://dissenspodcast.de/">Dissens-Podcast</a> von Lukas Ondreka, wo die Folge ebenfalls zu h&#246;ren ist. Bei &#220;ber Rechts ver&#246;ffentlichen wir jeden Monat mindestens eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. 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Doch gerade f&#252;r Linke ist sie ein ambivalentes Konzept: Sie steht in einer fragw&#252;rdigen Tradition &#8211; und k&#246;nnte schaden.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/die-brandmauer-ist-nicht-links</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/die-brandmauer-ist-nicht-links</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Fri, 05 Jun 2026 14:37:30 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/af06261b-3bfd-4af1-8088-a4391be05ac3_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Carsten Linnemann gut ausgeleuchtet in einem Fernsehstudio sitzt, gibt es oft etwas zu h&#246;ren. Der CDU-Generalsekret&#228;r z&#228;hlt zu jenem Typ Politiker, der demonstrativ kein Blatt vor den Mund nimmt. Er sieht sich gern als Klartext-Sprecher, kein abgehobener Funktion&#228;r der Berliner Blase, sondern einer aus dem Volk. Dieses Image verf&#228;ngt l&#228;ngst nicht bei allen, zu gek&#252;nstelt wirkt es oft, wenn Linnemann spricht. Und doch versteht er es, Aufreger zu liefern, die provozieren &#8211; mal die AfD, oft aber auch das Mitte-Links-Lager.</p><p>Der aktuelle Aufreger dreht sich um ein Interview, das Linnemann am Donnerstag im Fernsehstudio von WELT gegeben hat. Darin wird er nach der Brandmauer gefragt. Die Frage wird Politikern der Union seit gut vier Jahren &#8211; seitdem die AfD in den Umfragen nach oben kletterte &#8211; immer wieder gestellt: Wie h&#228;ltst du es mit der Brandmauer?</p><p>Linnemanns Antwort:</p><blockquote><p>&#8222;Der Begriff Brandmauer, das ist ein linker Begriff, der hat in den letzten Jahren die politische Debatte vergiftet in Deutschland. Warum? Weil da gibt es welche, die sind auf der einen Seite auf der Brandmauer und es gibt welche, die sind auf der anderen Seite. Auf der anderen Seite sind mehrere Parteien. Die werden dann zusammen gesehen und egal, was wir sagen. Ja, dann sagt die andere Partei: Nein. Und dann gibt es immer Menschen, die sagen, dann bin ich bei den Menschen, die auf der anderen Seite der Brandmauer sind.&#8220;</p></blockquote><p>Dann passierte das, was Linnemann sich erhofft haben d&#252;rfte: WELT <a href="https://www.welt.de/videos/video6a210e4baa3fa782d14711c9/carsten-linneman-der-linke-begriff-brandmauer-hat-die-politische-debatte-vergiftet.html">&#252;berschrieb</a> das 15-min&#252;tige Interview mit Linnemanns Aussage zur Brandmauer und prompt machte sie ihre Runde in den sozialen Medien. So klein und fast allt&#228;glich die Aufregung ist, so paradigmatisch ist sie f&#252;r die seit Jahren andauernde Debatte &#252;ber den Umgang mit der AfD.</p><p>Dabei ist Linnemanns Aussage falsch und richtig zugleich. Falsch, weil der Begriff der Brandmauer von Friedrich Merz popul&#228;r gemacht wurde, nicht von Linken. Richtig, weil die Linke sich den Begriff offensiv aneignete &#8211; und dar&#252;ber st&#252;rzen k&#246;nnte.</p><h3><strong>Wie Friedrich Merz den Begriff der Brandmauer popularisiert hat</strong></h3><p>Der Reihe nach. Seit Gr&#252;ndung der AfD wird &#252;ber Abgrenzungen, Kooperationsverbote und den Ausschluss gemeinsamer Mehrheiten diskutiert. Der Begriff der Brandmauer taucht in den Jahren nach der Gr&#252;ndung zun&#228;chst allenfalls gelegentlich auf, vermehrt dann ab 2020 auf. Damals lie&#223; sich in Th&#252;ringen der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen von FDP, CDU und AfD zum Ministerpr&#228;sidenten w&#228;hlen. Kurz darauf kam es in Sachsen-Anhalt beinahe zu einem Koalitionsbruch, weil Teile der Landes-CDU auf eine Zusammenarbeit mit der AfD zusteuerten.</p><p>So richtig gro&#223; aber machte den Begriff Friedrich Merz Ende 2021. &#8222;Mit mir wird es eine Brandmauer zur AfD geben&#8220;, sagte Merz im Dezember 2021 dem <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-geht-auf-angela-merkel-zu-a-86dd9f24-51b1-4df8-b509-923bfca2e2fb">Spiegel</a>, kurz nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden. Diese Ansage richtete sich vor allem an die CDU im Osten: &#8222;Die Landesverb&#228;nde, vor allem im Osten, bekommen von uns eine glasklare Ansage: Wenn irgendjemand von uns die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am n&#228;chsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an.&#8220; Seitdem ist der Begriff endg&#252;ltig gesetzt und pr&#228;gt die politische Debatte, sobald es um das Verh&#228;ltnis zur AfD geht.</p><h3><strong>Die Aneignung der Brandmauer von links</strong></h3><p>Auch wenn der Begriff der Brandmauer also kein linker Begriff ist, versucht die Union-Spitze ihn seit einiger Zeit zu vermeiden. Dahinter steckt wohl weniger das Kalk&#252;l, endlich offen mit der AfD zusammenarbeiten zu wollen, als die Erfahrung, dass sich der Begriff als Bumerang erwiesen hat.</p><p>Diese Erfahrung machte die Union auf der Zielgeraden des Bundestagswahlkampfs 2025, als sie im Bundestag einen migrationspolitischen Entschlie&#223;ungsantrag mit Stimmen der AfD durchsetzte. Ein anschlie&#223;ender Entwurf f&#252;r ein &#8222;Zustrombegrenzungsgesetz&#8220; scheiterte trotz Zustimmung der AfD. SPD, Gr&#252;ne und Linke fokussierten daraufhin in der hei&#223;en Phase des Wahlkampfs auf die Brandmauer-Frage. Die Scholz-SPD versuchte Merz als unzuverl&#228;ssigen, rechtsoffenen Kanzlerkandidaten darzustellen. Habecks Gr&#252;ne warnten vor einer Normalisierung der AfD und warben zugleich als seri&#246;serer Koalitionspartner f&#252;r Schwarz-Gr&#252;n. Allen voran konnte sich Die Linke als glaubw&#252;rdige Kraft gegen rechts in Szene setzen und den bereits vorher einsetzenden Aufschwung in den Umfragen f&#252;r ihr politisches Comeback nutzen.</p><p>Im Zuge dieser Diskussionen kam es zu Massendemonstrationen, die sich nicht nur gegen die AfD, sondern auch explizit gegen die Union richteten. In diesem Sinne wurde aus dem einst von Merz popularisierten Konzept der Brandmauer gegen die AfD tats&#228;chlich ein Instrument, das von linkeren Parteien und Bewegungen offensiv gegen die Union gewendet wurde.</p><p>Ich war in diesen Wochen h&#228;ufiger im Bundestag unterwegs und habe mit vielen Unionspolitikern gesprochen. Selbst eher liberale Abgeordnete der Union zeigten sich &#252;berrascht bis schockiert &#252;ber den Gegenwind gegen die eigene Partei &#8211; zum Teil von denselben Leuten, mit denen man noch ein Jahr zuvor nach der Correctiv-Recherche zum Remigrationstreffen gegen die AfD demonstriert hatte. Diese Erfahrung, auf einmal selbst als Treiber des Rechtsrucks zu gelten, war durch das Abstimmungsverhalten im Bundestag selbstverschuldet, aber sie pr&#228;gte die Union. Linnemanns Aussage, die Brandmauer sei ein linkes Konzept, l&#228;sst sich als Zeugnis dieser Erfahrung lesen.</p><h3><strong>Das Konzept der wehrhaften Demokratie und dessen extremismustheoretische Rahmung</strong></h3><p>Das Konzept der Brandmauer steht in engem Zusammenhang mit dem der &#8222;wehrhaften Demokratie&#8220;. Diese meint im engeren Sinne, dass der demokratische Staat sich gegen verfassungsfeindliche Bestrebungen zur Wehr setzen kann &#8211; etwa durch die Beobachtung des Verfassungsschutzes, durch die Verwirkung einzelner Grundrechte, durch den Ausschluss verfassungsfeindlicher Parteien von der staatlichen Parteienfinanzierung oder, als sch&#228;rfstes Mittel, durch ein Parteiverbot.</p><p>Die Brandmauer zur AfD folgt dieser Logik nicht rechtlich, aber politisch. Sie verlagert den Schutz der parlamentarischen Demokratie in den Bereich der politischen Abgrenzung. Nicht der Staat greift unmittelbar ein, sondern Parteien verpflichten sich durch Selbstbindung, nicht mit Parteien zusammenzuarbeiten, die die parlamentarische Demokratie gef&#228;hrden. Die Brandmauer ist also keine staatliche Ma&#223;nahme der wehrhaften Demokratie, &#252;bernimmt aber deren Ziel, die freiheitliche demokratische Grundordnung vor ihren Feinden zu sch&#252;zen.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Die praktische Umsetzung der wehrhaften Demokratie ist in der Bundesrepublik nicht ohne die Extremismuslogik als zentrales Deutungsschema zu denken, mit dem der Staat seit den 1970er Jahren Gef&#228;hrder f&#252;r die Demokratie kategorisiert. Demnach gibt es eine demokratische Mitte und mehrere Extreme, die sich au&#223;erhalb des zu sch&#252;tzenden Verfassungsbogens befinden. &#8222;Die Antithese freiheitlicher Demokratie ist der politische Extremismus unterschiedlicher Richtung&#8220;, schrieben die f&#252;r Verfassungsschutz und Staat wegweisenden Extremismusforscher Uwe Backes und Eckhard Jesse <a href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/532841/demokratie-und-extremismus-anmerkungen-zu-einem-antithetischen-begriffspaar">Anfang der 1980er Jahre</a>. Links- und Rechtsextremismus m&#252;ssten entsprechend gleicherma&#223;en abgelehnt werden. Mehr noch: Anstatt von links und rechts sollte zuvorderst vom &#8222;grundlegenden Unterschied zwischen Demokratie und Extremismus&#8220; ausgegangen werden.</p><h3><strong>Kampf gegen &#8222;Extremismus&#8220; von rechts wie links</strong></h3><p>In der Praxis erwies sich schon lange vor Jesse und Backes, dass der Kampf gegen verfassungsfeindliche &#8222;Extremisten&#8220; in Deutschland immer auch gegen links gef&#252;hrt wird. So hat das Bundesverfassungsgericht in den 1950er Jahren nicht nur die an die NSDAP ankn&#252;pfende Sozialistische Reichspartei verboten, sondern auch die Kommunistische Partei Deutschlands. Beim sogenannten Radikalenerlass in den 1970er Jahren waren formal linke wie rechte &#8222;Extremisten&#8220; betroffen &#8211; tats&#228;chlich traf es aber &#252;berwiegend Linke. In Bayern etwa wurden zwischen 1973 und 1980 insgesamt 102 Linke <a href="https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Radikalenerlass">abgelehnt</a>, die Beamte werden wollten. Aus dem rechten Spektrum betraf das lediglich zwei Personen.</p><p>Dass die extremismustheoretische Rahmung der wehrhaften Demokratie kein Relikt des Kalten Krieges ist, zeigt sich bis heute. Auch gegenw&#228;rtig gibt es in einigen Bundesl&#228;ndern wieder Regelanfragen f&#252;r Beamtenanw&#228;rter und sogar Angestellte des &#246;ffentlichen Diensts. Auf den Listen extremistischer Organisationen, bei denen genauer hingesehen wird, wenn ein Bewerber Verbindungen aufweist, finden sich etwa in <a href="https://www.freitag.de/autoren/sebastian-friedrich/antifa-raus-aus-der-kita-rheinland-pfalz-verschaerft-zugang-zum-staatsdienst">Rheinland-Pfalz</a> Organisationen wie &#8222;Die Heimat&#8220;, &#8222;Der III. Weg&#8220;, die &#8222;Identit&#228;re Bewegung Deutschland&#8220; und die AfD sowie Organisationen aus dem Bereich Islamismus. Daneben steht aber auch eine lange Liste von Organisationen, die als linksextrem gelten: die anarchosyndikalistische FAU-Gewerkschaft, die DKP, die SDAJ, Migrantifa Rhein-Main, die Interventionistische Linke, das Ums-Ganze-B&#252;ndnis sowie in der Linkspartei aktive trotzkistische Netzwerke wie Marx21, SAV und SOL.</p><h3><strong>Der Unvereinbarkeitsbeschluss der Union</strong></h3><p>Der wehrhaft-demokratische Kampf gegen rechts ist also auch heute noch einer, der sich potenziell genauso gegen links richtet. Das beschr&#228;nkt sich keineswegs nur auf staatliche Institutionen, sondern zeigt sich auch bei der Brandmauer. Drei Jahre bevor Friedrich Merz den Begriff in der politischen Auseinandersetzung verankerte, beschloss die CDU auf ihrem Bundesparteitag 2018 in Hamburg einen Unvereinbarkeitsbeschluss. Er lautete im <a href="https://archiv.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/sonstige_beschluesse_31_parteitag.pdf">Wortlaut</a>, dass die CDU &#8222;Koalitionen und &#228;hnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linkspartei als auch mit der Alternative f&#252;r Deutschland ablehnt&#8220;. Entsprechend betont die CDU bis heute, dass die Brandmauer sowohl f&#252;r die AfD als auch f&#252;r Die Linke gelte.</p><p>Der Bezug auf die Brandmauer war f&#252;r Linke also schon immer ambivalent. Trotz erfolgreicher Aneignungen, insbesondere w&#228;hrend des Bundestagswahlkampfs, drohen sie schnell selbst ins Visier der Verteidiger der Brandmauer zu geraten. Der Satz &#8222;keine Zusammenarbeit mit Extremisten&#8220; klingt, als sei er gegen die AfD gerichtet. In der politischen Praxis richtete er sich aber immer auch nach links.</p><h3><strong>Der potenzielle langfristige Schaden der Brandmauer f&#252;r Linke</strong></h3><p>Wirft man nochmal einen Blick auf das Linnemann-Interview, dann wird eine weitere Dimension deutlich, wenn er kritisiert, dass die CDU durch die Brandmauer in ein gemeinsames Lager mit SPD, Gr&#252;nen und Linken eingeordnet wird: &#8222;Und dann gibt es immer Menschen, die sagen, dann bin ich bei den Menschen, die auf der anderen Seite der Brandmauer sind.&#8220; Der AfD gelinge es also durch die Brandmauer, sich als einzig echte Opposition zu inszenieren. Die Brandmauer verdecke, so kann man Linnemann verstehen, die tats&#228;chlichen inhaltlichen Unterschiede zwischen den Parteien. Anders gesagt: Die Konfliktachse &#8222;Demokratische Parteien vs. AfD&#8220; &#252;berlagert alle anderen Konflikte.</p><p>Das Problem, das Linnemann hier beschreibt, betrifft nicht nur die Union. Denn so hochpolitisiert seit Jahren &#252;ber die Brandmauer diskutiert wird, so wenig stehen tats&#228;chliche gegens&#228;tzliche Modelle zur Bearbeitung oder gar &#220;berwindung der Krisen unserer Zeit zur Debatte. Einerseits wird st&#228;ndig &#252;berall &#252;ber Politik diskutiert: in Talkshows, in sozialen Medien, in Podcasts, im Alltag vieler Menschen. Andererseits dominiert eine gewisse Resignation, weil tats&#228;chliche Alternativen zum Status quo blockiert scheinen. &#220;ber alles wird gestritten, nichts scheint ver&#228;nderbar.</p><p>Die Brandmauer ist daf&#252;r ein gutes Beispiel. Es ist aus linker Sicht nat&#252;rlich richtig, rechtsradikale Kr&#228;fte von der Macht abzuhalten. Aber so hilfreich die Brandmauer dabei auch sein mag, ein politisches Projekt ist sie nicht. Auch f&#252;r viele Linke verl&#228;uft die entscheidende Konfliktlinie unserer Zeit zunehmend zwischen den demokratischen Parteien und der AfD. Diese Grenzziehung wird zum Problem, weil dadurch alle anderen Konflikte ersetzt werden.</p><h3><strong>Die Brandmauer hat den Aufstieg der AfD nicht verhindert</strong></h3><p>So k&#246;nnte sich das Konzept der Brandmauer trotz kurzfristiger Erfolge bei der Bundestagswahl f&#252;r Linke langfristig als Problem erweisen. Zum einen geraten politische Alternativen zum Status quo &#8211; eine andere Wirtschaftsform, wenigstens eine sozial-&#246;kologische Form der Modernisierung &#8211; kaum noch in den Blick. Zum anderen erscheint ausgerechnet die AfD als Gegenpol zum Establishment. Obwohl sie, einmal an der Macht, wohl blo&#223; als rechtsradikaler Kettenhund eines zunehmend autorit&#228;ren Kapitalismus fungieren w&#252;rde.</p><p>Als Friedrich Merz den Begriff Ende 2021 popularisierte, stand die Partei bei elf Prozent. Dass die Partei seither deutlich zugelegt hat, liegt nicht allein an der Brandmauer, aber sie hat dazu beigetragen, dass sich die AfD als einziger Gegenpol inszenieren konnte, w&#228;hrend alle anderen Parteien als Block erscheinen. Vielleicht erweist sich die Brandmauer irgendwann im R&#252;ckblick deshalb nicht als linkes Konzept, auch nicht einfach als eines von Friedrich Merz, sondern als ein Konzept, das vor allem der AfD genutzt hat.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ein Richtungsstreit beim FDP-Parteitag – oder doch nicht?]]></title><description><![CDATA[Die FDP liegt am Boden, bei ihrem Parteitag streitet sie &#252;ber den richtigen Kurs. Tats&#228;chlich sind es nur zwei Varianten derselben Strategie.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/fdp-parteitag-2026</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/fdp-parteitag-2026</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Sat, 30 May 2026 17:39:34 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/f3487768-18a7-48f8-9212-f813302f1796_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Am Ende haben die Delegierten doch noch eine Wahl. Lange sieht es nicht danach aus. Nachdem der NRW-Landesvorsitzende Henning H&#246;ne seine Kandidatur zur&#252;ckgezogen hatte, steht Wolfgang Kubicki als einziger Kandidat f&#252;r den Vorsitz der am Boden liegenden FDP fest. Entsprechend pl&#228;tschert dieser Parteitag in den ersten Stunden gr&#246;&#223;tenteils vor sich hin, immer wieder muss das Pr&#228;sidium die Delegierten ermahnen, den Rednerinnen und Rednern zuzuh&#246;ren. Viele tummeln sich im Vorraum der Halle, in der <em>Philip Morris International</em> seine neuesten E-Zigaretten anbietet und man am Stand der Waffenfachh&#228;ndler mal ein Gewehr in die Hand nehmen kann.</p><p>Erst als die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann sich pl&#246;tzlich bereit erkl&#228;rt, gegen Kubicki anzutreten, passiert etwas im Saal. Nach wenigen Minuten sind nicht nur die vielen vorher leergebliebenen Pl&#228;tze besetzt, bis zum Rand der Halle dr&#228;ngen sich nun die Zuschauer. Wie spontan die Kandidatur ist, wird dabei in Gespr&#228;chen schnell bezweifelt. Nicht nur wegen ihrer vorbereiteten 40-min&#252;tigen Rede, sondern weil hinter ihr eine organisierte Gruppe steht: 33 Delegierte mussten erst schriftlich ihre Unterst&#252;tzung einreichen, um das Quorum der Parteisatzung zu erf&#252;llen.</p><p>W&#228;hrend der Reden ist kaum auszumachen, wer die Nase vorne hat: F&#252;r beide gibt es viel Applaus, bei Strack-Zimmermann zus&#228;tzlich vereinzelte Buhrufe. Bei der Abstimmung holt sie dann 259 Stimmen und damit 39,3 Prozent. Kubicki gewinnt mit 390 von 658 Stimmen, erreicht also 59,3 Prozent. Es ist also kein knappes Rennen, aber ein Achtungserfolg f&#252;r die Verliererin: Fast vier von zehn Delegierten sind bereit, sich gegen den vermeintlich alternativlosen Vorsitzenden zu stellen. F&#252;r die n&#228;chsten zw&#246;lf Monate hat damit der Krawall-Liberalismus gewonnen.</p><p>Widerstand gegen Kubickis Kurs regt sich an diesem Morgen aber schon vereinzelt vor der Gegenkandidatur. Die fr&#252;here Bundestagsabgeordnete Carina Konrad ruft unter Applaus, was die FDP aus ihrer Sicht ausmache: &#8222;Wir sind eine staatstragende Partei!&#8220;, anders als die AfD, mit der es deshalb keinerlei Zusammenarbeit geben d&#252;rfe. Konstantin Kuhle, bis vor Kurzem ebenfalls im Bundestag, zeigt sich ebenfalls unter Jubel &#8222;irritiert &#252;ber die Lockerungss&#252;bungen zur AfD&#8220; und wirbt f&#252;r eine &#8222;liberale Partei ohne Schaum vorm Mund&#8220;. Auch das zielt unmissverst&#228;ndlich auf den Kommunikationsstil des designierten Vorsitzenden.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg" width="556" height="444.8763736263736" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/b9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:1165,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:556,&quot;bytes&quot;:1145951,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/i/199890760?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!57qQ!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb9cb2f89-c65b-4554-9fee-36164a240308_2797x2238.jpeg 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption">&#8222;Peng Peng&#8220; macht der Liberalismus!</figcaption></figure></div><p>Der hatte zuvor in mehreren Interviews durchblicken lassen, dass er es mit der Abgrenzung nach rechts nicht so eng sieht. Die eigenen Antr&#228;ge werde man &#8222;nicht davon abh&#228;ngig machen, wer zustimmt&#8220;, sagte er bei NTV. &#8222;Die Brandmauer steht nicht in der Verfassung&#8220;, lie&#223; er mehrere Medien wissen. Im Interview mit dem Focus wollte er sogar eine gemeinsame Kanzlerwahl mit Stimmen der AfD nicht ausschlie&#223;en. Einen AfD-Kanzler w&#252;rde auch er nicht mittragen, doch das Kalk&#252;l dahinter hatte ein konservativer Kolumnist in der WELT schon bei seiner Kandidatur freudig benannt: Kubicki k&#246;nne &#8222;den Raum zwischen Union und AfD f&#252;llen&#8220;.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Strack-Zimmermann h&#228;lt an diesem Nachmittag dagegen. Die FDP sei eine &#8222;Gestaltungs- und keine Kommentierungspartei&#8220;, ruft sie bei ihrer Bewerbungsrede in den Saal, und warnt vor dem &#8222;Schulterklopfen von reaktion&#228;ren Stammtischen, die uns nie und nimmer w&#228;hlen w&#252;rden, wenn es drauf ankommt&#8220;. Der n&#252;chternere Ton kommt besonders auf den G&#228;stepl&#228;tzen gut an, dort, am Rand der Halle, gibt es immer wieder Standing Ovations, gerade viele J&#252;ngere jubeln der Kandidatin zu. Die insgesamt etwas &#228;lteren Delegierten, die im Zentrum der Halle sitzen, entscheiden sich am Ende trotzdem f&#252;r den Kurs der Zuspitzung.</p><p>Ob sie damit wirklich erfolgreich sein werden, kann man zumindest bezweifeln. Bislang ist der Raum, der so verlockend scheint &#8211; rechts der Union, links der AfD &#8211; ein politischer Friedhof. Bernd Luckes ALFA, die WerteUnion, das B&#252;ndnis Deutschland, das Team Freiheit: Sie alle wollten die vermeintliche L&#252;cke zwischen CDU und AfD besetzen, und sie alle sind schnell wieder verschwunden. Das Kalk&#252;l der Kubicki-Fraktion ist, dass das an handwerklichen Fehlern und an wenig zugkr&#228;ftigem Personal lag.</p><p>Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass das Problem struktureller ist. Dass die AfD den radikalen Rand l&#228;ngst besetzt hat. Dass man die Wut, die sie verk&#246;rpert, als Partei mit b&#252;rgerlichem Anspruch gar nicht imitieren kann, ohne einen Gro&#223;teil der W&#228;hlerschaft zu verschrecken. Die Angst ist also, dass wer sich zwischen CDU und AfD dr&#228;ngt, von beiden Seiten zerrieben wird: den Protestw&#228;hlern zu zahm, den B&#252;rgerlichen zu anr&#252;chig.</p><p>Vielleicht l&#228;sst sich aber doch festhalten, dass es an diesem Nachmittag gar nicht um eine Grundsatzentscheidung geht. Denn ihre relevanten Jahre hat die FDP unter Christian Lindner doch genau mit einer Doppelstrategie bestritten: krawallig im Auftritt, vorgeblich staatstragend, sobald es um die Macht ging. Lindner ist letztlich an diesem Widerspruch gescheitert, aber etwas anderes, als dieses Doppelspiel zu betreiben, bleibt der FDP kaum. Und so bieten die beiden Kandidaten diesen Spagat auch beide erneut feil, nur eben einmal etwas sch&#228;rfer, einmal etwas milder gew&#252;rzt.</p><p>Die FDP r&#252;ckt an diesem Tag also nicht deutlich nach rechts, sondern setzt darauf, ihren bisherigen Kurs fortzusetzen &#8211; der 74-j&#228;hrige Kubicki steht daf&#252;r letztlich wie kein Zweiter. Und genau daf&#252;r wird er gew&#228;hlt.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eva von Redecker: Was ist faschistisch am Eigentum? (Live)]]></title><description><![CDATA[Faschismustheorien gibt es wie Sand am Meer. Umso seltener ist es aber, dass jemand eine wirklich originelle Definition des Faschismus liefert. Der Philosophin Eva von Redecker ist es gelungen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/eva-von-redecker-faschismus-phantombesitz</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/eva-von-redecker-faschismus-phantombesitz</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Fri, 29 May 2026 08:54:10 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/199613376/10e99d5cd79b3d80f8776affb35d6656.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Schon vor sechs Jahren hat die Philosophin Eva von Redecker in einem Buch den Begriff &#8222;Phantombesitz&#8220; vorgeschlagen, um zu begreifen, dass Menschen oder Gruppen etwas als ihr Eigentum verteidigen, das ihnen real gar nicht mehr oder nie wirklich geh&#246;rte: Meine Freiheit, mein Land, mein Schnitzel wird mir genommen &#8211; also verteidige ich es umso aggressiver. </p><p>Ausgehend von diesem Begriff setzt sich die Denkerin nun auch mit dem Faschismus auseinander. Sie schl&#228;gt vor, diesen als &#8222;liquidierende Phantombesitzverteidigung&#8220; zu begreifen. Was sie damit genau meint, und ob Faschismus wirklich ein geeigneter Begriff ist, um die Ph&#228;nomene der Gegenwart zu begreifen, das hat Sebastian bei einer Veranstaltung mit Eva von Redecker diskutiert.</p><p>Das Gespr&#228;ch ist ein Mitschnitt der Buchvorstellung, die am 21. Mai auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Schauspielhaus Hamburg stattgefunden hat. Es ging dabei um ihr neues Buch <em>Dieser Drang nach H&#228;rte. &#220;ber den neuen Faschismus, </em>das im M&#228;rz bei S. Fischer erschienen ist.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg" width="1456" height="769" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:769,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:12384705,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/i/199613376?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mgYQ!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F18f599bd-57ee-4ebb-9904-9a6418b3303f_4201x2220.jpeg 1456w" sizes="100vw" fetchpriority="high"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a><figcaption class="image-caption">Eva von Redecker: <em>Dieser Drang nach H&#228;rte. &#220;ber den neuen Faschismus, </em>S. Fischer 2026</figcaption></figure></div><p>Neben den kostenlosen Folgen unseres Podcast gibt es einmal pro Monat die Kaderschmiede, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. 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Beide protestieren gegen den Rechtsruck, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/westend-grasset-zwei-verlage-rucken-nach-rechts</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/westend-grasset-zwei-verlage-rucken-nach-rechts</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Mon, 25 May 2026 14:56:45 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/c0c3c6ea-9a1f-4cde-b715-822b05e91ab2_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich steckt die Buchbranche seit Jahren in der Krise. Umso erstaunlicher ist, wie regelm&#228;&#223;ig sie Konflikte produziert, die weit &#252;ber sie hinausweist. Gerade lassen sich gleich zwei davon besichtigen: einer in Deutschland, einer in Frankreich. In beiden L&#228;ndern stellt sich eine Gruppe von Autorinnen und Autoren &#246;ffentlich gegen ihren eigenen Verlag, in beiden F&#228;llen lautet der Vorwurf, das Haus r&#252;cke nach rechts. Der deutsche Fall hat es in die Schlagzeilen geschafft, der franz&#246;sische blieb hierzulande weitgehend unbemerkt. Es liegt nahe, beide als dasselbe Ph&#228;nomen zu lesen. Ganz falsch ist das nicht. Aber wer genauer hinsieht, bemerkt, dass die beiden Proteste doch in unterschiedliche Richtungen zielen.</p><h3><strong>Der Fall Westend: Ein Buch zu viel</strong></h3><p>Beginnen wir in Deutschland. 32 Autorinnen und Autoren, darunter Gregor Gysi, die taz-Journalistin Ulrike Herrmann und der Armutsforscher Christoph Butterwegge, werfen dem Frankfurter Westend-Verlag in einem offenen Brief vor, sein Programm &#8222;bis hin zur extremen Rechten erweitert&#8220; zu haben. Anlass ist der Band &#8222;Links &#8211; Deutsch / Deutsch &#8211; Links&#8221;, herausgegeben von Julian Reichelt, dem fr&#252;heren Bild- und heutigen NIUS-Chefredakteur, und seiner Kollegin Pauline Voss. Das Buch (&#252;ber das wir auch <a href="https://www.ueberrechts.de/p/nius-buch-links-deutsch-deutsch-links">in unserer letzten Podcast-Folge gesprochen haben</a>) ist nicht der erste Titel aus dem rechten Spektrum bei Westend. 2021 erschien Wolfgang Kubickis &#8222;Die erdr&#252;ckte Freiheit&#8220;, im April 2025 Ulf Poschardts &#8222;Shitb&#252;rgertum&#8220;, das zuvor ein anderer Verlag abgelehnt hatte und das Poschardt erst im Selbstverlag vertrieb.</p><p>Die Autorinnen und Autoren betonen, diese &#214;ffnung h&#228;tten sie &#8222;im Sinne der Meinungsfreiheit&#8220; noch hingenommen. Mit dem NIUS-Band sei eine Grenze &#252;berschritten. Hier k&#228;men Publizisten einer Plattform zu Wort, die &#8222;Tag f&#252;r Tag gro&#223;e Teile des demokratischen Spektrums verunglimpft&#8220;, einige Beitr&#228;ger st&#252;nden der &#8222;demokratiebedrohenden&#8220; AfD nahe. Vorschreiben wollen sie dem Verlag nichts. Sie selbst aber m&#246;chten &#8222;nicht in dieser ideologischen Nachbarschaft&#8220; auftauchen.</p><p>Sie weisen auch darauf hin, dass Westend sich bis vor Kurzem auf der eigenen Homepage noch als &#8222;Plattform f&#252;r kritische, linke Perspektiven&#8220; bezeichnete. Diese Selbstbeschreibung ist inzwischen verschwunden. Der Verlag reagierte auf den Protest (unter anderem <a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/westend-verlag-wehrt-sich-gegen-autoren-grosse-worte-mit-wenig-grundierung-10038074">in der Berliner Zeitung</a>) demonstrativ gelassen. Viele dieser B&#252;cher habe man ohnehin kaum noch verkauft, das letzte von Gysi sei vor elf Jahren erschienen. Und statt eines vagen Bekenntnisses zur Linken st&#252;nden auf der Website nun konkrete Inhalte, f&#252;r die man stehe: Soziale Ungleichheit, Fragen von Frieden und Krieg, demokratische Teilhabe und &#246;kologische Krisen. Inwiefern das auf die B&#252;cher von Ulf Poschardt, Wolfgang Kubicki und der NIUS-Redaktion zutrifft, bleibt das Geheimnis der Verleger.</p><h3><strong>Der Fall Grasset: Wenn der Eigent&#252;mer durchregiert</strong></h3><p>In Frankreich ist der Fall bei genauerer Betrachtung etwas anders gelagert. Dort verlie&#223;en nicht 32, sondern inzwischen mehr als 200 Autorinnen und Autoren ihren Verlag, darunter Virginie Despentes, Fr&#233;d&#233;ric Beigbeder und Bernard-Henri L&#233;vy. Und es ging auch nicht um einen kleineren Verlag, sondern um Grasset, 1907 gegr&#252;ndet, seit 1954 Teil der Hachette-Gruppe &#8211; eines der gro&#223;en Traditionsh&#228;user des Landes. Ausl&#246;ser war hier kein Buch, sondern eine Personalie: Am 14. April 2026 wurde Verlagsleiter Olivier Nora abgesetzt, der das Haus 26 Jahre lang gef&#252;hrt hatte. Veranlasst hat das der neue Herr &#252;ber Hachette: der bretonische Milliard&#228;r Vincent Bollor&#233;, der seit 2023 Eigent&#252;mer der Gruppe ist.</p><p>Bollor&#233; ist, so viel war von Anfang an klar, kein gew&#246;hnlicher Verlagsbesitzer. Er steht der &#228;u&#223;ersten Rechten offen nahe und hat seine Medien auch zuvor systematisch in deren Dienst gestellt. Bei der zur Gruppe geh&#246;renden Sonntagszeitung <em>Le Journal du Dimanche</em> lie&#223; er den Chefredakteur durch einen rechten Journalisten ersetzen, woraufhin die Redaktion wochenlang streikte. Beim Verlag Fayard, ebenfalls Teil der Gruppe, erschienen nach seiner &#220;bernahme die B&#252;cher von Ex-Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy und von Jordan Bardella, dem Vorsitzenden des Rassemblement National (RN).</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Sommer 2024 machten seine Sender bis zum Schluss Wahlkampf f&#252;r eben diesen RN. Au&#223;erdem unterst&#252;tzte Bollor&#233; den noch weiter rechts stehenden &#201;ric Zemmour, dessen B&#252;cher anschlie&#223;end ebenfalls bei Fayard erschienen. Den Rauswurf Noras begr&#252;ndete Bollor&#233; mit einem Streit &#252;ber das Erscheinungsdatum eines Buches und mit Noras angeblich zu hohem Gehalt. Doch kaum jemand in Frankreich scheint ihm das zu glauben. Zu offensichtlich f&#252;gt sich der Rauswurf in das bisherige Agieren Bollor&#233;s ein.</p><p>Was in Frankreich auf dem Spiel steht, hat der Grasset-Autor Olivier Guez <a href="https://www.nytimes.com/2026/05/06/opinion/french-publishing-grasset-olivier-nora.html">in der New York Times</a> benannt:</p><blockquote><p>&#8222;We are opening our eyes rather late in France to the efforts of the right to assume cultural control, to determine the words we consume, the discourse in which we partake. The message of authoritarians everywhere is the same: Whoever isn&#8217;t with me is against me, and whoever won&#8217;t follow me will get the boot. The boss is always right, so he steamrolls his way through and imposes his worldview. He exerts his power. He demands absolute loyalty from his subordinates.&#8220;</p></blockquote><p>Bollor&#233; verteidigt sich: Er wolle gar keinen politischen Einfluss nehmen, sondern einfach nur, dass das Business besser l&#228;uft.</p><h3><strong>Zwei Proteste, zwei Welten</strong></h3><p>Wir haben es also mit zwei Verlagen zu tun, die sich beide nach rechts &#246;ffnen. Beide Male scheint das auch mit den Zw&#228;ngen des Markts zu tun zu haben. Und doch unterscheiden sich die beiden F&#228;lle. In Frankreich greift ein Medienmogul durch, der bereits Fernsehsender, Zeitungen und Verlage kontrolliert und nun auch das letzte eigenst&#228;ndige Haus seiner Gruppe auf Linie bringt. Er bestimmt, wer es leitet, und &#252;bt so tats&#228;chlich Macht dar&#252;ber aus, was gedruckt und sichtbar gemacht wird. In Deutschland dagegen entscheidet ein kleiner, 2004 gegr&#252;ndeter Verlag in Eigenregie, nun auch rechte B&#252;cher zu drucken &#8211; und ist damit auch noch erfolgreich. Aber: Niemand zwingt ihn dazu, niemand kauft ihn auf.</p><p>Deshalb ist die Sto&#223;richtung letztlich eine andere: In Frankreich k&#228;mpfen die Autoren &#8211; staatstragende wie querdenkende Linke, Konservative wie Liberale &#8211; gegen einen rechten Eigent&#252;mer, der offenbar vorgeben will, was noch gesagt werden darf. Sie verteidigen den offenen Diskurs gegen einen, der ihn von oben verengt. In Deutschland steht die Sache fast spiegelverkehrt. Hier beruft sich der Verlag auf die Meinungsfreiheit und einen offenen Diskurs &#8211; aund es sind linke Autorinnen und Autoren, die eine Grenze ziehen und in der N&#228;he rechter Stimmen nicht mehr auftauchen wollen.</p><p>Das ist gut begr&#252;ndbar. Niemand muss sein Buch in einem Verlag ver&#246;ffentlichen, dessen Programm er politisch nicht mitragen m&#246;chte. Aber die Bewegung ist doch eine andere: Dort verteidigen Autoren die offene Debatte gegen die Macht des Eigent&#252;mers, hier markieren Autorinnen und Autoren selbst die diskursiven Grenzen. Ob das viel ausrichtet, darf bezweifelt werden &#8211; jedenfalls dann, wenn der Markt das Verlegen rechter B&#252;cher offenbar goutiert. Das NIUS-Buch stand jedenfalls nach Erscheinen auf Platz eins der Bestsellerliste. Und dagegen kommt kein offener Brief an.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[NIUS-Bestseller: Woher kommt das Feindbild „Links“?]]></title><description><![CDATA[Jetzt anh&#246;ren | NIUS ver&#246;ffentlicht ein W&#246;rterbuch, in dem vermeintlich linke Begriffe &#252;bersetzt werden. Welches Bild wird hier von der Linken gezeichnet?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/nius-buch-links-deutsch-deutsch-links</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/nius-buch-links-deutsch-deutsch-links</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Thu, 14 May 2026 08:13:00 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/197645521/15f784b9d186e3bd2748d4d6fa25bcd6.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Linke in Deutschland gerade besonders m&#228;chtig w&#228;re, glaubt zwar kaum jemand. Das h&#228;lt die NIUS-Chefs Pauline Voss und Julian Reichelt jedoch nicht davon ab, ein weiteres Buch gegen die vermeintlich linke Hegemonie in diesem Land zu schreiben. Diesmal ist es ein W&#246;rterbuch, erschienen im Westend-Verlag, das das linke Vokabular &#8222;&#252;bersetzen&#8220; soll, dabei aber vor allem: verspottet.</p><p>In dieser Folge werfen wir einen Blick auf das Buch <em>Links &#8211; Deutsch / Deutsch &#8211; Links</em>, mit dem es die NIUS-Redaktion gleich auf den ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste geworfen hat. Wir fragen uns, was f&#252;r eine Linke hier eigentlich beschrieben wird und woher dieses Feindbild eigentlich kommt. </p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, die Kaderschmiede, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. In der letzten Kaderschmiede haben wir uns ein anderes Buch aus dem NIUS-Kosmos angeschaut, das Buch <em>Bastardmoderne </em>von Jan A. Karon. In der Folge haben wir dar&#252;ber gesprochen, ob es sich dabei um den intellektuellen Unterbau des NIUS-Projekts handelt:</p><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;c5cb7135-4287-48f8-8b29-f67bd73a31dd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Kulturpessimistische Verfallsdiagnosen geh&#246;ren eigentlich seit jeher zum Inventar der modernen Rechten. Mit B&#252;chern wie &#8222;Shitb&#252;rgertum&#8220; von Ulf Poschardt oder, etwas weiter zur&#252;ck, mit &#8222;Finis Germania&#8220; haben sie auch in den letzten Jahren enorme Erfolge gefeiert. Jetzt taucht ein Autor aus dem NIUS-Kosmos auf, der das gleiche Genre bedient &#8211; dabei allerdings mit einer explizit postliberal-antikapitalistischen Agenda.&quot;,&quot;cta&quot;:&quot;Listen now&quot;,&quot;showBylines&quot;:true,&quot;showDescription&quot;:true,&quot;showImage&quot;:true,&quot;size&quot;:&quot;lg&quot;,&quot;isEditorNode&quot;:true,&quot;title&quot;:&quot;Der intellektuelle Unterbau von NIUS | Jan A. Karon: &#8222;Bastardmoderne&#8220; (Kaderschmiede)&quot;,&quot;publishedBylines&quot;:[{&quot;id&quot;:2651099,&quot;name&quot;:&quot;Nils Schniederjann&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Journalist.&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!MiNx!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F2fee6b98-5740-402f-b84a-6e6f6193073c_1178x1179.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100},{&quot;id&quot;:111371079,&quot;name&quot;:&quot;Sebastian Friedrich&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Freier Journalist und Autor (u.a. NDR, Panorama, Der Freitag) Podcast + Newsletter &#8222;&#220;ber Rechts&#8220;&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!XfPS!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffed732ec-af3d-4bdd-8130-e358d6d187d6_400x400.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100}],&quot;post_date&quot;:&quot;2026-05-09T06:53:31.436Z&quot;,&quot;cover_image&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BJ_C!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F6483382e-9067-42c2-906d-d00bcf407b98_4200x2116.jpeg&quot;,&quot;cover_image_alt&quot;:null,&quot;canonical_url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/nius-jan-karon-bastardmoderne-rezension&quot;,&quot;section_name&quot;:null,&quot;video_upload_id&quot;:null,&quot;id&quot;:196981056,&quot;type&quot;:&quot;podcast&quot;,&quot;reaction_count&quot;:11,&quot;comment_count&quot;:2,&quot;publication_id&quot;:4369993,&quot;publication_name&quot;:&quot;&#220;ber Rechts&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;youtube_url&quot;:null,&quot;show_links&quot;:null,&quot;feed_url&quot;:null}"></div><p>Da wir den Podcast und Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. 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Juli dieses Jahres die Bundestagsdi&#228;ten um etwa 500 Euro pro Monat. Die Linken-Vorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner schlagen f&#252;r die Abgeordneten ihrer Partei die entgegengesetzte Richtung vor. Sie wollen die Bez&#252;ge der Bundestags- und Europaabgeordneten der Linken auf das Niveau des aktuellen Durchschnittslohns von 5.370 Euro brutto im Monat deckeln, <a href="https://www.die-linke.de/partei/parteidemokratie/parteivorstand/parteivorstand-2024-2026/detail-beschluesse-pv/news/diaetenbegrenzung/">wie in einem aktuellen Beschluss des Parteivorstands zu lesen ist</a>. Alles, was dar&#252;ber hinausgeht, soll einem Sozialfonds zugutekommen.</p><p>Damit sorgen van Aken und Schwerdtner auch in der eigenen Partei f&#252;r Kritik. Der Gehaltsdeckel, so der Einwand, w&#252;rde die parlamentarische Unabh&#228;ngigkeit besch&#228;digen und sei in dieser H&#246;he wom&#246;glich rechtlich problematisch. <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/1174806/WD-3-029-26.pdf">Ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags</a>, das der Linken-Abgeordnete Michael Moses Arndt in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Schluss, dass eine Deckelung grunds&#228;tzlich m&#246;glich sein d&#252;rfte. Problematisch sei aber die konkrete H&#246;he des vorgeschlagenen Modells: Wenn Abgeordneten durch die Deckelung weniger als die H&#228;lfte ihrer gesetzlichen Entsch&#228;digung verbleibt, k&#246;nnte ihre vom Grundgesetz gesch&#252;tzte angemessene und unabh&#228;ngigkeitssichernde Alimentation verletzt sein.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Eine Deckelung auf 2.850 Euro netto &#8211; eine Summe, die eine Zeit lang kursierte &#8211; d&#252;rfte deshalb in der vorgeschlagenen Form unzul&#228;ssig sein. Die vom Parteivorstand beschlossene Bruttosumme liegt zwar deutlich h&#246;her, ob sie die von den Wissenschaftlichen Diensten diskutierte 50-Prozent-Schwelle tats&#228;chlich nimmt, m&#252;sste aber gesondert gepr&#252;ft werden. Doch unabh&#228;ngig von der Frage, ob und in welcher H&#246;he eine Deckelung m&#246;glich ist: W&#228;re es denn &#252;berhaupt sinnvoll? Man kann die Forderung nach einem Gehaltsdeckel als reine Symbolpolitik abtun, aber das w&#252;rde zu kurz greifen.</p><h3><strong>Auch Symbolpolitik ist Politik</strong></h3><p>Wer von Symbolpolitik spricht, w&#228;hnt sich meist auf der Seite der politischen Vernunft. &#220;bersehen wird dabei allerdings, dass auch Symbolpolitik wirksam sein kann. Vor allem dann, wenn immer mehr Menschen das Gef&#252;hl haben, dass Politiker immer weniger das Wohl der Gesellschaft, daf&#252;r aber umso mehr ihr eigenes im Blick haben. So entsteht eine Repr&#228;sentationskrise &#8211; und die ist zwar nicht nur, aber auch eine Krise der politischen Symbolik. Die Menschen sind dabei nicht einfach unzufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. Das auch, aber das Vertrauen in Parteien, Parlamente und politische Repr&#228;sentanten insgesamt bewegt sich seit Jahren auf einem niedrigen Niveau.</p><p>Vor allem die AfD versucht seit ihrer Gr&#252;ndung von dieser Repr&#228;sentationskrise der parlamentarischen Demokratie zu profitieren. Sie erkl&#228;rt die anderen Parteien zu &#8222;Altparteien&#8220; und s&#228;t Misstrauen gegen&#252;ber dem politischen Betrieb. Skandale um Maskendeals, Nebeneink&#252;nfte, Lobbyismus und der Vorwurf einer abgehobenen Blase in Berlin-Mitte, in der Abgeordnete nur noch unter sich, mit Journalisten und Lobbyisten verkehren, bilden seit Jahren eine optimale Grundlage f&#252;r die AfD, um Ressentiments gegen die Repr&#228;sentanten der parlamentarischen Demokratie zu bewirtschaften.</p><h3><strong>Rechte und linke Elitenkritik</strong></h3><p>Die AfD bespielt nahezu perfekt den rechtspopulistischen Dualismus zwischen den kleinen ehrlichen Leuten unten und den korrupten Politikern oben, die sich angeblich nur die Taschen vollstopfen. Diese moralisierende Kritik an den M&#228;chtigen ist nicht v&#246;llig aus der Luft gegriffen. Sie verbleibt aber auf der Ebene der Charakterkritik, statt die Ursachen von Armut und Reichtum, von Ausbeutung und Bereicherung, von grundlegend widerstreitenden Interessen zu thematisieren. Nicht das Verh&#228;ltnis von Kapital und Arbeit, nicht Eigentum und auch nicht die staatliche Absicherung der Wirtschaftsordnung werden sichtbar, wenn der Lichtkegel auf vermeintlich oder tats&#228;chlich gieriges, verr&#228;terisches, abgehobenes Verhalten von Politikern f&#228;llt. Die rechte Elitenkritik richtet sich nicht gegen Herrschaft und Klassenmacht als solche, sondern zielt darauf, die real existierende Elite durch eine eigene zu ersetzen.</p><p>Eine linke Elitenkritik kann Abgehobenheit aufgreifen und in einem linkspopulistischen Sinne auch Selbstbedienungsmentalit&#228;ten von Politikern anprangern. Sie sollte aber nicht dabei stehen bleiben, sondern die materiellen und institutionellen Ursachen der Entkopplung von Politikern und Bev&#246;lkerung analysieren: das Berufspolitikertum, das Ungleichgewicht des Lobbyismus, die Fallstricke einer rein institutionell-parlamentarischen Aushandlung &#8211; und nicht zuletzt Interessenverschiebungen durch ver&#228;nderte soziale Lagen.</p><h3><strong>Warum ein Gehaltsdeckel mehr als Symbolpolitik ist</strong></h3><p>Vor allem der letztgenannte Punkt zeigt, dass es bei dem Gehaltsdeckel nicht nur um Symbolpolitik geht. Er kann auch ein Mittel sein, politische Repr&#228;sentanten materiell an die Interessen der breiten Mehrheit zu binden. Darauf hat vor einiger Zeit <a href="https://jacobin.de/artikel/gehaltsbegrenzung-gehaltsdeckel-durchschnittslohn-die-linke">Thomas Zimmermann bei </a><em><a href="https://jacobin.de/artikel/gehaltsbegrenzung-gehaltsdeckel-durchschnittslohn-die-linke">Jacobin</a></em> aufmerksam gemacht.</p><blockquote><p>&#8222;F&#252;r eine demokratische Gesellschaft w&#228;re es durchaus sinnvoll, die Di&#228;ten gew&#228;hlter Vertreter an den Durchschnittslohn zu binden. Denn dann h&#228;tten sie einen viel st&#228;rkeren Anreiz, eine Politik zu machen, die die L&#246;hne in der Breite steigert. Und auch was die Preise von Lebensmitteln, Energie oder Wohnraum angeht, st&#228;nden sie den Interessen der arbeitenden Mehrheit deutlich n&#228;her. Einen solchen Wandel k&#246;nnte am ehesten eine Partei bewirken, die bereits unter Beweis gestellt hat, dass man mit weniger Geld genauso gut &#8211; oder sogar besser &#8211; Politik machen kann, und die es versteht, die Frage hoher Di&#228;ten zu einer politischen Hypothek f&#252;r das Establishment zu machen.&#8220;</p></blockquote><p>Mit einem Gehaltsdeckel k&#246;nnte die Linke zeigen, dass sie nicht nur abstrakt &#252;ber soziale Spaltung spricht, sondern auch f&#252;r sich selbst Konsequenzen daraus zieht. Sie k&#246;nnte ihre Kritik an gesellschaftlicher Ungleichheit glaubw&#252;rdiger vertreten. Ein festgelegter Gehaltsdeckel greift direkt die AfD-Erz&#228;hlung an, wonach alle anderen Parteien, die Linke eingeschlossen, letztlich gleich seien: gleich in der Ablehnung der AfD, aber auch gleich in ihrer Abgehobenheit. Die Linke w&#252;rde deutlich machen, dass ihre Abgeordneten die Menschen nicht nur vertreten wollen, sondern sich auch materiell nicht vollst&#228;ndig von deren Lebensrealit&#228;t entfernen.</p><p>Hinzu kommt: Die &#252;bersch&#252;ssigen Bez&#252;ge, die durch einen Deckel einbehalten w&#252;rden, k&#246;nnten an Bed&#252;rftige und zudem in lokale Initiativen flie&#223;en. Damit lie&#223;e sich die Basisverankerung der Partei in Stadtteilen, auf dem Land oder in Betrieben st&#228;rken. Der Gehaltsdeckel w&#228;re dann nicht nur eine Geste pers&#246;nlicher Bescheidenheit, sondern ein Instrument, parlamentarische Ressourcen in au&#223;erparlamentarische Verankerung zu &#252;bersetzen.</p><h3><strong>Besonders AfD-W&#228;hler sind f&#252;r einen Gehaltsdeckel</strong></h3><p>Die Linke w&#252;rde damit eine Unzufriedenheit aufgreifen, die nicht nur, aber besonders stark unter AfD-W&#228;hlern verbreitet ist. Darauf deutet zumindest eine Umfrage hin, die die Linke vor einigen Wochen selbst in Auftrag gegeben hat. Knapp 80 Prozent der AfD-W&#228;hler bewerten eine Deckelung der Abgeordnetenverg&#252;tung demnach &#8222;eindeutig positiv&#8220;:</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!CiZ_!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!CiZ_!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!CiZ_!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!CiZ_!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!CiZ_!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!CiZ_!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png" width="728" height="364" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/a1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:false,&quot;imageSize&quot;:&quot;normal&quot;,&quot;height&quot;:728,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:728,&quot;bytes&quot;:112406,&quot;alt&quot;:&quot;S&#228;ulendiagramm zur Zustimmung zu einem Gehaltsdeckel f&#252;r Bundestagsabgeordnete nach Parteianh&#228;ngern (April 2026). Die Werte lauten: AfD 80%, Gr&#252;ne 78%, BSW 77%, Linke 76%, SPD 72%, FDP 68%, CDU 61%. Quelle: Civey-Umfrage, 13.&#8211;15. April 2026.&quot;,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/png&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;topImage&quot;:false,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/i/197218601?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fa1ed3c4f-26a7-49f8-b1bc-6c1ce8361098_2000x1000.png&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:&quot;center&quot;,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="S&#228;ulendiagramm zur Zustimmung zu einem Gehaltsdeckel f&#252;r Bundestagsabgeordnete nach Parteianh&#228;ngern (April 2026). Die Werte lauten: AfD 80%, Gr&#252;ne 78%, BSW 77%, Linke 76%, SPD 72%, FDP 68%, CDU 61%. Quelle: Civey-Umfrage, 13.&#8211;15. 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Auch die Hoffnung, man k&#246;nne mit einer beschlossenen Gehaltsdeckelung massenhaft AfD-W&#228;hler zu W&#228;hlern der Linken machen, w&#228;re naiv. Dennoch w&#228;re es ein Ansatzpunkt, Unzufriedenheit im AfD-Milieu nicht einfach abzuwehren, sondern umzulenken: weg vom reinen Ressentiment, hin zu einer linken &#220;bersetzung dieses Unbehagens, die die Kritik an politischer Repr&#228;sentation mit der sozialen Frage verbindet. Die rechte Anti-Establishment-Erz&#228;hlung bek&#228;mpft man schlie&#223;lich nicht, indem man das bestehende System sch&#246;nredet oder indem Abgeordnete einen Lebensstandard verteidigen, der f&#252;r weite Teile der Bev&#246;lkerung unerreichbar ist. Man bek&#228;mpft die rechte Erz&#228;hlung eher, indem man ihr eine glaubw&#252;rdige eigene entgegensetzt.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der intellektuelle Unterbau von NIUS | Jan A. Karon: „Bastardmoderne“ (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[Jetzt anh&#246;ren | Ein Redakteur von NIUS ver&#246;ffentlicht einen publizistischen Rundumschlag, in dem er unsere Gegenwart auseinandernimmt. Dabei macht er sich f&#252;r eine postliberale Rechte stark. Wie koh&#228;rent ist das?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/nius-jan-karon-bastardmoderne-rezension</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/nius-jan-karon-bastardmoderne-rezension</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Sat, 09 May 2026 06:53:31 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/196981056/26a4a06a7d0617494833c17c40938bba.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Kulturpessimistische Verfallsdiagnosen geh&#246;ren eigentlich seit jeher zum Inventar der modernen Rechten. Mit B&#252;chern wie &#8222;Shitb&#252;rgertum&#8220; von Ulf Poschardt oder, etwas weiter zur&#252;ck, mit &#8222;Finis Germania&#8220; haben sie auch in den letzten Jahren enorme Erfolge gefeiert. Jetzt taucht ein Autor aus dem NIUS-Kosmos auf, der das gleiche Genre bedient &#8211; dabei allerdings mit einer explizit postliberal-antikapitalistischen Agenda.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BJ_C!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F6483382e-9067-42c2-906d-d00bcf407b98_4200x2116.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!BJ_C!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F6483382e-9067-42c2-906d-d00bcf407b98_4200x2116.jpeg 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Karon an unserer Gegenwart eigentlich auszusetzen hat: Es gibt zu viele Migranten, die Menschen schauen zu viele Pornos, lokale Traditionen werden durch globalen Einheitsbrei ersetzt und der Fu&#223;ball ist auch nicht mehr, was er einmal war. Wir fragen uns, welcher Blick auf die Welt eigentlich hinter diesen Klagen steht. </p><p>Daf&#252;r werfen wir einen genaueren Blick auf seine Problemanalyse: Welche Akteure macht er f&#252;r den Verfall verantwortlich und was m&#252;sste sich laut Karon &#228;ndern, damit wir wieder in einer Welt ankommen, in&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/nius-jan-karon-bastardmoderne-rezension">
              Read more
          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Vier Stunden Höcke: Es braucht neue Medien]]></title><description><![CDATA[Bj&#246;rn H&#246;cke redet bei einem YouTuber vier Stunden lang ohne kritische Fragen. Die Emp&#246;rung dar&#252;ber ist verst&#228;ndlich. Aber das Ph&#228;nomen zeigt auch die Grenzen etablierter Medien.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/vier-stunden-hocke-es-braucht-neue</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/vier-stunden-hocke-es-braucht-neue</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 06 May 2026 04:18:07 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/e01d7a10-192a-4e4b-bb5a-852302bc57aa_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Mein Ziel ist halt hier, kl&#252;ger rauszugehen, als ich reingegangen bin.&#8220; Mit diesem Satz begr&#252;&#223;t Ben Berndt seinen Gast Bj&#246;rn H&#246;cke <a href="https://youtu.be/VO3QuFZ5rFg">zu einem vierst&#252;ndigen Gespr&#228;ch</a>, das innerhalb weniger Tage 3,5 Millionen Mal auf YouTube abgerufen wurde. Hinzu kommen Podcast-Abrufe in vermutlich &#228;hnlicher H&#246;he.</p><p>Dass es in diesen vier Stunden nicht eine einzige kritische Nachfrage gibt, geh&#246;rt zum Formatversprechen. Berndt versteht sich nicht als Journalist, wie er gleich zu Beginn erkl&#228;rt. Sein Gast solle kl&#252;ger rausgehen, er selbst auch, niemand solle hinterher denken, einer von beiden sei besonders klug oder besonders dumm. H&#246;cke nutzt das nat&#252;rlich aus. Er erz&#228;hlt ellenlang, wie er als letzter integrer Politiker den korrupten Politikbetrieb aufmische, dass wir l&#228;ngst in einer Demokratiesimulation lebten, dass Migration nur tr&#246;pfchenweise, aber nicht als Sturmflut funktioniere. Dazwischen liefert er viel Biographisches: Er erz&#228;hlt von sich als idealem Lehrer, von der anstrengenden Schulmanagement-Weiterbildung, die er als junger Vater absolviert hat, von der Stimmung in der Familie seit seinem Eintritt in die Politik.</p><p>Das meiste ist nicht &#252;berraschend, vieles nicht einmal interessant. Manches ist gesch&#246;nt (&#8222;Als Kind hatte ich schon das Gef&#252;hl, in mir etwas Gr&#246;&#223;erem dienen zu wollen&#8220;), anderes ist blanke Demagogie (&#8222;Die Migration ist ein Mordkomplott gegen das deutsche Volk&#8220;), anderes schlicht gelogen (&#8222;Ich habe niemals eine Intrige eingef&#228;delt&#8220;). H&#246;cke ist dabei weder besonders unterhaltend, noch gl&#228;nzt er intellektuell, in diesem Gespr&#228;ch wirkt er nicht einmal besonders radikal. Dass ihm trotzdem mehrere Millionen Menschen stundenlang zuh&#246;ren, muss f&#252;r Fragezeichen sorgen.</p><h3>H&#246;cke als zentrale, aber unsichtbare Figur der politischen Auseinandersetzung</h3><p>Den eigentlichen Erfolgsgrund liefert dabei aber der Moderator selbst, ganz nebenbei. Er erz&#228;hlt, er habe diverse Spitzenpolitiker aus allen politischen Lagern am Tisch gehabt, und was alle diese Lager eint, sei folgendes: Wenn es um die AfD gehe, hei&#223;e es immer, die seien nicht w&#228;hlbar, rechtsradikal, sollten verboten werden. Wenn er dann nachhake, warum, komme stets dieselbe Antwort: &#8222;Ja, die haben doch diesen H&#246;cke und der ist der allerschlimmste.&#8220;</p><p>In diesem Satz steckt das ganze Problem. H&#246;cke ist innerhalb der AfD machtpolitisch l&#228;ngst nicht mehr so dominant wie noch vor einigen Jahren. Aber er bleibt f&#252;r einen gro&#223;en Teil des b&#252;rgerlichen Lagers die zentrale Begr&#252;ndung f&#252;r die Brandmauer, also jene Absprache, mit der die etablierten Parteien eine Koalition mit der AfD kategorisch ausschlie&#223;en. Die Legitimation einer der zentralen politischen Strategien h&#228;ngt also seit Jahren auch &#8211; wenn auch nicht allein &#8211; an dieser einen Person. Und so wurde H&#246;cke zwar zur entscheidenden Figur einer ganzen politischen Auseinandersetzung gemacht, war aber au&#223;erhalb von parteinaher Propaganda in den vergangenen Jahren kaum wahrnehmbar. Wer ihn erleben wollte, musste in einen AfD-Kreisverband fahren oder einen Wahlkampfauftritt aufsuchen.</p><h3>Medien &#252;bersch&#228;tzen ihre Rolle</h3><p>Das liegt auch daran, dass die etablierten Medien ihre Rolle &#252;bersch&#228;tzt haben. Ihre Logik war, dass man Extremisten wie H&#246;cke in die Irrelevanz dr&#228;ngen k&#246;nnte, wenn man sie nicht zu Wort kommen l&#228;sst. Fr&#252;her h&#228;tte das funktioniert. Wer bis in die 1990er Jahre hinein nicht in den &#246;ffentlich-rechtlichen Medien oder den gro&#223;en Tages- und Wochenzeitungen auftauchte, der war f&#252;r die breite &#214;ffentlichkeit einfach unsichtbar. Er konnte nat&#252;rlich in dieser oder jener Nische ein Publikum finden, aber nicht in der breiten Masse. Das galt f&#252;r Popbands wie f&#252;r Parteien.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag von uns zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p>Doch das Internet hat diese Strukturen beseitigt, schrittweise seit den 2000er Jahren, abrupt mit dem Aufstieg von YouTube und Podcast-Plattformen in den 2010ern. Seitdem sind die Produktionskosten f&#252;r audiovisuelle Inhalte immer weiter auf nahezu null gesunken, der Vertrieb der Inhalte ist ebenfalls kostenlos. Unter diesen Bedingungen verhindert eine Redaktion, die jemanden nicht einl&#228;dt, nicht mehr seinen Aufstieg. Sie schafft dann allenfalls eine L&#252;cke zwischen der Realit&#228;t und ihrer medialen Abbilung. Genau diese L&#252;cke f&#252;llt Berndts Podcast.</p><p>Wenn H&#246;ckes Auftreten also eine der zentralen Legitimationen einer politischen Strategie ist, dann wollen die Menschen auch sehen, wie dieser Mann auftritt. Jetzt darf H&#246;cke bei Berndt fast f&#252;nf Stunden lang den b&#252;rgerlichen Familienvater geben. Er kann erz&#228;hlen und Anekdoten liefern, ab und zu kann er auch argumentieren. Damit kann er Millionen von Menschen ansprechen, die er in einer Talkshow nie erreichen w&#252;rde.</p><h3>ARD, ZDF und Zeitungen haben ihre Gatekeeping-Funktion verloren</h3><p>Die Strategie des Nicht-Einladens basiert auf einer Selbstwahrnehmung, die mindestens zehn Jahre veraltet ist. Sie setzt voraus, dass ARD, ZDF und die gro&#223;en Tageszeitungen bestimmen, wor&#252;ber die &#214;ffentlichkeit informiert ist. Das ist nicht mehr der Fall. Die Reaktion auf den Erfolg von Berndts Format darf sich deshalb nicht wieder in Emp&#246;rung ersch&#246;pfen. Jetzt hei&#223;t es: Anerkennen, dass die Medien ihre Gatekeeping-Funktion verloren haben, daraus Schl&#252;sse f&#252;r die eigene Medienarbeit ziehen und, wenn einem nicht gef&#228;llt, wer in diesen Formaten zu Wort kommt: selbst etwas aufbauen.</p><p>Gemeint ist keine &#214;RR-Variante von &#8222;Ungeskriptet&#8221;, in der Talkshow-Moderatoren k&#252;nftig zwei Stunden statt einer senden. Das l&#246;st das Problem nicht, weil das Vertrauen in institutionelle Medien strukturell besch&#228;digt ist und ein l&#228;ngeres Format daran nichts &#228;ndert. Gefragt w&#228;ren linke Formate, die die Logik des neuen Medien&#246;kosystems akzeptieren und strategisch nutzen, statt sie zu beklagen.</p><p>Dass das m&#246;glich ist, zeigt in den USA zum Beispiel <a href="https://joshuacitarella.substack.com/">der Podcast </a><em><a href="https://joshuacitarella.substack.com/">Doomscroll</a></em>. Der linke Host Joshua Citarella versteht jedes Gespr&#228;ch, die auch bei ihm meist etwa drei Stunden lang sind, als einen Knotenpunkt im Empfehlungsalgorithmus. Das hei&#223;t: Wer einen kontroversen Gast einl&#228;dt, gibt ihm nicht einfach &#8222;eine B&#252;hne&#8220;, sondern betritt auch dessen eigenen Empfehlungsfeed, zieht einen Teil seines Publikums mit und kann dieses Publikum anschlie&#223;end auch zu anderen Inhalten bringen. Diese Strategie ist langfristig effektiver, denn politische &#220;berzeugungsarbeit passiert nicht in einem einzigen Video, sondern &#252;ber lange Zeit, durch Exposition. </p><p>Das Unbehagen &#252;ber Berndts Format ist deshalb verst&#228;ndlich, aber es ist das falsche Gef&#252;hl zum falschen Zeitpunkt. Solange die Linke das neue Medien&#246;kosystem prim&#228;r als Bedrohung begreift, &#252;berl&#228;sst sie es kampflos jenen, die es l&#228;ngst als Chance begriffen haben. Die Frage f&#252;r diejenigen, die H&#246;ckes rechtsradikale Positionen nicht teilen, lautet deshalb nicht: Wie verhindern wir, dass so etwas wieder passiert? Sondern: Warum gibt es auf unserer Seite niemanden, dessen Gespr&#228;che drei Millionen Menschen sehen wollen?</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ein Jahr Merz als Kanzler: Der verspätete Merkelist]]></title><description><![CDATA[Nach knapp einem Jahr entpuppt sich der angek&#252;ndigte Hardliner als Merkel-Imitator. Doch ihr Politikmodell funktioniert inzwischen nicht mehr.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/ein-jahr-merz-als-kanzler</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/ein-jahr-merz-als-kanzler</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 29 Apr 2026 11:45:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/54e46acc-db88-4f63-a62a-c240be1f896e_3150x2228.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Auf der diesj&#228;hrigen Hannover Messe gab es eine kuriose Situation: Der CEO eines Automationsunternehmens begr&#252;&#223;te den Bundeskanzler mit einem kleinen Versprecher: &#8222;Herr Merkel!&#8220; Beim Kanzler kam das nicht gut an, der CEO korrigierte sich schnell, doch ganz falsch lag der Unternehmer nicht. Denn versucht man, ein Jahr nach Amtsantritt eine erste Bilanz der Regierung Friedrich Merz zu ziehen, sind &#196;hnlichkeiten zur Kanzlerschaft von Angela Merkel nur schwer zu &#252;bersehen.</p><p>Dabei war Merz im Wahlkampf noch mit markigen Spr&#252;chen aufgetreten. Eine &#8222;echte Wirtschaftswende&#8220; hatte er versprochen, eine grundlegende Umkehr in der Migrationspolitik. Die Gr&#252;nen, so die oft wiederholte Diagnose aus der CDU, stellten die schlechtesten Minister in der Geschichte der Bundesrepublik und ohne die miserable Ampelpolitik w&#228;re die AfD l&#228;ngst am Boden.</p><p>Dass Merz dann kurz vor der Bundestagswahl die Stimmen der AfD in Kauf nahm, um einen migrationspolitischen Entschlie&#223;ungsantrag durch den Bundestag zu bringen, schreckte viele auf. In linksliberalen Kreisen festigte sich damit das Bild eines Hardcore-Konservativen, der die Republik nach rechts rei&#223;en w&#252;rde. Im konservativen Lager wuchs umgekehrt die Hoffnung auf einen radikalen Reformer, der das Merkel-Erbe endlich entsorgt. Nach einem Jahr muss man sagen: Beide Lager haben sich verkalkuliert.</p><p><strong>Pragmatismus im Inneren, Kontinuit&#228;t im Au&#223;en</strong></p><p>Die wirtschaftspolitische Bilanz ist aus konservativer Perspektive ern&#252;chternd. Der &#8222;Herbst der Reformen&#8221; entpuppte sich als Luftnummer. Zwar treten Gesundheitsministerin Nina Warken und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche immer wieder mit Vorschl&#228;gen an die &#214;ffentlichkeit, die vor allem die unteren Einkommensgruppen erheblich belasten w&#252;rden. Doch nachdem Reiche SPD-Finanzminister Lars Klingbeil zuletzt scharf kritisiert hatte, rief Merz seine Wirtschaftsministerin sogar &#246;ffentlichkeitswirksam zur&#252;ck. Er sei &#8222;befremdet &#252;ber den &#246;ffentlichen Schlagabtausch&#8220;, lie&#223; er sich zitieren. Schon unmittelbar vor seiner Wahl hatte Merz mit dem alten Bundestag das 500-Milliarden-Sonderverm&#246;gen durchgebracht. Auch das deutete bereits darauf hin, dass hier jemand bereit ist, eher pragmatischer Notwendigkeit zu folgen als ordoliberalen Prinzipien.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Unterst&#252;tze jetzt <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Text von uns zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p>Auch au&#223;enpolitisch ist die Ver&#228;nderung eher gering. Zwar ist die &#8222;feministische Au&#223;enpolitik&#8220; Geschichte. Doch die feste Verankerung Deutschlands in EU und NATO hatte auch die Vorg&#228;ngerregierung nie infrage gestellt, ebenso wenig die enge Kooperation mit Washington. Au&#223;enminister Johannes Wadephul fasste es <a href="https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tagesthemen/video-1464914.html">kurz nach seiner Ernennung in einem Interview</a> bereits treffend zusammen: In der Au&#223;enpolitik gebe es &#8222;im Wesentlichen Kontinuit&#228;t&#8221;. Im vergangenen Sommer stoppte Merz dann sogar die Waffenlieferungen nach Israel f&#252;r mehrere Monate. Die Ampel hatte sich einen solchen Schritt nicht getraut.</p><p><strong>Orientierung an der Mitte statt Wende nach rechts</strong></p><p>Bleibt die Migrationspolitik. Hier liefert Merz, was er versprochen hat: mehr Zur&#252;ckweisungen, Abschiebungen nach Afghanistan, die Ank&#252;ndigung, hunderttausende Syrer abzuschieben, die Aussetzung des Familiennachzugs, dazu kommt die migrationspolitisch aufgeladene &#8222;Stadtbild&#8220;-Debatte. Im Umgang mit der AfD selbst bleibt der Kanzler hingegen unmissverst&#228;ndlich. Trotz des Risses, den Merz der Brandmauer Anfang 2025 durch die gemeinsame Abstimmung im Bundestag zuf&#252;gte, h&#228;lt sie weiter. Merz k&#252;ndigte sogar wiederholt an, die AfD zum &#8222;Hauptgegner&#8220; machen zu wollen. <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/afd-debatte-brandmauer-merz-100.html">Wenn er sagt</a>, dass die AfD &#8222;die Bundesrepublik Deutschland, wie sie seit Adenauer gepr&#228;gt worden ist und wie sie die CDU mitgepr&#228;gt hat&#8220;, insgesamt infrage stelle, zeugt das von einer durchaus realistischen Lageeinsch&#228;tzung.</p><p>Wer also eine klar rechte Wende im Kanzleramt prognostiziert hat, lag daneben. Das B&#252;ndnis mit Rechtsau&#223;en sucht Merz so wenig, wie Merkel es suchte. Er versucht, in die Mitte vorzudringen, exakt wie sie. Dass er sich damit in eine lange Tradition stellt, blenden er und die breite &#214;ffentlichkeit gleicherma&#223;en gerne aus.</p><p><strong>Merz auf Spuren von Merkel</strong></p><p>Denn auch Merkel galt vor ihrer Kanzlerschaft als neoliberale &#8222;Radikalreformerin&#8220;. Der Spiegel schrieb damals, sie wolle &#8222;die Sozialsysteme so kr&#228;ftig umpfl&#252;gen, dass alle noch auf den Reichskanzler Bismarck zur&#252;ckgehenden Konzepte nach und nach aus dem Programm der Partei verschwinden&#8220;. Auf dem Leipziger Parteitag 2003 forderte der Leitantrag eine Flat Tax sowie tiefe Einschnitte bei Renten und Sozialausgaben. Merz jubelte damals, das sei &#8222;der Anfang vom Ende der Sozialdemokratisierung der Union.&#8220;</p><p>Doch im Wahlkampf 2005 fand dieser Kurs keine Mehrheit. Mit 35,2 Prozent erzielte Merkel beinahe das schlechteste Unionsergebnis seit Jahrzehnten, gerade einmal 0,1 Prozentpunkte besser als das Wahldebakel von 1998. Damals gewann die SPD die Wahl. Merkels Union landete 2005 nur auf Platz eins, weil die SPD noch schlechter abschnitt. F&#252;r die angeschlagen ins Amt gekommene Bundeskanzlerin war es ein einschneidendes Ergebnis: Aus der Reformerin wurde die Pragmatikerin Merkel. &#8222;Mit einer knallharten wirtschaftsliberalen Reformagenda lassen sich keine Wahlen gewinnen&#8221;, fasste der Cicero-Journalist und Biograph Volker Resing die Lehre zusammen, die sie damals zog.</p><p>Jetzt betreibt Merz dasselbe Modell wie Merkel, allerdings auf einer nach rechts verschobenen Definition der &#8222;Mitte&#8220;. Er verwaltet die Republik der 2020er Jahre n&#228;mlich aus einer Mitte heraus, die l&#228;ngst weiter rechts liegt als zu Merkels besten Zeiten. Die &#8222;Stadtbild&#8220;-Debatte h&#228;tte Merkel so nicht gef&#252;hrt. Doch auch Merz f&#252;hrt sie nicht, weil er ein ideologischer Ausl&#228;nderfeind ist. Er f&#252;hrt sie, weil das politische Zentrum sich zumindest in migrationspolitischen Fragen deutlich verschoben hat. Das &#252;bersehen die Kritiker, die in Merz den rechten Antimerkel-Politiker sehen wollen.</p><p><strong>Andere Voraussetzungen als Merkel</strong></p><p>Ein Jahr nach Amtsantritt steht Merz von allen Seiten erheblich unter Druck. Die Union liegt in Umfragen deutlich hinter der AfD; <a href="https://www.ueberrechts.de/p/joe-kaeser-cdu-minderheitsregierung-afd">seit Monaten versuchen insbesondere rechte und wirtschaftsliberale Medien einen Koalitionsbruch herbeizuschreiben</a> und Merz zu motivieren, es lieber mit einer Minderheitsregierung zu versuchen. Die Chancen, dass Merz nicht einmal das Jahr 2026 als Kanzler &#252;berlebt, steigen auch auf den Wettplattformen:</p><div class="polymarket-embed" data-attrs="{&quot;eventSlug&quot;:&quot;friedrich-merz-out-as-chancellor-of-germany-before-2027&quot;,&quot;marketSlug&quot;:&quot;&quot;,&quot;profileName&quot;:&quot;&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;fullEmbedUrl&quot;:&quot;https://substack.com/embed/polymarket/friedrich-merz-out-as-chancellor-of-germany-before-2027?graphMode=true&quot;,&quot;isGraphMode&quot;:true}" data-component-name="PolymarketToDOM"></div><p>Der entscheidende Unterschied zwischen Merkel und Merz ist also kein ideologischer, auch kein strategischer, sondern ein struktureller: Merkels Stabilit&#228;tskurs funktionierte nur unter g&#252;nstigen &#246;konomischen Bedingungen. Ihre Kanzlerschaft profitierte von einer Phase globalen Wirtschaftswachstums, das Deutschland als Exportnation &#252;berproportional zugutekam. Dieses Modell tr&#228;gt aber nicht mehr.</p><p>Mangels nennenswerten Drucks von links wird sich Merz kaum bewegen lassen, die Binnennachfrage nachhaltig zu st&#228;rken. Und so bleibt die Wirtschaftspolitik die Sollbruchstelle dieser Regierung. Wenn die Industrie weiter schw&#228;chelt &#8211; und alles spricht daf&#252;r, dass sie das auch weiterhin tun wird &#8211; kann keine noch so harte Migrations- oder Kulturpolitik das kompensieren.</p><p>Der CEO, der Merz mit Merkel verwechselte, lag also nicht ganz falsch: Merz adaptiert das Merkel-Modell, allerdings unter Bedingungen, in denen Merkels Politikstil nicht mehr funktioniert. Dass <a href="https://www.n-tv.de/politik/Union-und-Merz-sacken-ab-AfD-hat-erstmals-fuenf-Punkte-Vorsprung-id30762862.html">eine aktuelle Umfrage</a> 83 Prozent der B&#252;rger unzufrieden mit der Arbeit des Kanzlers zeigt, ist daf&#252;r nur das deutlichste Symptom. Unter diesen Bedingungen ist kaum vorstellbar, dass das Modell Merz sich lange h&#228;lt.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Keine grüne Modernisierung? Dann wenigstens eine autoritäre]]></title><description><![CDATA[Joe Kaeser galt als Gesicht des gr&#252;nen Kapitalismus. Jetzt fordert der Ex-Siemens-Chef eine Minderheitsregierung der Union und nimmt eine Kooperation mit der AfD in Kauf.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/joe-kaeser-cdu-minderheitsregierung-afd</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/joe-kaeser-cdu-minderheitsregierung-afd</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Wed, 22 Apr 2026 12:52:16 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/3b1f1d5b-0c99-4470-a7a4-04abb1a282af_2100x1485.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn der gr&#252;ne, inklusive Kapitalismus in Deutschland einmal ein Gesicht hatte, dann war es das von Joe Kaeser. Der fr&#252;here Siemens-CEO, heute Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy und Daimler Truck, gab &#252;ber Jahre den <em>believer in inclusive capitalism</em>. 2021 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FBS53pDsOXg">trat er etwa auf dem Parteitag der Gr&#252;nen auf</a>, als es kurzzeitig so aussah, als k&#246;nne Annalena Baerbock das Erbe von Angela Merkel antreten. Kaeser warb damals f&#252;r eine sozial-&#246;kologische Marktwirtschaft und riet den Gr&#252;nen, die Chance nicht zu vergeben, &#8222;von der Abteilungsleitung Umwelt in den Vorstand Deutschland aufzusteigen&#8220;.</p><p>Er unterst&#252;tzte Baerbock damals offen im Wahlkampf, warb f&#252;r einen sozialeren, &#246;kologischen Kapitalismus &#8211; und er positionierte sich immer wieder gegen die AfD. 2018, nach Alice Weidels Bundestagsrede &#252;ber &#8222;Kopftuchm&#228;dchen&#8220; und &#8222;Messerm&#228;nner&#8220;, <a href="https://x.com/JoeKaeser/status/996700947966513152">schrieb er auf Twitter</a>, ihm sei ein Kopftuchm&#228;del lieber als ein Bund Deutscher M&#228;del. 2019 <a href="https://x.com/JoeKaeser/status/1145207900354338816">kritisierte er sogar &#246;ffentlich</a> die Festnahme von Carola Rackete, als diese das Seenotrettungsschiff &#8222;Sea Watch 3&#8220; steuerte. </p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Zuletzt wandte er sich auch gegen die migrationsfeindliche Politik der AfD: Der Fachkr&#228;ftemangel, so Kaeser, lasse sich nicht durch mehr Geburten l&#246;sen. Noch vor einem Jahr meinte er aber, sein Urteil &#252;ber Alice Weidel nach einem Talkshow-Auftritt <a href="https://x.com/JoeKaeser/status/1886168686702019016">korrigieren zu m&#252;ssen</a>: &#8222;Sie ist kein Nazi und auch nicht dumm. Sie ist einfach verhaltensgest&#246;rt und auch DESHALB eine Gefahr f&#252;r die Demokratie.&#8220;</p><p>So weit das Bild, das Kaeser jahrelang von sich zeichnete. Am Montag dann ver&#246;ffentlichte <em>The Pioneer</em> ein bemerkenswertes Interview, das Gabor Steingart mit dem Manager gef&#252;hrt hat. Jetzt klingt es, als spreche dort ein v&#246;llig anderer Mann. </p><div id="youtube2-SHSpzpBy1rs" class="youtube-wrap" data-attrs="{&quot;videoId&quot;:&quot;SHSpzpBy1rs&quot;,&quot;startTime&quot;:null,&quot;endTime&quot;:null}" data-component-name="Youtube2ToDOM"><div class="youtube-inner"><iframe src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/SHSpzpBy1rs?rel=0&amp;autoplay=0&amp;showinfo=0&amp;enablejsapi=0" frameborder="0" loading="lazy" gesture="media" allow="autoplay; fullscreen" allowautoplay="true" allowfullscreen="true" width="728" height="409"></iframe></div></div><p>Die Union, so Kaeser, stecke in einer taktischen Sackgasse. Sie k&#246;nne derzeit nur mit der SPD koalieren und brauche den Mut, sich von diesem Koalitionszwang zu befreien. Es werde sich zeigen, ob sie bereit sei, &#8222;mit einer Minderheitsregierung das Land durchzusch&#252;tteln&#8220;. Dann endlich gebe es einen Riesenaufruhr. Die Brandmauer, antwortet er auf Nachfrage, werde &#8222;in Flammen aufgehen oder auch nicht&#8220;. Kaeser weiter:</p><blockquote><p>&#8222;Unser Land braucht eine Art Disruption, das Gef&#252;hl, jetzt muss endlich etwas passieren, oder das Gef&#252;hl, es ist jetzt endlich etwas passiert.&#8221;</p></blockquote><p>Aus dem Apologeten des inklusiven Kapitalismus ist ein F&#252;rsprecher der autorit&#228;ren Disruption geworden. Kaeser ist damit nicht der erste Wirtschaftsvertreter, der laut &#252;ber ein Ende der Brandmauer nachdenkt. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendein Verbandsfunktion&#228;r oder Firmenboss eine Minderheitsregierung der Union fordert und damit faktisch den Einfluss der AfD legitimiert. Bemerkenswert ist, dass sich jetzt ausgerechnet Kaeser einreiht. Die Verschiebung im deutschen Kapital hat offenbar auch jene erfasst, die sich lange als progressive Modernisierer stilisierten.</p><p>Grunds&#228;tzlich d&#252;rfte er seine Einsch&#228;tzung der AfD eher nicht ge&#228;ndert haben. Eine Minderheitsregierung bedeutet formal keine Zusammenarbeit mit der AfD. Kooperationen mit den Rechten w&#228;ren allerdings der logisch n&#228;chste Schritt, ohne ihre Stimmen lie&#223;e sich eine solche Konstruktion nicht stabilisieren. Schnittmengen zwischen Union und AfD finden sich genug: Austrocknung kritischer NGOs, Migrationsabwehr, Law and Order, Deregulierung, Schr&#246;pfen des Sozialstaats. Gerade die letzten Punkte d&#252;rften die Disruptionsfans in den Aufsichtsr&#228;ten &#252;berzeugen. Offenbar ist die Entt&#228;uschung &#252;ber die Regierung inzwischen also st&#228;rker als die &#220;berzeugung, sich gegen rechts positionieren zu m&#252;ssen.</p><p>Wenn schon keine gr&#252;ne Modernisierung mehr in Sicht ist, dann wenigstens eine autorit&#228;re.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Hat die Rechte ihren Zenit überschritten?]]></title><description><![CDATA[Orb&#225;n ist abgew&#228;hlt, Trump so unbeliebt wie nie &#8211; ist der H&#246;hepunkt der Rechten vielleicht schon &#252;berschritten? Wir schauen kritisch auf zwei journalistische Analysen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/hat-die-rechte-ihren-zenit-ueberschritten</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/hat-die-rechte-ihren-zenit-ueberschritten</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Fri, 17 Apr 2026 05:41:22 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/194436268/f9551b253ee8893d1443a4efd35a842f.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Viktor Orb&#225;n ist nach 16 Jahren abgew&#228;hlt, die AfD hat weiterhin keine Machtperspektive und die MAGA-Bewegung scheint langsam auseinanderzubrechen. K&#246;nnte es sein, so fragen zwei journalistische Analysen, dass die Rechtspopulisten schon am H&#246;hepunkt ihrer Macht angekommen sind?</p><p>Wir schauen in dieser Folge auf <a href="https://www.zeit.de/politik/2026-04/rechtspopulismus-europa-viktor-orban-usa-donald-trump">einen Text von Bernd Ulrich und Robert Pausch bei der Zeit</a> und auf <a href="https://www.stern.de/politik/deutschland/warum-die-afd-nicht-so-stark-ist--wie-sie-glauben-machen-will-37259186.html">eine Analyse von Martin Debes im Stern</a>. Beide Texte setzen sich mit den inneren Widerspr&#252;chen und Herausforderungen rechter Bewegungen auseinander. Beide Analysen teilen im Kern die Sto&#223;richtung, in die auch wir in den vergangenen Monaten gezeigt haben. Trotzdem halten wir sie letztlich f&#252;r fehlerhaft. Warum, diskutieren wir in dieser Folge.</p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>