<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Über Rechts]]></title><description><![CDATA[Wir beobachten die Rechten, damit ihr es nicht müsst.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png</url><title>Über Rechts</title><link>https://www.ueberrechts.de</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Sat, 12 Sep 2026 04:17:32 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.ueberrechts.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Nils Schniederjann & Sebastian Friedrich]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Nils Schniederjann]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Nils Schniederjann]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Nils Schniederjann]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Sachsen-Anhalt als Labor: Was AfD und Vorfeld jetzt vorhaben]]></title><description><![CDATA[Aus Regierungsangst wird Regierungslust: Nach 43,8 Prozent denkt die Rechte &#252;ber Exekutivmacht, institutionelle Spielr&#228;ume und die Grenzen des Machbaren nach.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/sachsen-anhalt-als-labor-regierungsangst-regierungslust-afd-siegmund</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/sachsen-anhalt-als-labor-regierungsangst-regierungslust-afd-siegmund</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Fri, 11 Sep 2026 06:25:38 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/2374c778-6d56-4f3c-afb5-daf22f02b410_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die Skeptiker sind erst einmal verstummt: Jene in AfD und Vorfeld, die vor der Wahl offen oder hinter vorgehaltener Hand vor einer Regierungs&#252;bernahme in Sachsen-Anhalt gewarnt haben, halten sich nun zur&#252;ck. So etwa Torben Braga. Der Bundestagsabgeordnete aus dem Landesverband Th&#252;ringen sprach noch im Juli &#246;ffentlich davon, er blicke bei der Frage nach einer m&#246;glichen Regierungs&#252;bernahme &#8222;mit gro&#223;er Sorge auf die nahe Zukunft&#8220; und er &#8222;glaube nicht, dass die Partei so weit ist&#8220;. Von der Regierungsangst, &#252;ber die </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/regierungsangst-afd-sachsen-anhalt-torben-braga"><span>wir noch im August berichteten</span></a><span>, ist nach der Wahl nichts mehr zu sp&#252;ren.</span></p><h3><strong><span>Eine Z&#228;sur f&#252;r die Rechte</span></strong></h3><p><span>Bei 43,8 Prozent gibt es f&#252;r solche Stimmen kaum noch Resonanz. Mit dem Erfolg verschiebt sich f&#252;r die Rechte der Fokus: Lange arbeitete sie daran, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, kulturelle Hegemonie zu gewinnen und rechtes Denken zu normalisieren. Viele Jahre konzentrierte sich jenes Spektrum, das sich nicht in CDU, CSU oder FDP integrieren lassen wollte, auf den Kulturkampf um die K&#246;pfe. Mit der Gr&#252;ndung der AfD weitete die Rechte ihren Kampf auf die Parlamente aus </span>&#8211; als Protestpartei.<span> </span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere &#220;ber Rechts, um in Zukunft keinen Text und keine Podcast-Folge zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Dabei gingen Wahlforschungsinstitute lange davon aus, das Potenzial der AfD sei bei etwa 20 Prozent ersch&#246;pft. In ihren ersten zehn Jahren gelang es der Partei tats&#228;chlich nie, diese gl&#228;serne Decke in bundesweiten Umfragen dauerhaft zu durchsto&#223;en. Doch mit Migrationsdebatten, Corona-Krise, Ukraine-Krieg und Rezession hat sich ihr Potenzial immer weiter vergr&#246;&#223;ert. Aus der Protestpartei ist eine Partei der organisierten Unzufriedenheit geworden.</span></p><p><span>Sie erschloss Milieus, die zuvor nie rechts gew&#228;hlt hatten, und mobilisierte vor allem jene, die von Politik schon lange nichts mehr wissen wollten. Wie ein Staubsauger saugt sie heute diffuse wie zielgerichtete Unzufriedenheit auf und f&#252;gt sie zu einer nationalistischen Gesamterz&#228;hlung. Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt k&#246;nnte es nun darum gehen herauszufinden, was sich mit dieser gesellschaftlichen St&#228;rke tats&#228;chlich durchsetzen l&#228;sst. Die n&#228;chste Grenze ist die des politisch Machbaren.</span></p><h3><strong><span>Eine Ermutigung zum Weitermachen</span></strong></h3><p><span>Die knapp 44 Prozent in Sachsen-Anhalt sind auch eine Ermutigung zum radikalen Kurs, f&#252;r den der Landesverband um Ulrich Siegmund, aber auch die Bundespartei steht. Was vor wenigen Jahren selbst innerparteilich noch zu Ausschlussverfahren oder zumindest hektischen Distanzierungen gef&#252;hrt h&#228;tte, interessiert heute kaum noch. So etwa </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt"><span>die Vergangenheit mehrerer AfD-Mitarbeiter</span></a><span> als Funktion&#228;re der verbotenen neonazistischen </span><em><span>Heimattreuen Deutschen Jugend</span></em><span>. Davon musste sich die AfD nicht mehr ernsthaft distanzieren, negative Auswirkungen auf ihr Resultat waren nicht erkennbar. Gerade im radikalen Vorfeld hat man das aufmerksam registriert.</span></p><p><span>&#196;hnlich wirkungslos blieben andere Formen der Kritik. Das Motto &#8222;Alles ist m&#246;glich&#8220; griff das weitverbreitete Gef&#252;hl auf, </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus"><span>dass Politik nichts mehr ver&#228;ndere</span></a><span>. Viele der damit verbundenen Forderungen seien auf Landesebene doch gar nicht umsetzbar, warfen politische Gegnerinnen und Journalisten Spitzenkandidat Ulrich Siegmund immer wieder vor. Allein dieser Einwand best&#228;tigt aus AfD-Perspektive ihre Erz&#228;hlung, dass es dem Establishment an Durchsetzungskraft fehlt. Siegmunds Antwort &#8211; dann setze man sich eben im Bundesrat daf&#252;r ein &#8211; d&#252;rfte vielen seiner W&#228;hlerinnen und W&#228;hler herzlich egal gewesen sein.</span></p><h3><strong><span>Wie Siegmund Ministerpr&#228;sident werden k&#246;nnte</span></strong></h3><p><span>Damit Ulrich Siegmund tats&#228;chlich Ministerpr&#228;sident wird, werden aktuell vor allem drei Wege diskutiert; alle drei erscheinen nach aktuellem Stand aber eher unwahrscheinlich.</span></p><p><span>Der erste f&#252;hrt &#252;ber Abgeordnete der Union. Bisher deutet wenig darauf hin, dass sich mindestens drei CDU-Abgeordnete zur Unterst&#252;tzung Siegmunds finden. &#196;hnlich sieht es beim zweiten Szenario aus: &#8222;Die f&#252;nf Stimmen des BSW k&#246;nnten der AfD zur absoluten Mehrheit verhelfen.&#8220; Zwar zeigt sich das BSW in einzelnen Fragen offen, bei der Ministerpr&#228;sidentenwahl will es sich derzeit aber enthalten. Eine geregelte Tolerierung oder gar Koalition mit der AfD d&#252;rfte erhebliches Spaltpotenzial f&#252;r die gesamte Partei haben, was aber im Falle des BSW kein Ausschlusskriterium sein muss.</span></p><p><span>Bleibt die dritte Variante: Regieren ohne Koalitionsmehrheit und ohne feste Tolerierung. Auch sie erscheint derzeit unwahrscheinlich, denn Siegmund hat mehrfach erkl&#228;rt, nur mit stabilen Mehrheiten regieren zu wollen. Nicht zu untersch&#228;tzen ist, dass ein solches Modell erhebliche Risiken und unvorhersehbare Unw&#228;gbarkeiten mit sich bringen d&#252;rfte.</span></p><h3><strong><span>Von der Regierungsangst zur Lust am Austesten</span></strong></h3><p><span>Nach Lage der Dinge ist deshalb momentan am wahrscheinlichsten, dass es zumindest mit Blick auf die kommenden Wochen keinen Ministerpr&#228;sidenten Ulrich Siegmund geben wird. Das erleichtert es vielleicht den einstigen Skeptikern, aktuell umzuschwenken. Am Dienstag nach der Wahl machte Torben Braga, der noch kurz zuvor vor einer Regierungs&#252;bernahme gewarnt hatte, </span><a href="https://x.com/torben_braga/status/2097326835595976850"><span>auf X einen Vorschlag</span></a><span>: Die AfD m&#252;sse gar keine Koalition eingehen, um Regierungsmacht auszu&#252;ben und institutionelle Spielr&#228;ume auszureizen.</span></p><p><span>Braga blickt daf&#252;r auf die Landesverfassung. Siegmund k&#246;nne sich auch ohne gesicherte Mehrheit zur Wahl stellen. Scheitere er zun&#228;chst an der absoluten Mehrheit, drohten entweder Neuwahlen oder eine sehr breite Gegenkoalition; in sp&#228;teren Wahlg&#228;ngen k&#246;nnte wom&#246;glich doch die entscheidende Stimme f&#252;r Siegmund zusammenkommen.</span></p><p><span>Vor allem aber verweist Braga auf einen Punkt, der in der bisherigen Debatte wenig beachtet wurde: Ein Ministerpr&#228;sident verf&#252;gt auch ohne stabile Parlamentsmehrheit &#252;ber Exekutivmacht: Eine Regierung Siegmund k&#246;nnte Verwaltung, Verfassungsschutz, Polizei, Bildungs- und Migrationspolitik und das Spitzenpersonal im Land wesentlich pr&#228;gen. Bragas Tweet wurde binnen 48 Stunden mehr als 200.000 Mal angezeigt. &#214;ffentlicher Gegenwind war nicht zu vernehmen. So schnell kann aus Regierungsangst Regierungslust werden.</span></p><p><span>Dass Braga institutionelle Spielr&#228;ume gerne bis an ihre Grenzen austestet, ist nicht neu. 2024 war er als parlamentarischer Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der AfD-Fraktion wesentlich am Eklat um die konstituierende Sitzung des Th&#252;ringer Landtags beteiligt. Er beriet w&#228;hrend der Sitzung den AfD-Alterspr&#228;sidenten J&#252;rgen Treutler, der Antr&#228;ge und Abstimmungen des neuen Parlaments zun&#228;chst nicht zulie&#223;. Der Th&#252;ringer Verfassungsgerichtshof wurde angerufen, stoppte das Vorgehen und stellte klar, dass Treutler seine Kompetenzen &#252;berschritten hatte.</span></p><h3><strong><span>Warum die Skeptiker schweigen</span></strong></h3><p><span>Das Wahlergebnis hat die Bedingungen des AfD-internen Strategiekonflikts ver&#228;ndert. Bei 43,8 Prozent ist es schwer vermittelbar, freiwillig auf den Anspruch auf Regierungsmacht zu verzichten. Eine Partei, die fast jeden zweiten W&#228;hler hinter sich versammelt, hat die klare Aufgabe, sich eine Mehrheit zu suchen. Zumindest muss man so tun, als gehe es darum.</span></p><p><span>Auch in jenen Teilen des Vorfelds, die eher langfristig und &#8222;grunds&#228;tzlich&#8220; radikal orientiert sind, h&#228;lt man sich deshalb mit Warnungen vor einem m&#246;glichen AfD-Ministerpr&#228;sidenten auff&#228;llig zur&#252;ck.</span></p><p><span>Im Podcast </span><em><span>Von rechts gelesen</span></em><span> des nationalrevolution&#228;r bis eurofaschistisch gepr&#228;gten Jungeuropa-Verlags </span><a href="https://youtu.be/XR4_yC71ZWE?si=AcDko7RCpMRox55S&amp;t=1020"><span>betont man vor allem die M&#246;glichkeiten</span></a><span>, die ein Ministerpr&#228;sident der AfD er&#246;ffnen k&#246;nnte. Michael Sch&#228;fer argumentiert dort, dass sich Sachsen-Anhalt durchaus eigne, um erste Regierungserfahrungen zu sammeln: &#8222;Unsere Leute brauchen die Erfahrung, warum nicht in Sachsen-Anhalt?&#8220;, fragt Sch&#228;fer, ein ehemaliges NPD-Mitglied, das heute beim rechten Kampagnennetzwerk </span><em><span>Ein Prozent</span></em><span> aktiv ist, einer zentralen Schnittstelle eines Teils des Vorfelds. </span></p><p><span>Philip Stein, Verlagschef des </span><em><span>Jungeuropa-Verlags</span></em><span> und Leiter von </span><em><span>Ein Prozent</span></em><span>, hebt in dem Podcast vor allem positiv hervor, dass Siegmund und die AfD Sachsen-Anhalt das Vorfeld vorbildlich einbezogen h&#228;tten, etwa das identit&#228;re &#8222;Filmkunstkollektiv&#8220;. Zugleich betont Stein auff&#228;llig stark in der Folge, dass man einen m&#246;glichen Ministerpr&#228;sidenten Siegmund k&#252;nftig auch kritisieren werde, wenn es notwendig ist. Ob sich das tats&#228;chlich durchhalten lie&#223;e, sollten weiterhin wichtige Akteure aus dem eigenen Stall beteiligt sein, steht auf einem anderen Blatt.</span></p><h3><strong><span>Sachsen-Anhalt als Labor</span></strong></h3><p><span>Damit wird Sachsen-Anhalt aus Sicht dieser Rechten zu einem m&#246;glichen Labor, wie es David Begrich am Morgen nach der Wahl im </span><em><a href="https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich"><span>&#220;ber Rechts</span></a></em><a href="https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich"><span>-Podcast ausgedr&#252;ckt hat</span></a><span>: &#8222;Wir werden sehen, dass die AfD Sachsen-Anhalt zum Labor umbauen will, um mal auszutesten, welche ihrer Politikkonzepte funktionieren denn hier.&#8220;</span></p><p><span>In Sachsen-Anhalt k&#246;nnte erstmals gelernt werden, was es hei&#223;t, Ministerien und Verwaltungen zu f&#252;hren, Personal einzusetzen und politische Vorstellungen in staatliches Handeln zu &#252;bersetzen, etwa bei einem der Kernkonzepte.</span></p><p><span>Auf der Homepage der </span><em><span>Sezession</span></em><span> erschien direkt am Tag nach der Wahl ein </span><a href="https://sezession.de/71212/remigration-ein-plan-fuer-sachsen-anhalt"><span>Gastbeitrag von Philipp Huemer</span></a><span> vom gerade erst gegr&#252;ndeten &#8222;Institut f&#252;r Remigration&#8220;, das europaweit rechte Politiker, Journalisten und Aktivsten vernetzen m&#246;chte. Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt gebe es nun Anlass f&#252;r &#8222;konkrete Planungen mit der Chance auf Umsetzung&#8220;. Weiter hei&#223;t es: &#8222;Sachsen-Anhalt k&#246;nnte zum Remigrationsmusterland werden &#8211; als politisches Labor, in dem sichtbar wird, welche M&#246;glichkeiten ein einzelnes Bundesland tats&#228;chlich besitzt.&#8220;</span></p><p><span>&#220;ber Migration hinaus w&#252;rde eine AfD-Regierung sicher noch weitere Grenzen testen wollen: Welche F&#246;rdermittel f&#252;r Kultur und Zivilgesellschaft k&#246;nnen gestrichen werden? Wie tief l&#228;sst sich in Lehrpl&#228;ne eingreifen? Wie stark kann der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk unter Druck gesetzt werden? Wie weit l&#228;sst sich eine Verwaltung umbauen?</span></p><p><span>Sachsen-Anhalt bietet daf&#252;r aus dieser Perspektive g&#252;nstige Bedingungen. Das Land ist &#252;berschaubar genug, um Regierungspraxis zu erproben, ohne dass Fehler zu schwerwiegenden Konsequenzen f&#252;r das politische Projekt f&#252;hren w&#252;rden, zugleich aber gro&#223; genug, um Erfahrungen und Erkenntnisse f&#252;r m&#246;gliche Regierungen in anderen Bundesl&#228;ndern zu gewinnen.</span></p><p><span>Egal, wie die Regierungsfindung in Sachsen-Anhalt ausgeht: AfD und Vorfeld f&#252;hlen sich bereit f&#252;r die n&#228;chste Phase.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">&#220;ber Rechts ist eine von Lesern unterst&#252;tzte Publikation. Um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen, ziehen Sie in Betracht, ein Free- oder Paid-Abonnent zu werden.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nach dem AfD-Sieg: Was lernen wir aus Sachsen-Anhalt?]]></title><description><![CDATA[Jetzt anh&#246;ren | Ein Gespr&#228;ch mit David Begrich dar&#252;ber, warum die AfD so stark werden konnte, wie ihr die politische Polarisierung genutzt haben k&#246;nnte &#8211; und welche Konsequenzen daraus f&#252;r die Zukunft folgen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Mon, 07 Sep 2026 14:09:14 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/214573470/9be523b47dea4bc7b72d939b2d88cf7d.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>43,8 Prozent f&#252;r die AfD in Sachsen-Anhalt sind weit mehr als ein au&#223;ergew&#246;hnlicher Wahlerfolg. Die politische Ordnung der ganzen Republik ist ins Rutschen geraten.</p><p>Wie konnte die AfD so stark werden? Welche Rolle spielen ostdeutsche Erfahrungen, die Entfremdung vom politischen System und das Verschwinden fr&#252;herer politischer Bindungen? Wie wichtig war Ulrich Siegmunds emotionalisierter Wahlkampf &#8211; und inwiefern nutzte den Rechten die Polarisierung zwischen AfD und den &#8222;demokratischen Parteien&#8220;?</p><p>Sebastian spricht in dieser Folge mit dem Sozialwissenschaftler und Theologen David Begrich von Miteinander e.V. &#252;ber die Ursachen des AfD-Erfolgs, die Grenzen einer vor allem moralischen Auseinandersetzung mit der extremen Rechten und dar&#252;ber, was das Ergebnis f&#252;r Vereine, Beratungsstellen und andere zivilgesellschaftliche Akteure bedeutet.</p><p>Dies ist eine von zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Eine Folge besch&#228;ftigt sich mit einem aktuellen Thema, in einer weiteren Bonusfolge lesen wir gemeinsam ein Buch und sprechen &#252;ber die Theorien der Rechten. Da wir Podcast und Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Ab 5 Euro im Monat erh&#228;ltst du Zugriff auf alle Folgen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Alle schauen nach Sachsen-Anhalt. Aber was sehen sie eigentlich?]]></title><description><![CDATA[Wenn die AfD die Rache des Ostens ist, dann ist diese Rache nur auf den ersten Blick gelungen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/alle-schauen-nach-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/alle-schauen-nach-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 05 Sep 2026 13:46:25 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/7666e7c4-b378-4258-ba49-c882aefe0af5_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>&#8222;Die AfD ist die Rache des Ostens&#8220;, sagte der Theaterregisseur Frank Castorf in einem </span><a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/frank-castorf-die-afd-ist-die-rache-des-ostens-interview-2243097"><span>Interview mit der </span></a><em><a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/frank-castorf-die-afd-ist-die-rache-des-ostens-interview-2243097"><span>Berliner Zeitung</span></a></em><span>. Gemeint war, dass sich die zunehmende Popularit&#228;t der AfD auch als Reaktion auf Nachwende-Erfahrungen verstehen l&#228;sst, als Ergebnis jahrzehntelanger kultureller Herabsetzung, westdeutscher Bevormundung und &#220;berheblichkeit. Blickt man auf die seit Wochen, teilweise seit Monaten andauernde Debatte &#252;ber Sachsen-Anhalt, k&#246;nnte man den Eindruck bekommen, dass sich Castorfs These gerade best&#228;tigt.</span></p><p><span>Zun&#228;chst einmal l&#228;sst sich konstatieren: Die Umfragen, die die AfD seit Monaten stabil um oder &#252;ber 40 Prozent sehen, zwingen die Republik, nach Sachsen-Anhalt zu schauen. Orte, von denen viele Menschen in Westdeutschland vorher vermutlich noch nie etwas geh&#246;rt haben, tauchen nun in Fernsehbeitr&#228;gen und langen Printreportagen auf: Tangerm&#252;nde, Kl&#246;tze, Haldensleben.</span></p><p><span>Sachsen-Anhalt stand jahrzehntelang eher am Rand der Aufmerksamkeit. Medial sichtbar wurde das Bundesland &#8211; wie der Osten insgesamt &#8211; vor allem dann, wenn es um Probleme ging, wie eine</span><a href="https://dna-des-ostens.de/der-osten-in-den-medien/"><span> Erhebung von Martin Kopplin und Olaf Jacobs zeigt</span></a><span>. Im bundesdeutschen Alltagsbewusstsein tauchte Sachsen-Anhalt ansonsten allenfalls gelegentlich auf, etwa wenn &#252;ber das auf Autobahnschildern propagierte Landesmotto geschmunzelt wurde, Sachsen-Anhalt sei das Land der Fr&#252;haufsteher. Nun steht das Bundesland pl&#246;tzlich im Zentrum.</span></p><h3><strong><span>Sachsen-Anhalt als erster Dominostein</span></strong></h3><p><span>Die St&#228;rke der AfD produziert Aufmerksamkeit, mitunter sogar Stolz, vor allem bei jenen, die sich von Siegmund mitrei&#223;en lassen. Dass Sachsen-Anhalt dieses Mal ganz vorne sei, geh&#246;rt zur Siegeserz&#228;hlung der AfD: als erster Dominostein, der f&#228;llt, damit sich endlich im ganzen Land etwas &#228;ndert. &#8222;Am Sonntag schaut die ganze Welt nach Magdeburg&#8220;, sagte etwa der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian M&#252;nzenmaier bei einer Wahlkampfveranstaltung in Magdeburg.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Ulrich Siegmund, der dauergrinsende </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus"><span>Gute-Laune-Populist</span></a><span>, gibt jenen, die sich lange auf der Verliererstra&#223;e sahen, das Gef&#252;hl, wenigstens dieses eine Mal zu den Gewinnern geh&#246;ren zu k&#246;nnen. Gewinner, weil ihre Partei am Ende auf Platz eins stehen k&#246;nnte und sie damit wohl oder &#252;bel in die Geschichte eingehen w&#252;rden. Neben dem zentralen Wahlslogan &#8222;Alles ist m&#246;glich&#8220; d&#252;rfte es in den vergangenen Wochen kaum eine Rede gegeben haben, in der Siegmund nicht auch davon sprach, dass es um ganz Deutschland gehe und darum, Geschichte zu schreiben.</span></p><p><span>So gesehen kann die Wahl der AfD als Aufstand derjenigen erscheinen, die sich lange vernachl&#228;ssigt sahen. Doch was gewinnen Sachsen-Anhalt und der Osten durch die Aufmerksamkeit, die diese Rache erzeugt? Allgemeiner gefragt: Um welche Form der Aufmerksamkeit handelt es sich eigentlich?</span></p><h3><strong><span>Sachsen-Anhalt als AfD-Land</span></strong></h3><p><span>In den Medienbeitr&#228;gen, die in diesen Tagen aus Sachsen-Anhalt zu lesen sind, gibt es viel Aufschlussreiches. Etwa einen Text von Jakob </span><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>Springfeld im </span></a><em><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>Freitag</span></a></em><span> &#252;ber jene, die der rechten Dominanz vor Ort etwas entgegensetzen. Einen &#228;hnlichen Blick hatte bereits im Juli </span><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>die </span></a><em><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>taz</span></a></em><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span> gew&#228;hlt</span></a><span>, als sie unter der &#220;berschrift &#8222;Die lebendigste Zivilgesellschaft der Republik&#8220; Initiativen und Kulturorte vorstellte. Und bei </span><em><a href="https://jacobin.de/sachsen-anhalt-siegmund-afd-bsw-linke/"><span>Jacobin</span></a></em><a href="https://jacobin.de/sachsen-anhalt-siegmund-afd-bsw-linke/"><span> hat Thomas Zimmermann</span></a><span> mit Blick auf Sachsen-Anhalt j&#252;ngst lesenswert &#252;ber linke Schlussfolgerungen aus der St&#228;rke der AfD geschrieben.</span></p><p><span>Empfehlenswert ist bei der Gelegenheit auch die aktuelle Printausgabe von </span><em><span>Jacobin</span></em><span>, die den Schwerpunkt Antifaschismus hat. Nils und ich haben ebenfalls einen Beitrag beigesteuert.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://jacobin.de/magazin/25-antifaschismus/&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Hier gehts zu Jacobin #25 Antifaschismus&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://jacobin.de/magazin/25-antifaschismus/"><span>Hier gehts zu Jacobin #25 Antifaschismus</span></a></p><p><span>Trotz dieser Gegenbeispiele &#252;berwiegen die Beitr&#228;ge, die sich um die AfD drehen, um ihren charismatischen Spitzenkandidaten, um d&#252;stere Hinterm&#228;nner, rechte Kontinuit&#228;ten, Aggression und Rassismus. Dass solche Beitr&#228;ge &#252;berwiegen, ist nachvollziehbar und auch wir haben uns in den vergangenen Monaten genau mit diesen Themen befasst. Trotzdem zeigt sich in dieser Schwerpunktsetzung: Die gesellschaftlichen Widerspr&#252;che in Sachsen-Anhalt erscheinen nicht aus sich heraus als relevant, sondern vor allem jetzt, da dort rund 40 Prozent die AfD w&#228;hlen wollen.</span></p><p><span>Die von Castorf beschriebene Rache des Ostens erzwingt damit vor allem eine Aufmerksamkeit f&#252;r Sachsen-Anhalt als AfD-Land. Darin wiederholt sich eine Perspektive auf Ostdeutschland, die seit Jahrzehnten dominant ist. Ostdeutschland wird besonders dann sichtbar, wenn es als Problem erscheint: bei Wahlen, wenn sich irgendwo Menschen zusammenrotten, um gegen eine Fl&#252;chtlingsunterkunft zu demonstrieren, oder wenn erkl&#228;rt werden soll, was es mit Menschen macht, in einer schrumpfenden Region zu leben. Die starke mediale Verkn&#252;pfung von Ostdeutschland und AfD passt in dieses Muster.</span></p><h3><strong><span>Die Externalisierung des Problems AfD</span></strong></h3><p><span>Wie der Literaturwissenschaftler Dirk Oschmann in seinem viel beachteten Buch </span><em><span>Der Osten. Eine westdeutsche Erfindung</span></em><span> argumentiert, hat diese Perspektive auch eine entlastende Funktion. Der Osten werde aus westdeutscher Perspektive als Abweichung wahrgenommen, gesamtdeutsche Probleme w&#252;rden regionalisiert. Unter R&#252;ckgriff auf den Soziologen Stephan Lessenich beschreibt Oschmann einen Mechanismus der Externalisierung: Gerade beim Rechtsradikalismus werde ein gesamtgesellschaftliches Problem auf den Osten ausgelagert.</span></p><p><span>Dieser Auslagerungsmechanismus l&#228;sst sich auch in der gegenw&#228;rtigen Aufmerksamkeit f&#252;r Sachsen-Anhalt erkennen. Der Hype um die Landtagswahl tr&#228;gt dazu bei, die AfD vor allem als ostdeutsches Problem erscheinen zu lassen.</span></p><p><span>Ganz falsch ist das nat&#252;rlich nicht. Es gibt ein ostdeutsches Spezifikum bei der AfD. Immerhin ist die Partei in keinem westdeutschen Bundesland auch nur ann&#228;hernd auf dem Weg zu solchen Ergebnissen. Und doch liegt die AfD inzwischen auch im Westen im Schnitt bei rund 20 Prozent. Das &#8222;Problem AfD&#8220; ist also l&#228;ngst kein ostdeutsches Problem mehr.</span></p><h3><strong><span>Was passiert nach Schlie&#223;ung der Wahllokale?</span></strong></h3><p><span>Die Rache des Ostens gelingt damit nur auf den ersten Blick: Der Osten zwingt die politische und mediale &#214;ffentlichkeit hinzuschauen. Die Rache ver&#228;ndert aber nicht die Diskursordnung: Sachsen-Anhalt bekommt nun zwar so viel Aufmerksamkeit wie selten zuvor, erscheint aber weiterhin vor allem als Schauplatz eines rechtsradikalen Durchbruchs. Die St&#228;rke der AfD mag die bundesdeutsche &#214;ffentlichkeit gezwungen haben, auf Sachsen-Anhalt zu schauen. Gleichzeitig besetzt die Partei das Bild, das man sich von diesem Land macht.</span></p><p><span>Wenn die Wahllokale geschlossen sind und eine neue Regierung gebildet ist, d&#252;rfte sich der Scheinwerfer wieder wegbewegen, zumindest legen das die bisherigen Muster der Ost-Berichterstattung nahe. Erst recht, wenn es am Ende keine AfD-Regierung geben sollte. Sachsen-Anhalt w&#252;rde dann schnell wieder von der Mitte an den Rand der Aufmerksamkeit r&#252;cken. Zumindest bis zur n&#228;chsten Wahl.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Heimattreue Deutsche Jugend: Woher die Kader kommen, die heute die AfD Sachsen-Anhalt prägen]]></title><description><![CDATA[Mehrere Mitarbeiter der AfD Sachsen-Anhalt waren fr&#252;her in der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) aktiv. Die Neonazi-Organisation wollte gezielt politische Kader f&#252;r die Zukunft formen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Thu, 03 Sep 2026 10:28:49 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/1404802a-df41-4fcb-85aa-b50532ece89a_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Es ist eine Frage, mit der Ulrich Siegmund gerade immer wieder konfrontiert wird: Was sagt der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt dazu, dass wichtige Mitarbeiter der AfD in Sachsen-Anhalt Teil einer Neonazi-Organisation waren? Es geht um die </span><em><span>Heimattreue Deutsche Jugend</span></em><span>, kurz HDJ. Es ist ein Verband, den das Bundesinnenministerium 2009 wegen der &#8222;ideologischen Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche durch Verbreitung v&#246;lkischer, rassistischer, nationalistischer und nationalsozialistischer Ansichten&#8220; verbot, wie das BMI </span><a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Standardartikel/DE/Themen/Sicherheit/ohneMarginalspalte/verbot_hdj.html"><span>damals begr&#252;ndete</span></a><span>. Zwar ist die HDJ seit nunmehr 17 Jahren verboten, wer sich das Selbstverst&#228;ndnis genauer ansieht, findet jedoch eine Organisation, deren Ziel es von vornherein war, ihre Weltanschauung weit &#252;ber den eigenen Verband hinaus zu verbreiten &#8211; und Kader zu schulen, die dazu in der Lage sind.</span></p><h3><strong><span>HDJ-Kader in der AfD</span></strong></h3><p><span>Immer wieder fallen dieselben Namen. Alle vier arbeiten f&#252;r die AfD in Sachsen-Anhalt: Laurens Nothdurft als Justiziar der Landtagsfraktion, Patrick Harr als Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer und Pressesprecher von Fraktion und Partei, Felix W. und Eric Kaden als Referenten. Alle vier waren Medienberichten zufolge in der HDJ aktiv: Laurens Nothdurft etwa als </span><a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-06/compact-verbot-gerichtsverhandlung-bundesverwaltungsgericht-leipzig-elsaesser-nothdurft-afd/seite-2"><span>zweiter Bundesf&#252;hrer der HDJ</span></a><span>, Harr als Leiter der </span><a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/rechtsextremer-aktivist-job-afd-geschaeftsstelle-siegmund-102,afd-1198.html"><span>Abteilung Beschaffung</span></a><span>.</span></p><p><span>Die mediale Auseinandersetzung kreist bislang vor allem um drei Fragen: Was wusste Ulrich Siegmund? Wie wichtig sind die Personen mit HDJ-Vergangenheit? Und wie verhalten sie sich heute dazu? Diese Fragen sind relevant. Doch ein wesentlicher Aspekt bleibt in der Auseinandersetzung unterbelichtet: Die HDJ war nicht irgendeine Organisation, bei der man eben einmal dabei war. Ein Blick auf ihr Selbstverst&#228;ndnis zeigt, dass sie ausdr&#252;cklich Kader f&#252;r die Zukunft heranbilden wollte. Und die Verbindung, die sie zwischen diesen Kadern schaffen wollte, sollte ausdr&#252;cklich ein Leben lang halten.</span></p><h3><strong><span>Das Vorbild: die Hitlerjugend</span></strong></h3><p><span>Die Geschichte der HDJ reicht bis Anfang der 1990er Jahre zur&#252;ck. Damals ging sie aus einer Spaltung des Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ) hervor, wie Gideon Botsch gegen&#252;ber </span><em><span>&#220;ber Rechts</span></em><span> erkl&#228;rt. Botsch ist au&#223;erplanm&#228;&#223;iger Professor f&#252;r Politikwissenschaft an der Universit&#228;t Potsdam und Leiter der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam. Nach der Spaltung bestand ein im Vergleich gem&#228;&#223;igterer Fl&#252;gel unter dem Namen </span><em><span>Der Freibund</span></em><span> fort. Er orientierte sich st&#228;rker an der klassischen Tradition der B&#252;ndischen Jugend aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus. Der radikalere Teil organisierte sich ab 1990 als </span><em><span>Die Heimattreue Jugend</span></em><span> (DHJ), seit 2001 als </span><em><span>Heimattreue Deutsche Jugend</span></em><span> (HDJ).</span></p><p><span>Die Spaltung zeigte sich sogar in der &#196;sthetik &#8211; etwa an der Farbe der Zelte. Der sp&#228;ter als </span><em><span>Freibund</span></em><span> firmierende Fl&#252;gel kn&#252;pfte mit seinen Schwarzzelten an die Jugendbewegung an; die HDJ verwendete dagegen eher wei&#223;e Zelte &#8211; und damit jene Zeltfarbe, die auch die Hitlerjugend nutzte. &#8222;Die &#228;u&#223;ere Form der Lager wollte bewusst an die HJ erinnern, die wei&#223;en Zeltreihen trugen dazu bei&#8220;, so Botsch.</span></p><p><span>Um die Jahrtausendwende entwickelte sich die HDJ zu einer zentralen Organisation f&#252;r die Kaderbildung des &#228;u&#223;ersten rechten Randes. Sie &#252;bernahm damit eine Funktion, die zuvor die 1994 verbotene Wiking-Jugend erf&#252;llt hatte. &#8222;Als Sozialisationsinstanz f&#252;r den inneren Kern des v&#246;lkisch-antisemitischen, NS-orientierten rechtsextremen Milieus in Deutschland war es ihr zentrales Ziel, Kinder und Jugendliche zum Dienst an Volk und Volksgemeinschaft zu erziehen&#8220;, sagt Botsch.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>In den Jahren 2007 und 2008 r&#252;ckte die HDJ ins Zentrum der &#214;ffentlichkeit. Recherchen der Journalistin Andrea R&#246;pke machten deutlich, worum es sich bei der Organisation handelte: &#8222;Heimliche Treffen mit Hitlergr&#252;&#223;en. 6-10-J&#228;hrige &#252;ben das Strammstehen, werden auf Gehorsam und F&#252;hrerprinzip getrimmt&#8220;, hie&#223; es 2007 in einem </span><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2007/Ferienlager-im-Fuehrerbunker-Nazi-Schulungen-fuer-Kinder,erste4752.html"><span>Panorama-Beitrag</span></a><span>. Gezeigt wurde Manfred B&#246;rm, ein fr&#252;herer Funktion&#228;r der sp&#228;ter verbotenen Wiking-Jugend. Ende der 1970er Jahre beteiligte er sich an einem &#220;berfall auf ein Biwak niederl&#228;ndischer NATO-Soldaten; 1979 wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sp&#228;ter schulte er bei der HDJ den Nachwuchs.</span></p><h3><strong><span>Warum die HDJ 2009 verboten wurde</span></strong></h3><p><span>Im M&#228;rz 2009 verbot dann das Bundesinnenministerium die HDJ. Die Begr&#252;ndung der Verf&#252;gung hat es in sich. Die Journalistin Andrea R&#246;pke, die sich seit vielen Jahren intensiv mit dem neonazistischen Milieu besch&#228;ftigt, </span><a href="https://antifainfoblatt.de/aib83/das-verbot-der-hdj"><span>schrieb damals</span></a><span> auf Grundlage der Verbotsverf&#252;gung:</span></p><blockquote><p><span>&#8222;Ausdr&#252;cklich wird in der Verf&#252;gung auf die Glorifizierung von Adolf Hitler, die W&#252;rdigung der Waffen-SS &#8218;als Verpflichtung&#8216;, auf Tests zur Rassenkunde, sowie die Verwendung von antisemitischen NS-Kinderb&#252;chern [&#8230;] eingegangen. Die HDJ wolle &#8218;nationalpolitische Kadergruppen&#8216; aufbauen, die &#8218;nach dem F&#252;hrerprinzip geleitet werden&#8216;. [&#8230;] Es habe F&#252;hrerhandb&#252;cher und F&#252;hrerbriefe gegeben, Veranstaltungsr&#228;ume seien mit der B&#252;ste von Adolf Hitler und der Hakenkreuzfahne geschm&#252;ckt worden.&#8220;</span></p></blockquote><p><span>Die neonazistische Ideologie sollte dabei mit aller Vehemenz verbreitet werden. Jugendliche seien etwa aufgefordert worden, &#8222;in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf mit Ehrgeiz und Ausdauer entscheidende Positionen zu besetzen&#8220;. Das ist ein wichtiger Aspekt, der heute oft &#252;bersehen wird: Die HDJ war nicht einfach nur eine Neonazi-Organisation unter vielen. Sie wollte keinen Naturschutzpark f&#252;r Neonazis schaffen, sondern Kader heranbilden, die nach ihrer politischen und weltanschaulichen Formung hinaus in die Gesellschaft gehen und dort Wirkung entfalten sollten.</span></p><h3><strong><span>Wie das Bundesverwaltungsgericht das HDJ-Verbot best&#228;tigte</span></strong></h3><p><span>Das Bundesverwaltungsgericht best&#228;tigte sp&#228;ter das Verbot, nachdem die HDJ dagegen geklagt hatte. Das Gericht </span><a href="https://ssl.bverwg.de/010910U6A4.09.0"><span>stellte unmissverst&#228;ndlich fest</span></a><span>, dass es sich bei der HDJ um einen verfassungswidrigen Verein handelt, &#8222;weil er nach seiner Programmatik, seiner Vorstellungswelt und seinem Gesamtstil eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus, insbesondere mit der fr&#252;heren Hitlerjugend als einer Teilorganisation der ehemaligen NSDAP aufweist&#8220;.</span></p><p><span>Nach Auffassung der Richter propagierte die HDJ eine Vorbildfunktion des Nationalsozialismus und offenbarte dabei eine &#8222;der Wiedererrichtung der nationalsozialistischen Herrschaft verhaftete Vorstellungswelt&#8220;. So wurde der 30. Januar 1933 in der Vereinszeitschrift als &#8222;Ausgangspunkt einer der gr&#246;&#223;ten Wendungen, die die Geschichte des deutschen Volkes kennt&#8220; beschrieben.</span></p><h3><strong><span>Kaderbildung statt Freizeitprogramm</span></strong></h3><p><span>Die HDJ war also keine Jugendorganisation mit einem lediglich problematischen extrem rechten Fl&#252;gel. Die nationalsozialistische Orientierung bildete vielmehr ihren Kern. Ihr wichtigstes politisches Instrument war die Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Sie sollten nicht blo&#223; von bestimmten politischen Positionen &#252;berzeugt werden. Ausgestattet mit einem entsprechenden Geschichtsbild, Vorstellungen von Volk und &#8222;Volksgemeinschaft&#8220;, Hierarchie und politischer Pflichterf&#252;llung sollten sie zu Kadern geformt werden.</span></p><p><span>Darauf verweist Andrea R&#246;pke gegen&#252;ber </span><em><span>&#220;ber Rechts</span></em><span>. Die Journalistin beobachtet die extreme Rechte und insbesondere das v&#246;lkische Milieu seit Jahrzehnten. &#8222;Die V&#246;lkischen bilden den elit&#228;ren Kern des Rechtsextremismus in Deutschland. Eine Organisation wie die HDJ war insbesondere f&#252;r den Neonazismus eine entscheidende Kaderschmiede.&#8220; Im Vergleich mit anderen extrem rechten Organisationen, die Kinder und Jugendliche ausbildeten, sei die HDJ aber besonders aggressiv vorgegangen, so R&#246;pke. Die Journalistin hat das mehrfach am eigenen Leib erfahren: Als sie Mitte der 2000er Jahre intensiv zur HDJ recherchierte, geriet sie ins Visier der Organisation. 2006 griff der damalige HDJ-Bundesf&#252;hrer Sebastian R&#228;biger R&#246;pke und ihren Fotokollegen bei einer Recherche an; R&#246;pke wurde ins Gesicht geschlagen, R&#228;biger sp&#228;ter wegen gef&#228;hrlicher K&#246;rperverletzung verurteilt.</span></p><p><span>Die gemeinsamen Lager, Fahrten und Heimabende waren also mehr als blo&#223;es Freizeitprogramm f&#252;r Kinder neonazistisch gesinnter Eltern. Die HDJ war Teil einer umfassenden politischen Sozialisation: Wer dort geschult wurde, sollte gerade nicht dauerhaft in einem abgeschotteten neonazistischen Milieu verbleiben. Die neonazistische Elite sollte &#252;ber die eigene Organisation hinaus in die Gesellschaft hineinwirken.</span></p><h3><strong><span>Kampf f&#252;r einen &#8222;Volksstaat&#8220;</span></strong></h3><p><span>Wer in solchen Strukturen organisiert war, verschrieb sich ihnen zumindest ihrem eigenen Anspruch nach nicht nur f&#252;r die Dauer der eigenen Mitgliedschaft oder der Teilnahme an Lagern. Es ging um einen generations&#252;bergreifenden Kampf f&#252;r einen anderen Staat.</span></p><p><span>In einem </span><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2008/-,panorama13888.html"><span>2008 ausgestrahlten </span></a><em><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2008/-,panorama13888.html"><span>Panorama</span></a></em><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2008/-,panorama13888.html"><span>-Beitrag</span></a><span> sind bemerkenswerte Ausz&#252;ge einer Rede bei einer von der HDJ mitorganisierten Veranstaltung dokumentiert. Unmissverst&#228;ndlich sagt der Redner dem Staat den Kampf an: Es gehe darum, dem Volk zu zeigen, dass dieses System keine Fehler hat, sondern das System selbst der Fehler sei. Und weiter: &#8222;Wir sind angetreten, um dieses System abzuschaffen und durch einen freien deutschen Volksstaat zu ersetzen.&#8220;</span></p><p><span>Diese Rede kam offenbar gut an bei der HDJ: Die Vereinszeitung der HDJ, der </span><em><span>Funkenflug</span></em><span>, berichtete sehr wohlwollend. Dort hei&#223;t es, der Redner habe &#8222;die G&#228;ste mit seinen Worten in den Bann&#8220; gezogen. Am Ende sei niemand im Saal gewesen, &#8222;der nicht eingeschworen war auf die gewaltigen Aufgaben, die vor uns liegen&#8220;.</span></p><p><span>Zur Bew&#228;ltigung dieser gewaltigen Aufgaben braucht es eine Gemeinschaft. Hier kn&#252;pfte die HDJ Botsch zufolge an das Bild an, das Heinrich Himmler von der SS entworfen hatte: &#8222;als ein nationalsozialistischer, soldatischer Orden nordisch bestimmter M&#228;nner und als eine geschworene Gemeinschaft ihrer Sippen&#8220;, wie es Himmler formulierte.</span></p><p><span>Was aus den einstigen HDJ-Mitgliedern nach dem Verbot ihrer Organisation wurde, l&#228;sst sich nicht vollst&#228;ndig erfassen. Botsch h&#228;lt viele Varianten f&#252;r denkbar: von einer radikalen Abkehr &#252;ber den R&#252;ckzug ins Private bis zur Fortsetzung des politischen Engagements in anderen Zusammenh&#228;ngen. Es gebe aber auch Hinweise darauf, dass fr&#252;here HDJ-Aktivisten ihre Arbeit in neu gegr&#252;ndeten Gruppen oder in anderen v&#246;lkischen Strukturen fortsetzten, darunter auch in der inzwischen ebenfalls verbotenen Artgemeinschaft.</span></p><h3><strong><span>Fr&#252;hes Interesse an der AfD</span></strong></h3><p><span>Aber auch die AfD scheint fr&#252;h das Interesse ehemaliger HDJ-Kader geweckt zu haben. Dass die HDJ seit Einf&#252;hrung der Unvereinbarkeitsliste im Jahr 2015 darauf gef&#252;hrt wird, hinderte mehrere einstige Kader nicht daran, f&#252;r die Partei zu arbeiten oder AfD-Mitglied zu werden: Felix W. arbeitete ab 2015 zun&#228;chst f&#252;r die AfD-Landtagsfraktion Brandenburg und wechselte sp&#228;ter nach Sachsen-Anhalt. Patrick Harr kam 2017 zur AfD in Sachsen-Anhalt. Im selben Jahr begann Nothdurft seine T&#228;tigkeit f&#252;r die AfD-Fraktion in Baden-W&#252;rttemberg, bevor er nach Magdeburg wechselte. Eric Kaden kam 2022 als Mitarbeiter zur Fraktion in Sachsen-Anhalt. Heute arbeiten alle vier f&#252;r die AfD in Sachsen-Anhalt. Die Liste betrifft allerdings in erster Linie die Parteimitgliedschaft und nicht unmittelbar Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse bei Partei und Fraktion.</span></p><p><span>Botsch geht davon aus, dass ehemalige HDJ-Aktivisten die AfD gezielt als politisches Projekt w&#228;hlten, um neue M&#246;glichkeiten der Einflussnahme auszuloten und zu entwickeln. &#8222;Dieses Personenpotenzial ist erfahren, ideologisch gefestigt, gut vernetzt und war so in der Lage, zu einem wichtigen Faktor der Radikalisierung der AfD zu werden.&#8220;</span></p><p><span>Das bedeutet selbstverst&#228;ndlich nicht, dass bei jedem fr&#252;heren HDJ-Mitglied eine bruchlose Linie von der Jugendorganisation bis zur heutigen AfD unterstellt werden kann. Menschen ver&#228;ndern sich, mit dem Alter verschieben sich lebensweltliche Priorit&#228;ten, politische &#220;berzeugungen k&#246;nnen sich abschw&#228;chen oder grunds&#228;tzlich wandeln. &#8222;Aber&#8220;, so Botsch, &#8222;wir m&#252;ssen davon ausgehen, dass die fr&#252;he nationalsozialistische und v&#246;lkische Pr&#228;gung in diesem Verband weiterwirkt&#8220;.</span></p><p><span>Was die Akteure selbst dazu sagen, ist nicht leicht herauszubekommen. Laurens Nothdurft lie&#223; bereits </span><a href="https://taz.de/Voelkische-Gruppe-indoktriniert-Kinder/%216186647/"><span>im Juni gegen&#252;ber der taz</span></a><span> &#252;ber seinen Anwalt mitteilen, dass er sich von nationalsozialistischem Gedankengut distanziere. Auf die Frage, ob sich seine Einstellung seit seiner Zeit in der HDJ ver&#228;ndert habe, habe Nothdurft </span><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a8c16d06d71b45dbda0f64f/afd-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-und-seine-hintermaenner.html"><span>laut Medienberichten geantwortet</span></a><span>, er habe sich nichts vorzuwerfen. Auch AfD-Pressesprecher Patrick Harr sagte </span><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a8c16d06d71b45dbda0f64f/afd-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-und-seine-hintermaenner.html"><span>gegen&#252;ber WELT</span></a><span>, er sei mit Blick auf seine Vergangenheit bei der HDJ mit sich im Reinen. Eine Anfrage von </span><em><span>&#220;ber Rechts</span></em><span> lie&#223; die AfD Sachsen-Anhalt unbeantwortet.</span></p><p><span>Die HDJ bereitete Jugendliche darauf vor, als k&#252;nftige Elite f&#252;r den Erhalt der &#8222;Volksgemeinschaft&#8220; zu k&#228;mpfen und gesellschaftlich wirksam zu werden. In Sachsen-Anhalt sind die personellen Kontinuit&#228;ten heute besonders auff&#228;llig: Vier ehemalige HDJ-Funktion&#228;re arbeiten in wichtigen Positionen f&#252;r die AfD. Das beweist keine bruchlose ideologische Kontinuit&#228;t. Diese personelle Kontinuit&#228;t entspricht jedoch auff&#228;llig dem damaligen Kaderanspruch der verbotenen Neonazi-Organisation. Ausgerechnet in diesem Umfeld inszeniert sich Ulrich Siegmund als moderner und bis in die gesellschaftliche Mitte anschlussf&#228;higer Kandidat.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der radikale Denker hinter Ulrich Siegmund | Hans-Thomas Tillschneider: Kulturpolitik (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[Hans-Thomas Tillschneider liefert die philosophische Begr&#252;ndung f&#252;r die Kulturpolitik der AfD. Wie radikal ist sein Kulturbegriff? Was w&#252;rde Sachsen-Anhalt bl&#252;hen, sollte die AfD an die Macht kommen?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 29 Aug 2026 15:47:35 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/213241737/5119727157ffcb12384f04c5ec2110b2.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r die meisten Parteien ist Kulturpolitik ein Nebenschauplatz. Nicht so f&#252;r Hans-Thomas Tillschneider. Der kulturpolitischer Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt und einer der ma&#223;geblichen Autoren des AfD-Wahlprogramms erkl&#228;rt in seinem kurz vor der Landtagswahl ver&#246;ffentlichten Buch, warum das so ist. Es geht ihm um weit mehr als Theaterf&#246;rderung, Museen oder Denkmalschutz. </p><p>Tillschneider entwirft einen allumfassenden-allunterscheidenden Kulturbegriff, nach dem nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens Kultur sind. Im Zentrum steht dabei die Nationalkultur: Sie sei die Grundlage daf&#252;r, &#252;berhaupt zu sich selbst zu finden. Mit Arnold Gehlen, Ferdinand de Saussure und vor allem Martin Heidegger versucht Tillschneider, diesem Nationalismus eine philosophische Letztbegr&#252;ndung zu geben.</p><p>Wir diskutieren, was hinter diesem Kulturbegriff steckt und warum Tillschneiders Vorstellungen teilweise noch radikaler ausfallen als vieles, was wir bislang aus der Neuen Rechten gelesen haben. Kultu&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rechte Streamer: Die riskanten Helfer der AfD]]></title><description><![CDATA[Um die AfD ist ein ganzes Netzwerk rechter Streamer entstanden, die die Botschaft der Partei multiplizieren. Das ist kein Zufall.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/rechte-streamer-die-riskanten-helfer</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/rechte-streamer-die-riskanten-helfer</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 26 Aug 2026 05:06:31 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/d11037ca-8e68-425a-97cf-c973d2e508ec_3600x1890.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>&#220;berraschend ist eigentlich nur, dass es so lange gut gegangen ist. Seit der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt in seine hei&#223;e Phase getreten ist, absolviert der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund fast jeden Tag mehrere Wahlkampftermine. Verfolgen kann man das, vom Familienfest &#252;ber die Simsonausfahrt bis zur Signierstunde am Marktplatzstand, nicht nur in Sachsen-Anhalt. Man kann es auch fast l&#252;ckenlos online live mitverfolgen.</span></p><p><span>Verschiedene Aktivisten streamen n&#228;mlich fast jede Veranstaltung auf ihren Kan&#228;len. Sie hei&#223;en </span><em><span>Utopia TV</span></em><span>, </span><em><span>Weichreite TV</span></em><span> oder </span><em><span>Aktivist Mann</span></em><span>. Mit Ausschnitten aus ihren Videos erreichen sie teilweise hunderttausende Klicks. Die einzelnen Streams erreichen mehrere zehntausend Zuschauer. Mit ihnen hat sich die AfD eine Form der Medienarbeit aufgebaut, die umso besser funktioniert, je weniger sie offiziell mit ihr zu tun hat. Und trotzdem ger&#228;t das Modell gerade ins Wanken.</span></p><p><span>Unangenehme Aufmerksamkeit erh&#228;lt vor allem Matth&#228;us Westfal, der seit mehreren Jahren den Kanal </span><em><span>Aktivist Mann</span></em><span> betreibt. In der Vergangenheit fiel er vor allem auf, als er sich 2020 auf den Stufen des Reichstags als &#8222;Journalist&#8220; ausgab und wenig sp&#228;ter den wegen Holocaustleugnung verurteilten Nikolai Nerling begr&#252;&#223;te. Rechtskr&#228;ftig verurteilt wurde er sp&#228;ter wegen Volksverhetzung, weil er einen Link zu einem antisemitischen NS-Propagandafilm verbreitet hatte.</span></p><p><span>In diesem Wahlkampf begleitet er Ulrich Siegmund, der ihn </span><a href="https://x.com/ben_brechtken/status/2091817532206256392?s=20"><span>daf&#252;r auch &#246;ffentlich immer wieder lobt</span></a><span>, bei fast jedem Termin. Besonderen Gefallen findet er offenbar daran, Journalisten und Medienvertreter bei ihrer Arbeit zu behindern. Meist geschieht das durch andauerndes und lautstarkes Beschimpfen, gelegentlich aber auch durch K&#246;rpereinsatz. Ein Video, in dem er einem Reporter von </span><em><span>Spiegel TV </span></em><span>einen Schultersto&#223; gibt, ging viral.</span></p><div class="twitter-embed" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://x.com/HasnainKazim/status/2091201667442045247&quot;,&quot;full_text&quot;:&quot;Man kann, darf, soll Journalisten und Medien kritisieren. Aber wenn man das so tut und wenn solche Typen glauben, sie seien &#8222;das deutsche Volk&#8220;, ist dieses Land im Eimer. Wir brauchen sicherlich Ver&#228;nderung und Kurskorrekturen. Was wir nicht brauchen, sind solche Hohlbratzen. &quot;,&quot;username&quot;:&quot;HasnainKazim&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Hasnain Kazim&quot;,&quot;profile_image_url&quot;:&quot;https://pbs.substack.com/profile_images/2085379409444282368/qOsNZQcE_normal.jpg&quot;,&quot;date&quot;:&quot;2026-08-22T16:31:44.000Z&quot;,&quot;photos&quot;:[{&quot;img_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!grlh!,w_1028,c_limit,f_auto,q_auto:best,fl_progressive:steep/l_play_button_usfui2,w_88,e_colorize:0/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F__ss-rehost__tw-video-preview-13_2091201613348110337.jpg&quot;,&quot;link_url&quot;:&quot;https://t.co/IiE2gydG3d&quot;}],&quot;quoted_tweet&quot;:{},&quot;reply_count&quot;:834,&quot;retweet_count&quot;:839,&quot;like_count&quot;:4966,&quot;impression_count&quot;:1173646,&quot;expanded_url&quot;:null,&quot;video_url&quot;:&quot;https://video.twimg.com/amplify_video/2091201613348110337/vid/avc1/1280x720/3MekX97sTDxH1Jvp.mp4&quot;,&quot;video_preview_media_key&quot;:&quot;13_2091201613348110337&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false}" data-component-name="Twitter2ToDOM"></div><h3><strong><span>Kritik an den Streamern kommt auch von rechts</span></strong></h3><p><span>Sein Auftreten betrachten selbst einige in der rechten Bewegung kritisch &#8211; zu r&#252;pelhaft, zu wenig anschlussf&#228;hig wirkt er in einem Wahlkampf, in dem man mit Ulrich Siegmund eigentlich schon einen charismatischen Dauerstrahler gefunden hat. W&#228;hrend sich die Partei zunehmend staatstragend geben will, geht Westfal nicht nur mit seinem K&#246;rpereinsatz gegen Journalisten viral, sondern auch mit seiner R&#252;ckfrage, als ein linker Streamer fragt, ob es den Holocaust gab: &#8222;Bist Du Jude?&#8220;</span></p><p><span>Die Frage nach Westfals Verh&#228;ltnis zum Holocaust ist nicht unberechtigt: In der Vergangenheit solidarisierte sich Westfal mit der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Ein wenig hat er aber dazugelernt: In mehreren Vorf&#228;llen, in denen sich AfD-Anh&#228;nger als Fans von Hitler zeigten, reagierte er demonstrativ emp&#246;rt und stufte die Aussagen seiner Gespr&#228;chspartner f&#252;r seine Zuschauer (und die Justiz) als blo&#223;e Satire ein. Wenn solche Videos aber die eigene Bubble verlassen, ist man mit dem Eindruck, den sie hinterlassen, nicht zufrieden. Hans-Thomas Tillschneider, der als Kopf hinter Siegmund gilt, schrieb etwa auf X in Bezug auf Westfal, er &#8222;finde den auch unm&#246;glich&#8220;. Den Post l&#246;schte er sp&#228;ter.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Jetzt <em>&#220;ber Rechts </em>abonnieren, um in Zukunft keinen Beitrag zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Partei und Influencer-Aktivisten profitieren stark voneinander. Die Partei profitiert von der Reichweite, die ihr Influencer und Streamer verschaffen. Ein Tag am Wahlkampfstand in einer ostdeutschen Kleinstadt erreicht pl&#246;tzlich nicht nur einige hundert, sondern zehntausende Menschen. Andererseits k&#246;nnten die Influencer kaum ohne die starke Partei funktionieren. Sie profitieren von der N&#228;he zu Spitzenpolitikern, von exklusiven Interviews und endlosen Inhalten.</span></p><h3><strong><span>Rechte Medien gab es schon immer</span></strong></h3><p><span>Wer fr&#252;her eine rechte Gegen&#246;ffentlichkeit mit einigerma&#223;en gro&#223;er Reichweite aufbauen wollte, brauchte daf&#252;r meist viel Kapital und eine entsprechende redaktionelle Infrastruktur. Die </span><em><span>National-Zeitung</span></em><span> des Multimillion&#228;rs Gerhard Frey ist daf&#252;r ein klassisches Beispiel. Es gibt auch heute noch den Versuch, auf diese Weise Einfluss zu nehmen, etwa mit dem Medium </span><em><span>NIUS</span></em><span>. Finanzier Frank Gotthardt hat, wie er k&#252;rzlich best&#228;tigte, rund 40 Millionen Euro in das Portal gesteckt und allein 2024 einen Verlust von 16 Millionen Euro eingefahren. Er l&#228;sst sich sein Engagement also derzeit mehr als eine Million Euro im Monat kosten. Der Zugang, den solches Kapital kauft, bleibt eher im Hintergrund, aber es gibt ihn. Gegen&#252;ber der </span><em><span>Zeit </span></em><a href="https://www.zeit.de/2026/36/frank-gotthardt-nius-julian-reichelt-compugroup-medical/komplettansicht"><span>berichtete Gotthardt etwa k&#252;rzlich</span></a><span>, dass Friedrich Merz vor seiner Kanzlerschaft mit einem kleinen &#8222;Sportreiseflugzeug&#8220; zu ihm geflogen sei, um ein vertrauliches Gespr&#228;ch zu f&#252;hren.</span></p><p><span>Solche zentral finanzierten Medienprojekte haben allerdings klare Eigentums- und Entscheidungsstrukturen. Bei NIUS etwa l&#228;sst sich sehen, dass einige Themen (insbesondere Kritik an der transatlantischen Rechten)</span><strong><span> </span></strong><span>trotz der behaupteten Meinungspluralit&#228;t kaum abgebildet werden. Genau das wird </span><a href="https://www.freilich-magazin.com/politik/shlomo-gegen-reichelt-warum-der-nius-kurs-der-rechten-schade"><span>auch innerhalb der Rechten immer wieder kritisiert</span></a><span>. Gotthardt selbst </span><a href="https://www.zeit.de/2026/36/frank-gotthardt-nius-julian-reichelt-compugroup-medical/komplettansicht"><span>gibt zu</span></a><span>, dass er Chefredakteur Julian Reichelt gelegentlich wissen lasse, wenn ihm etwas an der Berichterstattung nicht passt. Es gibt ihn also noch, den Versuch, &#252;ber gro&#223;e, von Unternehmern subventionierte Medienprojekte politischen Einfluss zu nehmen.</span></p><p><span>Doch die AfD hat, anders als der etablierte Konservatismus, fr&#252;h (und verst&#228;rkt seit den Corona-Protesten) vor allem auf Einzelfiguren gesetzt, die nah an der Partei, ihr aber nicht unterstellt sind. Auch Matth&#228;us Westfal alias &#8222;Aktivist Mann&#8220; steht nach Siegmunds eigener Aussage auf keiner Gehaltsliste der Partei, ebenso wenig wie der zweite Dauerbegleiter seines Wahlkampfs, der Kanal &#8222;Utopia TV&#8220;. Parallel dazu versucht die AfD, ihre Beziehungen zu Influencern st&#228;rker zu professionalisieren.</span></p><p><span>Wie professionell der Umgang mit ihnen abl&#228;uft, l&#228;sst zum Beispiel </span><a href="https://archive.is/Umwlr"><span>eine Stellenausschreibung der AfD-Fraktion im Bundestag</span></a><span> aus dem Fr&#252;hjahr erahnen: Die Fraktion sucht aktuell einen Influencer-Manager. Zu dessen Aufgaben z&#228;hlen unter anderem der Aufbau und die Pflege der Influencer-Datenbank der Fraktion sowie die &#8222;Kontaktaufnahme und Korrespondenz mit relevanten Influencern&#8220;, aufbereitet in Briefings und Content-Ideen, aber auch die Erstellung und Verwaltung von Mustervertr&#228;gen f&#252;r die Zusammenarbeit mit Influencern sowie das Budgetmanagement f&#252;r Influencer-Marketing-Kampagnen. Die Ausschreibung zeigt, dass die AfD offenbar stark darum bem&#252;ht ist, die Beziehungen zu Influencern zu professionalisieren, sie gegebenenfalls auch vertraglich zu binden.</span></p><h3><strong><span>N&#228;he ohne volle Kontrolle</span></strong></h3><p><span>Genau so versucht man, das Beste aus einer grunds&#228;tzlich widerspr&#252;chlichen Funktion zu machen. Denn einerseits sind die Influencer-Aktivisten f&#252;r die Partei Gold wert. Man muss sie kaum bis gar nicht bezahlen, trotzdem sichern sie enorme Aufmerksamkeit und liefern Content am laufenden Band. Ein &#8222;Gonzo-Journalist&#8220; ohne Vertrag bleibt dagegen offiziell nur ein B&#252;rger mit eigener Meinung: F&#252;r seine Videos muss niemand geradestehen, seine Reichweite zahlt trotzdem in Siegmunds Kampagne ein. Die AfD bekommt so einen Kombattanten, der aggressiver auftreten darf als jeder eigene Funktion&#228;r.</span></p><p><span>Wie der Fall Westfal zeigt, ist aber gerade die Unabh&#228;ngigkeit, die einen Streamer wie &#8222;Aktivist Mann&#8220; f&#252;r die Partei so billig macht, gleichzeitig der Grund, warum sie ihn im Ernstfall nicht belangen kann. Sie muss es aber auch nicht. Diese Form gesteuerter Unabh&#228;ngigkeit funktioniert eben in beide Richtungen: Sie verschafft der Partei die Kontrolle &#252;ber die Botschaft und gleichzeitig die Freiheit, f&#252;r ihre Boten nicht verantwortlich sein zu m&#252;ssen.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Siegmund-Faktor: Wie wichtig ist der Spitzenkandidat?]]></title><description><![CDATA[F&#252;r die einen ist er der &#8222;gef&#228;hrlichste Mann Deutschlands&#8220;, f&#252;r die anderen ein Hoffnungstr&#228;ger: Ulrich Siegmund steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie wichtig ist er wirklich f&#252;r den AfD-Erfolg?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/der-siegmund-faktor-wie-wichtig-ist-der-spitzenkandidat</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/der-siegmund-faktor-wie-wichtig-ist-der-spitzenkandidat</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Fri, 21 Aug 2026 16:45:00 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/212152741/37bae4ceefc567fab283da08b9c4e4f7.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die AfD erreicht kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aktuell Rekordwerte in den Umfragen. Entsprechend gro&#223; ist die mediale Aufmerksamkeit: Die einen widmen ihm Cover, die zwar die Verkaufszahlen anregen, aber dem Kampf gegen die AfD eher schaden d&#252;rften. Die anderen erreichen mit stundenlangen Interviews Millionen von Aufrufen. Und daneben begleiten rechte Streamer fast jeden Auftritt und sorgen daf&#252;r, dass sein Wahlkampf nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern bundesweit wirkt.</p><p>Auch wir haben bei &#220;ber Rechts in unterschiedlicher Weise berichtet: <a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus">Nils hat in einem Text anhand von Ulrich Siegmund beschrieben</a>, warum ein neuer Politiker-Typ gerade aufzutauchen scheint. Sebastian hat <a href="https://www.ueberrechts.de/p/siegmund-afd-spiegel-sachsen-anhalt">in einem Text einen kritischeren Blick auf den Spitzenkandidaten-Fokus vieler Medien geworfen</a> und bezweifelt, dass dieser ein relevanter Faktor f&#252;r den AfD-Erfolg ist.</p><p>In dieser Folge diskutieren wir eine Stunde lang, welche Rolle der Spitzenkandidat aktuell f&#252;r den Erfolg der AfD spielt und versuchen, die Differenz zwischen unseren beiden Perspektiven herauszuarbeiten. W&#228;hrend Nils ihn weiterhin als Symptom einer grunds&#228;tzlichen Verschiebung der Politik betrachtet, verteidigt Sebastian seine Kritik an der Personalisierung von Politik und pl&#228;diert daf&#252;r, den Erfolg etwas differenzierter zu betrachten.</p><p>Dies ist eine von zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. 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Gegner wie Fans &#252;bersch&#228;tzen seine Bedeutung.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/siegmund-afd-spiegel-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/siegmund-afd-spiegel-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 16 Aug 2026 10:19:30 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/99b572a0-7c5e-493a-ba9d-c353ecaba9e7_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die Titelseite des SPIEGEL macht das, wof&#252;r sie da ist: Sie regt auf. Zu sehen ist der AfD-Spitzenkandidat f&#252;r Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Darunter ist zu lesen: &#8222;Der gef&#228;hrlichste Mann Deutschlands&#8220;. Extremer geht es kaum: bestimmter Artikel, Superlativ, herausgel&#246;st aus der politischen Funktion, dazu eine &#196;sthetik, die an einen Fahndungsaufruf erinnert.</span></p><p><span>V&#246;llig aus der Luft gegriffen ist die Warnung nicht. Denn der SPIEGEL blickt in seinem durchaus informativen Text zur Titelseite hinter die Fassade des </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus"><span>Gute-Laune-Populisten</span></a><span> und st&#246;&#223;t in Siegmunds direktem Umfeld auf Menschen mit langer Karriere tief in der v&#246;lkischen und neonazistischen Szene. Hinzu kommt ein m&#246;gliches Novum in der Geschichte der Bundesrepublik: Siegmund k&#246;nnte in Sachsen-Anhalt tats&#228;chlich Ministerpr&#228;sident werden, sofern mehrere kleinere Parteien den Einzug in den Landtag verpassen. Er w&#228;re der j&#252;ngste Ministerpr&#228;sident aller Zeiten, vor allem aber der erste einer offen rechtsradikalen Partei.</span></p><h3><span>Die AfD bedankt sich f&#252;r die &#8222;tolle Werbeaktion&#8220;</span></h3><p><span>Man kann diesen Titel also als Warnung lesen, als Versuch, noch einmal kr&#228;ftig aufzur&#252;tteln. Doch gerade von jenen, die selbst seit Jahren vor einer AfD an der Macht warnen, kommt Kritik. Linken-Politiker Dietmar Bartsch findet das Cover skandal&#246;s. Es sei &#8222;Wahlkampfhilfe f&#252;r die AfD&#8220;, </span><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7f0a47f14aa44f2fd5dffe/ulrich-siegmund-auf-spiegel-cover-linken-politiker-bartsch-kritisiert-nachrichtenmagazin-scharf.html"><span>sagte er gegen&#252;ber WELT</span></a><span>. Die AfD nimmt diese Lesart dankbar auf und </span><a href="https://x.com/AfD/status/2088187390598734193?s=20"><span>bedankt sich</span></a><span> &#8222;f&#252;r diese tolle Werbeaktion&#8220; und zeigt ein Foto von Siegmund, wie er Exemplare des Spiegel-Covers signiert. Siegmund </span><a href="https://x.com/UlrichSiegmund/status/2088358593976250648"><span>witzelt auf X</span></a><span>: &#8222;Wenn wir am 06.09.26 46% holen, verrate ich euch, was wir f&#252;r die Nummer im SPIEGEL bezahlt haben.&#8221;</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><span>Drei Wochen vor der Wahl zeigt die Debatte um das SPIEGEL-Cover, wie angespannt die politische Lage ist. Die einen haben Angst vor Siegmund, die anderen sehen in ihm einen Heilsbringer. So gegens&#228;tzlich diese Reaktionen sind, teilen sie doch eine Grundannahme: Ulrich Siegmund ist eine au&#223;ergew&#246;hnliche politische Figur, die ma&#223;geblich f&#252;r die aktuelle St&#228;rke der AfD ist.</span></p><p><span>Dabei ist unbestritten, dass Siegmund einen Stil verk&#246;rpert, den man bei der AfD bislang eher selten gesehen hat: ein dauergrinsender Macher, einer, der Menschen begeistern kann, der sich ihre Namen merkt und, wie es im SPIEGEL-Text treffend beschrieben wird, einem jedes Auto andrehen k&#246;nnte. Wer ihn live erlebt, sieht nicht nur Selfie-Warteschlangen, wie es sie derzeit bei kaum einem anderen Politiker in Deutschland gibt. Man merkt auch sofort, dass hier jemand einen anderen, auf den ersten Blick massenkompatibleren Sound anschl&#228;gt als viele seiner Parteifreunde.</span></p><p><span>Und es ist wohl auch auf Siegmunds Beliebtheit zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass seine Partei und er selbst die Verwandtenaff&#228;re, die in seinem eigenen Landesverband ihren Anfang nahm, zu Beginn des Jahres spurlos &#252;berstanden haben. Ein weniger charismatischer Politiker mit geringerer Reichweite in den sozialen Medien und einem geringeren R&#252;ckhalt im Landesverband h&#228;tte das vielleicht nicht so spurlos &#252;berstanden.</span></p><h3><span>Keine Belege f&#252;r einen &#252;berragenden Siegmund-Faktor</span></h3><p><span>Siegmund ist ein politisches Talent, aber kein &#252;berm&#228;chtiges. Viele Fans wie Gegner &#252;bersch&#228;tzen in diesen Tagen den Anteil Siegmunds an der aktuellen St&#228;rke der AfD in Sachsen-Anhalt. Die AfD steht in den Sonntagsfragen zur Landtagswahl derzeit je nach Umfrageinstitut bei 41 bis 43 Prozent. Das ist selbstredend viel. Aber wie viel davon l&#228;sst sich tats&#228;chlich Ulrich Siegmund zuschreiben?</span></p><p><span>Ein Vergleich mit der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt l&#228;sst zumindest Zweifel am Siegmund-Faktor aufkommen. Bei der Bundestagswahl Anfang 2025 holte die AfD im Land bereits 37,1 Prozent. Sollte sie bei der Landtagswahl tats&#228;chlich auf dem Niveau der aktuellen Umfragen landen, w&#252;rde sie gegen&#252;ber der Bundestagswahl also ungef&#228;hr f&#252;nf Prozentpunkte zulegen. Das klingt zun&#228;chst nach viel, relativiert sich aber, wenn man den allgemeinen Aufw&#228;rtstrend der Partei ber&#252;cksichtigt. </span></p><p><span>Bundestagswahlergebnisse und Landtagswahlumfragen sind nicht deckungsgleich, einen Hinweis liefern die Vergleiche dennoch: Bundesweit kommt die AfD in Umfragen aktuell auf etwa 28 Prozent und damit deutlich mehr als die 20,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2025. Anders gesagt: F&#252;r die Bundes-AfD geht es seit der Bundestagswahl sogar noch steiler nach oben als f&#252;r AfD Sachsen-Anhalt mit ihrem Spitzenkandidaten Siegmund. </span>Die verf&#252;gbaren Zahlen liefern also keine Belege daf&#252;r, dass Siegmund den entscheidenden Unterschied macht.</p><h3><span>Die St&#228;rke der AfD in Sachsen-Anhalt ist kein Sonderfall</span></h3><p><span>Neben dem Vergleich zum Bundestrend gibt es noch ein weiteres Indiz, das gegen einen herausragenden Siegmund-Faktor spricht. Die AfD Sachsen-Anhalt ist auch im Vergleich mit anderen ostdeutschen Landesverb&#228;nden kein Sonderfall. In Th&#252;ringen liegt die AfD aktuell bei 40 Prozent. In Sachsen landete die AfD bei der letzten Umfrage bei jenen 42 Prozent, bei denen die AfD auch gerade in Sachsen-Anhalt steht. Die AfD schafft es auch ohne einen supercharismatischen Gute-Laune-Populisten, in Umfragen &#252;ber die 40-Prozent-Marke zu kommen. Daf&#252;r braucht es also keinen Siegmund.</span></p><p><span>Auch bei seinen Pers&#246;nlichkeitswerten ist Siegmund zwar stark, aber keineswegs &#252;berragend. Bei einer Direktwahl des Ministerpr&#228;sidenten l&#228;ge er laut INSA nur knapp vor CDU-Kandidat und Ministerpr&#228;sident Sven Schulze. Im </span><a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/news-ergebnisse-landtagswahl-afd-cdu-wahlumfrage-schulze-siegmund-,wahl-umfrage-100.html"><span>Sachsen-AnhaltTREND von Ende Juli</span></a><span> zeigten sich 35 Prozent der Befragten mit Siegmunds Arbeit zufrieden, Schulze kam auf 29 Prozent.</span></p><p><span>Auch diese Zahlen lassen sich anders lesen als in der Erz&#228;hlung vom unschlagbaren AfD-Posterboy: Siegmunds pers&#246;nliche Zustimmung liegt deutlich unter den Umfragewerten seiner Partei. Bei Schulze ist es umgekehrt. Seine pers&#246;nlichen Werte liegen &#252;ber denen der CDU.</span></p><p><span>Zusammengenommen sprechen diese Zahlen gegen die Vorstellung, Siegmund sei der entscheidende Grund f&#252;r die St&#228;rke der AfD in Sachsen-Anhalt. Es ist eher umgekehrt: Siegmunds St&#228;rke speist sich zu einem erheblichen Teil aus der allgemeinen St&#228;rke seiner Partei &#8211; und besonders ihrer St&#228;rke in Ostdeutschland.</span></p><p><span>Ein geringerer Zuwachs als im Bund, Umfragewerte auf einem &#228;hnlichen Niveau wie in Th&#252;ringen und Sachsen, bei den Pers&#246;nlichkeitswerten zwar vorne, aber mit deutlich geringerem Abstand zum Konkurrenzkandidaten als zwischen AfD und CDU: Warum funktioniert die Erz&#228;hlung vom gef&#228;hrlichen, beinahe &#252;berm&#228;chtigen B&#246;sewicht Siegmund dennoch so gut?</span></p><h3><span>Personalisierung im liberalen Journalismus</span></h3><p><span>Ein Grund liegt in einer alten Logik des politischen Journalismus. Journalistinnen und Journalisten erkl&#228;ren grundlegende politische und gesellschaftliche Entwicklungen gerne &#252;ber Personen. Personalisierung geh&#246;rt zu den verbreiteten Mustern des politischen Journalismus in der b&#252;rgerlichen &#214;ffentlichkeit. F&#252;r den SPIEGEL gilt das in besonderer Weise. Gerade deshalb wirkt die aktuelle Aufregung &#252;ber das Cover ein wenig merkw&#252;rdig.</span></p><p><span>Seit seiner Gr&#252;ndung orientiert sich der SPIEGEL am US-amerikanischen </span><em><span>TIME Magazine</span></em><span>. Die von diesem etablierte typische Magazinlogik lautet: Politik muss in eine Story verpackt werden und eine gute Story braucht einen guten Protagonisten, einen Helden oder einen B&#246;sewicht. Dass der SPIEGEL genau das macht, kann man kritisieren, nur sollte es nicht &#252;berraschen.</span></p><p><span>Schon 1957</span> kritisierte etwa Hans Magnus Enzensberger diese Logik <span>in seinem ber&#252;hmten Radio-Essay </span><em><a href="https://www.spiegel.de/kultur/die-sprache-des-spiegel-a-2013630a-0002-0001-0000-000032092775"><span>Die Sprache des Spiegel</span></a></em><span>: &#8222;Das Gesetz der Story verlangt, da&#223; Geschichte zum biografischen Detail werde&#8220;, schreibt er darin. Beim SPIEGEL gebe es, &#228;hnlich wie beim TIME Magazine, die Vorstellung, Nachrichten entst&#252;nden vor allem durch Individuen und gerade nicht aus gesellschaftlichen Entwicklungen, Klassenauseinandersetzungen oder Interessengegens&#228;tzen. &#8222;Damit ist der Held gerechtfertigt; die Geschichte besteht aus Geschichtchen&#8220;, so Enzensberger.</span></p><p><span>Personalisierung und Dramatisierung, die Verdichtung vielschichtiger Entwicklungen auf eine These und, im Idealfall, auf ein einziges Bild auf dem Cover. &#8222;Der gef&#228;hrlichste Mann Deutschlands&#8220; ist nach diesen Kriterien das perfekte Cover.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Regierungsangst der AfD]]></title><description><![CDATA[In den eigenen Reihen wachsen Zweifel, ob die AfD bereit f&#252;r die Regierungsverantwortung ist. Die St&#228;rke der AfD legt ein Problem frei, das in der Opposition lange verborgen blieb.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/regierungsangst-afd-sachsen-anhalt-torben-braga</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/regierungsangst-afd-sachsen-anhalt-torben-braga</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Mon, 10 Aug 2026 13:17:37 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/c9cc934c-f556-45e9-ab70-b2c751b3eb58_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Je n&#228;her die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt r&#252;ckt, desto m&#246;glicher erscheint das lange f&#252;r unm&#246;glich Gehaltene. Die AfD steht stabil bei etwas &#252;ber 40 Prozent. Normalerweise w&#252;rde das nicht f&#252;r eine eigene Mehrheit reichen. Doch mit SPD, Gr&#252;nen, BSW und FDP bewegen sich gleich vier Parteien in der N&#228;he der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde. Sollte keine von ihnen den Einzug in den Landtag schaffen, d&#252;rfte die AfD am Ende mehr Sitze erringen als die beiden &#252;brigen Fraktionen von CDU und Linke zusammen. Damit h&#228;tte sie eine absolute Mehrheit. Und </span><a href="https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/sachsen-anhalt.htm"><span>laut der aktuellen Umfrage von INSA</span></a><span> k&#246;nnte es sogar f&#252;r eine knappe Mehrheit der Sitze reichen, selbst wenn die SPD in den Landtag einzieht, </span>das BSW aber knapp nicht reinkommt<span>.</span></p><p><span>Eigentlich ist das eine blendende Perspektive f&#252;r die AfD, die 13 Jahre nach ihrer Gr&#252;ndung erstmals in einem Bundesland tats&#228;chlich ans Ruder kommen k&#246;nnte. Doch in diversen Hintergrundgespr&#228;chen konnte man in den vergangenen Monaten bei Akteuren aus ganz unterschiedlichen Netzwerken und weltanschaulichen Str&#246;mungen der Partei immer wieder Sorgen, teilweise sogar &#196;ngste wahrnehmen vor einer solchen Regierungs&#252;bernahme.</span></p><h3><span>&#8220;Nein, ganz eindeutig nein&#8221;</span></h3><p><span>Zum ersten Mal &#246;ffentlich waren diese Bef&#252;rchtungen k&#252;rzlich in Schnellroda, Sachsen-Anhalt zu h&#246;ren. Beim Sommerfest des Antaios-Verlags </span><a href="https://youtu.be/nk8pqNPjgeA?si=OW2ZRnVo8GXA1snB"><span>sprach unter anderem der AfD-Bundestagsabgeordnete Torben Braga</span></a><span>. Er wurde gefragt, ob die Partei &#252;ber das Personal verf&#252;ge, das n&#246;tig w&#228;re, um politische Leitungspositionen zu besetzen. Seine Antwort: &#8222;Nein, ganz eindeutig nein.&#8220;</span></p><p><span>Wolle man Regierungsverantwortung &#252;bernehmen, brauche es ein realistisches Bewusstsein dar&#252;ber, was eine Macht&#252;bernahme organisatorisch und personell bedeutet. In Th&#252;ringen, wo Braga seit fast zehn Jahren dem Landesvorstand der AfD angeh&#246;rt, habe man sich intensiv mit diesen Fragen besch&#228;ftigt. Dort sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Landespartei aus den Reihen ihrer Mitglieder und ihres unmittelbaren Unterst&#252;tzerumfelds derzeit nicht gen&#252;gend qualifiziertes Personal rekrutieren k&#246;nne, um s&#228;mtliche &#196;mter und Positionen einer Landesregierung zu besetzen. Gerade diesen Realismus h&#228;lt Braga f&#252;r einen entscheidenden Vorteil: Wer um die eigenen Grenzen wei&#223;, ist eher bereit und f&#228;hig, um Hilfe zu bitten, etwa bei benachbarten Landesverb&#228;nden oder beim Bundesverband.</span></p><h3><span>&#8220;Ich glaube nicht, dass die Partei so weit ist&#8221;</span></h3><p><span>Nach seinen Ausf&#252;hrungen &#252;ber Th&#252;ringen macht Braga eine kurze Pause und kommt auf andere Landesverb&#228;nde zu sprechen: &#8222;Wohingegen ich in anderen Bundesl&#228;ndern &#8211; ich erlaube es mir, jetzt auch ganz offen zu reden &#8211; eher nicht diese Zur&#252;ckhaltung gesp&#252;rt habe.&#8220; Von dort bekomme er h&#228;ufig die R&#252;ckmeldung: &#8222;Wir wuppen das schon.&#8220;</span></p><p><span>Braga weiter:</span></p><blockquote><p><span>&#8222;Und in Kenntnis dessen, wie die Landesverb&#228;nde teilweise aufgebaut sind, wer dort die ma&#223;geblichen Akteure sind, wie sich die Landtagsfraktionen zusammensetzen, aus denen sich ja auch eine Landesregierung m&#246;glicherweise im Wesentlichen speisen w&#252;rde, blicke ich mit gro&#223;er Sorge in die nahe Zukunft und glaube nicht, dass die Partei so weit ist, wenn ich ehrlich bin.&#8220;</span></p></blockquote><p><span>Worauf sich Braga hier bezieht, ist nicht schwer zu verstehen. In naher Zukunft stehen drei Landtagswahlen an: In Berlin hat die AfD keine realistische Aussicht auf eine Regierungs&#252;bernahme, in Mecklenburg-Vorpommern allenfalls minimale Chancen. Es liegt daher nahe, Bragas Warnung vor allem als eine in Richtung Sachsen-Anhalt zu deuten.</span></p><h3><span>Es fehlt der AfD an Kadern</span></h3><p><span>Bragas Ausf&#252;hrungen zeigen, wie ausgepr&#228;gt das Kaderproblem der AfD offenbar noch immer ist. Eine Partei, die nicht blo&#223; die Spitze einiger Ministerien austauschen, sondern Staat und Gesellschaft grundlegend ver&#228;ndern will, braucht mehr als drei Fachexperten, zwei Vordenker und einen charismatischen Spitzenkandidaten. Sie ben&#246;tigt Dutzende, wom&#246;glich Hunderte Leute, die daf&#252;r sorgen k&#246;nnen, dass der politische Wille auch auf den verschiedenen Ebenen des Staatsapparats durchgesetzt wird.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><span>Daf&#252;r m&#252;ssen bei den entsprechenden Kandidaten zwei Eigenschaften zusammenkommen: fachliche Kompetenz und politische Zuverl&#228;ssigkeit. Das eine oder das andere zu finden d&#252;rfte f&#252;r eine Partei von der Gr&#246;&#223;e der AfD kein un&#252;berwindbares Problem sein. Schwieriger wird es dort, wo beides zusammenfallen soll. Genau daf&#252;r braucht eine Partei eigene Kader. An denen mangelt es offenbar.</span></p><h3><span>Der Widerspruch zwischen Bewegungs- und Staatspartei</span></h3><p><span>Was Braga hier in Schnellroda beschreibt, ist mehr als ein blo&#223;es Personalproblem. Vielmehr verweisen seine Ausf&#252;hrungen auf den Widerspruch der AfD, der erst jetzt, da sie tats&#228;chlich an die T&#252;ren von Ministerien und Staatskanzleien klopft, in voller Sch&#228;rfe zutage kommt: den Widerspruch zwischen ihrem Anspruch, Bewegungspartei und Staatspartei sein zu wollen.</span></p><p><span>Gro&#223; geworden ist die AfD, weil sie das ohnehin immer schon vorhandene rechte Potenzial in der Gesellschaft b&#252;ndeln und zugleich um jene erweitern konnte, die aus unterschiedlichen Gr&#252;nden das Vertrauen in etablierte Institutionen verloren haben oder diese grunds&#228;tzlich ablehnen: die &#8222;Altparteien&#8220;, die Medien, die Verwaltung, Verb&#228;nde und andere Institutionen.</span></p><p><span>Doch auf viele dieser Institutionen und auf das in ihnen vorhandene Wissen w&#228;re die AfD angewiesen, sobald sie selbst staatliche Herrschaft aus&#252;ben wollte. Eine Regierung braucht erfahrene Ministerialbeamte, Juristen, Haushaltsexperten, Fachreferenten und Verwaltungspraktiker. Darunter w&#228;ren zwangsl&#228;ufig viele, die politisch ganz anders sozialisiert wurden.</span></p><p><span>Die AfD ist vielerorts mehrheitsf&#228;hig geworden und k&#246;nnte in einzelnen Fragen sogar bereits Elemente kultureller Hegemonie errungen haben. Von einer entsprechenden Verankerung auf staatlich-institutioneller Ebene ist sie jedoch noch immer weit entfernt. Parlamentarische St&#228;rke, gesellschaftliche Hegemonie und die F&#228;higkeit, einen Staatsapparat tats&#228;chlich zu f&#252;hren, sind alle drei wichtig, um ein Land von Grund auf zu ver&#228;ndern. Aber sie sind eben nicht dasselbe.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">&#220;ber Rechts ist eine von Leser unterst&#252;tzte Publikation. Um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen, ziehen Sie in Betracht, ein Free- oder Paid-Abonnent zu werden.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die linke Geschichte des Postliberalismus]]></title><description><![CDATA[Der Postliberalismus gilt als Projekt der Rechten. Doch die Diagnose kommt urspr&#252;nglich aus der britischen Linken. Sie k&#246;nnte auch heute noch helfen, den Liberalismus besser zu verstehen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/die-linke-geschichte-des-postliberalismus</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/die-linke-geschichte-des-postliberalismus</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Fri, 07 Aug 2026 09:30:40 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/4705077a-0292-4f37-8ad8-7a3e3dbe6638_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wer den US-amerikanischen Vizepr&#228;sidenten JD Vance nur aus den deutschen Medien kennt, d&#252;rfte &#252;berrascht sein, wenn er dessen neues Buch <em>Communion</em> liest. Von dem &#8222;Nationalismus, der Blut-und-Boden-Ankl&#228;nge hat&#8220; (<a href="https://www.blaetter.de/ausgabe/2024/september/klassenkaempfer-jd-vance"><span>Bl&#228;tter</span></a>) findet man darin wenig. Man begegnet eher einem nachdenklichen Erz&#228;hler, den es umtreibt, dass seine Studienfreunde alle um die gleichen sinnlosen Consultingjobs konkurrieren, und der nicht versteht, warum seine konservativen Freunde das Recht auf Abtreibung zu ihrem Hauptthema machen, wenn sie sich anschlie&#223;end nicht f&#252;r die Bedingungen interessieren, unter denen diese geretteten Leben stattfinden werden. <em>Communion</em> ist, bei aller Kritik an seinen blinden Flecken, ein intellektuell ernsthaftes Buch. &#220;ber manche Fragen, etwa die brutale Migrationspolitik seiner eigenen Regierung, geht der Autor schneller hinweg, als es angemessen w&#228;re. Vor allem aber skizziert es, wie Vance die MAGA-Koalition nach dem Ende von Trumps zweiter Amtszeit aufstellen will: als ein Projekt, das er selbst <a href="https://theconversation.com/j-d-vance-calls-himself-a-post-liberal-heres-what-that-means-for-us-government-264547">gelegentlich</a> als &#8222;Postliberalismus&#8220; bezeichnet.</p><p>Im deutschen Diskurs dient dieser Begriff meist als Warnung. Die US-amerikanische Rechte soll damit in die N&#228;he des Anti- und Illiberalismus eines Carl Schmitt oder Viktor Orb&#225;n ger&#252;ckt werden. Das ist, angesichts der autorit&#228;ren Politik der zweiten Trump-Regierung und dem positiven Bezug mancher Postliberaler auf die inzwischen abgew&#228;hlte Orb&#225;n-Regierung, nicht ganz falsch. Doch wer sich intensiver mit dem postliberalen Denken besch&#228;ftigt, merkt schnell, dass es heterodoxer ist, als es von au&#223;en scheint. Die postliberale Kritik ist kein simples &#8222;Recycling-Projekt anti-liberaler Traditionsbest&#228;nde&#8220;, wie es einmal <a href="https://www.philomag.de/artikel/anti-liberale-untote"><span>im Philosophie Magazin</span></a><span> hie&#223;</span>. Ihre Grunddiagnose ist sogar erstaunlich schwer zu widerlegen: Der Liberalismus untergr&#228;bt die Bedingungen seiner eigenen Existenz, und die Institutionen, die das bislang kompensiert haben, l&#246;sen sich in dem Ma&#223;e auf, in dem er sich entfaltet.</p><p>Vor allem aber ist es urspr&#252;nglich gar keine rechte Ideologie. Das postliberale Denken hat seinen Ursprung auf der britischen Linken, US-amerikanische Konservative haben es erst sp&#228;ter f&#252;r sich beansprucht. Um zu verstehen, wie aus der linken Kritik am real existierenden Liberalismus die intellektuelle Grundlage f&#252;r die Politik von JD Vance werden konnte, muss man deshalb zun&#228;chst nach London blicken.</p><h3>Ein konservativer Sozialismus f&#252;r Gro&#223;britannien</h3><p>Nach der Finanzkrise 2008 ger&#228;t die Labour-Partei in eine tiefe Krise. Der dritte Weg von New Labour hatte zwar Wahlen gewonnen, aber das Versprechen, Wirtschaftsliberalismus und soziale Gerechtigkeit miteinander zu verbinden, hatte sich als unhaltbar erwiesen. Sp&#228;testens nach der Niederlage bei der Unterhauswahl 2010 gilt das Projekt als gescheitert.</p><p>In dieser Zeit sammelt der Londoner Politiktheoretiker Maurice Glasman eine neue Str&#246;mung innerhalb der Partei um sich: Blue Labour sollte sie hei&#223;en. Das Programm ist in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von New Labour. &#214;konomisch soll sich die Partei wieder am Nationalstaat orientieren und bereit sein, in die Wirtschaft einzugreifen, wenn es dem Wohl der Menschen dient. Gesellschaftspolitisch soll sie sich vom programmatischen Liberalismus l&#246;sen und f&#252;r das eintreten, was Glasman 2009 einen &#8222;zutiefst konservativen Sozialismus&#8220; nannte: eine Politik, &#8222;die Familie, Glauben und Arbeit zu ihrem Kern macht und auf Gegenseitigkeit, Gemeinschaftssinn und Solidarit&#228;t beruht.&#8220; Konservatismus und Sozialismus sollen sich gegenseitig bedingen, einander brauchen. W&#228;hrend der klassische Sozialkonservatismus F&#252;rsorge von oben organisierte, um die soziale Ordnung zu sichern und revolution&#228;re Anspr&#252;che der Arbeiterbewegung abzufangen, zielt Glasmans konservativer Sozialismus dabei aber auf die Selbstorganisation der Arbeiterklasse.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Blue Labour ist damit von Anfang an eine dezidiert britische Tradition. Sie beruft sich auf die spezifische Geschichte der Labour-Bewegung: eine Arbeiterbewegung, die &#8211; anders als die deutsche Sozialdemokratie &#8211; nie programmatisch s&#228;kular war und die Kirche, insbesondere den Methodismus, immer als mindestens so wichtigen Ansto&#223;geber betrachtete wie den Marxismus. Glasman greift vorrangig auf diese eigenwillige Tradition zur&#252;ck. </p><p>Nach und nach verbindet sich sein politischer Impuls jedoch mit einem intellektuellen Strang, der in den 1990er-Jahren innerhalb der britischen Theologie entstanden war: die <em>Radical-Orthodoxy</em>-Bewegung des Theologen John Milbank. Ohne Milbank w&#228;re Blue Labour wohl eine nostalgische Reformbewegung und zu sehr verhaftet geblieben in den Eigent&#252;mlichkeiten der britischen Arbeiterbewegung, um weit &#252;ber diese hinaus zu wirken. Durch ihn bekommt das politische Projekt aber eine philosophische Grundierung, die weit &#252;ber den Kanal und den Atlantik reichen sollte.</p><h3>Was der Postliberalismus wirklich behauptet</h3>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/die-linke-geschichte-des-postliberalismus">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was Orbáns Scheitern über die Strategie der AfD verrät | Márton Békés: Nationaler Block (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[L&#228;sst sich eine dauerhafte Hegemonie von oben errichten? Oder zeigen sich gerade in diesem Ansatz die Grenzen eines rechten Gramscianismus?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/ungarn-orban-fidesz-hegemonie-afd</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/ungarn-orban-fidesz-hegemonie-afd</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 02 Aug 2026 06:36:26 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/209436206/02219b402e716b391072f26ab3abf693.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Lange galt Viktor Orb&#225;n der deutschen Rechten als gro&#223;es Vorbild. Mithilfe staatlicher Macht baute er gemeinsam mit seiner Fidesz-Partei Medien, Kultur und politische Institutionen um. Der ungarische Intellektuelle M&#225;rton B&#233;k&#233;s erkl&#228;rte 2023 in seinem Buch &#8222;Nationaler Block&#8220;, warum dieses Projekt aus seiner Sicht eine dauerhafte rechte Hegemonie geschaffen habe. Der Jungeuropa-Verlag empfahl das Buch der AfD ausdr&#252;cklich als strategische Lekt&#252;re.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ZToF!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ZToF!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ZToF!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg 848w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Dabei betreibt B&#233;k&#233;s keinen typischen Gramscianismus von rechts. Vielmehr dreht er Gramsci um, indem er gerade nicht beschreibt, wie jahrelange kulturelle Vorarbeit zur politischen Macht f&#252;hrt, sondern aufzeigt, wie erst der Wahlsieg und der Zugriff auf den Staat es erm&#246;glichten, eine gesellschaftliche Hegemonie zu organisieren.</p><p>Heute liest sich &#8222;Nati&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/ungarn-orban-fidesz-hegemonie-afd">
              Read more
          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ulrich Siegmund und Zohran Mamdani: Der neue Gute-Laune-Populismus]]></title><description><![CDATA[Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt steht f&#252;r einen neuen Politiker-Typ. Wer ihn verstehen will, sollte weniger in die Geschichte schauen und mehr nach New York.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Thu, 30 Jul 2026 10:00:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/ad54d72a-47bb-4bc8-922e-642c4549abf0_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Ulrich Siegmund hat etwas, woran es der AfD seit ihrer Gr&#252;ndung mangelt: Charme. Noch immer werfen ihm manche Politiker vor, eine Partei zu vertreten, die f&#252;r &#8222;Hass und schlechte Laune&#8220; stehe, wie Katrin G&#246;ring-Eckardt am Rand des AfD-Parteitags sagte. Auf Veranstaltungen mit Siegmund erlebt man eher das Gegenteil: einen dauergrinsenden Politiker vor einer Anh&#228;ngerschaft in Feierlaune, getragen von einer zur Schau gestellten Gewissheit des nahen Sieges.</p><p>Wer sich auf eine m&#246;gliche Regierung unter seiner F&#252;hrung vorbereiten will, sollte deshalb weniger an die griesgr&#228;migen Gespenster der deutschen Geschichte denken als an einen Politiker am entgegengesetzten Ende des politischen Spektrums: den New Yorker B&#252;rgermeister Zohran Mamdani. Beide verkaufen mit ihrer Art nicht nur ein Programm, sondern ein Kernversprechen: dass Gesellschaft sich grundlegend ver&#228;ndern l&#228;sst. Das soll man schon beim blo&#223;en Anblick des Kandidaten f&#252;hlen.</p><h3><strong>Ein Verk&#228;ufer von Ideologie</strong></h3><p>Siegmund ist vor allem ein guter Vermarkter. Vor der Politik lie&#223; er sich zum Gro&#223;- und Au&#223;enhandelskaufmann ausbilden, gr&#252;ndete 2014 ein Unternehmen f&#252;r Raumbeduftung, ehe er 2016 sein Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie abschloss. In der Presse landete er zum ersten Mal zwei Jahre zuvor mit dem Vorschlag, Berliner U-Bahnh&#246;fe zu beduften. Seit 2016 sitzt er f&#252;r die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt.</p><p>Dort hat er Karriere gemacht, als idealer &#8222;Verk&#228;ufer von Ideologie&#8220;, wie es der Sozialwissenschaftler und Theologe David Begrich <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/afd-spitzenkandidat-landtagswahl-siegmund-108.html">einmal beschrieb</a>. Genau dieses Talent fehlte der Partei in Sachsen-Anhalt: Mit Oliver Kirchner kam sie 2021 nur auf 20,8 Prozent &#8211; das erste Mal, dass die AfD bei einer Wahl in Ostdeutschland ein schlechteres Ergebnis als bei der vorherigen Wahl einfuhr. Siegmunds Ziel lautet inzwischen &#8222;45 Prozent plus x&#8220;. Erreicht er es, wird er in wenigen Wochen der j&#252;ngste Ministerpr&#228;sident, den Deutschland je hatte.</p><h3><strong>Das gebrochene Versprechen der CDU</strong></h3><p>Wie Siegmund sich selbst versteht, zeigte Ende Juni eine Szene im Landtag, als die AfD eine Debatte zu 24 Jahren CDU-Regierung erzwang. Siegmunds Kritik zielte auf ein gebrochenes Versprechen: Ministerpr&#228;sident Reiner Haseloff war 2021 mit der Zusage angetreten, bis zum Ende der Legislatur im Amt zu bleiben, &#252;bergab dann aber im Januar 2026 an Sven Schulze. Darin erkannte Siegmund eine Missachtung des Volkswillens: &#8222;Es gibt in meinen Augen nur einen einzigen, der dar&#252;ber entscheiden sollte, wer hier Ministerpr&#228;sident wird: Das ist das Volk, das ist der Souver&#228;n&#8220;, rief er seinen Kollegen zu. Die konterten unisono, der Ministerpr&#228;sident werde gar nicht vom Volk gew&#228;hlt. &#8222;Nein, das ist das Parlament&#8220;, rief etwa die SPD-Frau Juliane Kleemann.</p><p>Siegmund blieb angesichts dieser Belehrung gelassen und schloss mit einer grunds&#228;tzlichen Ansage:</p><blockquote><p>&#8222;Das ist formal richtig. Aber es ist unser Anspruch als Demokraten, dass das Volk bei einer solchen wichtigen Entscheidung mitspricht. Und das hat es nicht, weil Sie das Volk belogen haben. Sechs Monate vor der Wahl so etwas zu machen, ist vielleicht parlamentarische Gepflogenheit, aber es ist unredlich gegen&#252;ber den Menschen in diesem Land. Es ist unredlich gegen&#252;ber der Demokratie.&#8220;</p></blockquote><h3><strong>Der Sieg wird schon vermittelt, bevor er real ist</strong></h3><p>Wichtiger als die Arbeitsweise der Bundesrepublik ist Siegmund, was der einfache B&#252;rger denkt. Das Volk w&#228;hlt den Ministerpr&#228;sidenten zwar nicht, doch Siegmund insistiert darauf, dass es f&#252;hlen soll, ihm sei etwas genommen worden. Und so wie das Gef&#252;hl, dass einem etwas genommen wurde, schon reicht, um eine Kr&#228;nkung politisch wirksam zu machen, reicht auch ein Gef&#252;hl der Zuversicht, um einen Umbruch wahr zu machen.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Die gute Laune, der Frohsinn der Radikalen ist die affektive Vorwegnahme eines Sieges, der formal noch gar nicht stattgefunden hat. Nach Jahren, in denen sich fast die gesamte AfD radikalisiert hat, k&#246;nnte man Siegmund damit als letzten wirklichen Populist der Partei bezeichnen: Er ist einer, der dem Volk aufs Maul schaut und mit einem Dauergrinsen Hoffnung anbietet, dass sich mit ihm wirklich etwas &#228;ndern wird.</p><h3><strong>Radikale Ideen im Hintergrund</strong></h3><p>Das hei&#223;t aber nicht, dass er keine radikale Vision verfolgen w&#252;rde. Mit Hans-Thomas Tillschneider steht einer der fundamentalsten Vordenker der AfD hinter ihm, er ist etwa verantwortlich f&#252;r das &#8222;Regierungsprogramm&#8220; des Landesverbands. Tillschneider vertritt einen strikten kulturellen Ethnopluralismus: Nicht Abstammung, aber hermetisch geschlossene Nationalkulturen sollen die V&#246;lker scheiden. Universalismus und Einwanderung gelten ihm, so f&#252;hrt er es in seinem gerade erscheinenden Grundsatzbuch &#8222;Kulturpolitik. Wie es ist deutsch zu sein&#8220; aus, als eine Art Angriff auf die Existenzbedingungen des Menschen. Harter Tobak, der wohl erst durch gute Laune mehrheitsf&#228;hig wird.</p><p>Siegmund ist also der strahlende Verk&#228;ufer einer radikalen Vision. Genau darin &#228;hnelt er dem immer gut gelaunten Mamdani, hinter dem mit <em>den Democratic Socialists of America</em> ebenfalls ein gefestigter ideologischer Unterbau steht. Auch Mamdani verspricht eine Politik ohne Vermittlungsinstanz, eine &#8222;politics of no translation&#8220;: ein Programm, das man beim Lesen sofort auf das eigene Leben beziehen kann, wie er im Sommer 2025 <a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/">dem </a><em><a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/">Time Magazine</a></em><a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/"> sagte</a>. Auch er k&#228;mpft um die Deutungshoheit &#252;ber das Gef&#252;hl: Politik soll unmittelbar als Erfahrung ankommen, ungefiltert von Institutionen oder Fachsprache. Und auch er verspricht, einen grunds&#228;tzlichen Politikwechsel &#252;ber einen blo&#223;en Personaltausch hinaus.</p><h3><strong>Pragmatische Ideologen</strong></h3><p>Beide gelten gleichzeitig als Pragmatiker mit Interesse an kreativen L&#246;sungen. Mamdanis Vorschl&#228;ge seien weniger radikal als das Zerrbild seiner Gegner, zugleich aufrichtiger in seinen linken Ambitionen, <a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/">urteilte der Journalist Mark Chiusano</a>, der ihn monatelang begleitete. Mamdani wollte die Polizei etwa vor einigen Jahren noch abschaffen, nach der Wahl lie&#223; er dann die technokratische Leiterin der Polizeibeh&#246;rde im Amt und versprach, die Zahl der Polizisten aufzustocken. &#196;hnliches gilt f&#252;r Siegmund, f&#252;r den ebenfalls nicht jede Entscheidung hundert Prozent AfD verk&#246;rpern muss. Und doch lautet der Leitspruch seiner Kampagne: &#8222;Alles ist m&#246;glich.&#8220; Sie beide verkaufen die Gewissheit, dass Politik noch etwas bewirken kann. Der Gute-Laune-Populismus ist das Mittel, um das auch plausibel zu machen.</p><p>Ja, die politischen Projekte der beiden unterschieden sich inhaltlich so stark, wie es nur denkbar ist. Mamdani ist ein universalistischer demokratischer Sozialist, seine Kampagne beruhte auf dem Versprechen, ein New York &#8222;f&#252;r alle&#8220; zu schaffen. Siegmund will nur Ministerpr&#228;sident f&#252;r alle &#8222;rechtschaffenen B&#252;rger&#8220; sein. Inhaltlich stehen die beiden Politiker f&#252;r entgegengesetzte Ziele. Der eine ist Sozialist, der andere radikaler Rechter.</p><p>Und doch verk&#246;rpern sie einen neuen Typ Politiker, der in den sp&#228;ten 2020ern zum Erfolgsgaranten radikaler Projekte werden k&#246;nnte. Beide beginnen ihre Karriere bei einer lokalen Wahl statt auf der nationalen B&#252;hne &#8211; dort, wo sich N&#228;he herstellen l&#228;sst. Beide verwandeln ihre enorme digitale Reichweite in reale Verbindungen: Mamdani rief im Rahmen seiner Kampagne zur Schnitzeljagd durch New York auf, bei Siegmund ist es die Simson-Ausfahrt.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Und beider Aufstieg wird von etablierten Medien in dunkelsten T&#246;nen gemalt: Mamdani galt als &#8222;<a href="https://www.wsj.com/opinion/zohran-mamdani-brings-third-world-prejudices-to-new-york-4b87c111">unpatriotisch</a>&#8220;, &#8222;<a href="https://www.washingtonpost.com/opinions/2025/11/03/zohran-mamdani-new-york-mayor-election/">unqualifiziert</a>&#8220;, &#8222;<a href="https://www.wsj.com/opinion/the-lure-of-comrade-mamdani-policy-mayoral-candidate-nyc-a61ca481">linksradikal</a>&#8220;, manchen gar <a href="https://www.wsj.com/opinion/escape-from-mamdanis-new-york-that-isnt-the-jewish-way-antisemitism-urban-decay-527b7386">als Antisemit</a>. Bei Siegmund vergisst kein Medium die Einordnung der AfD Sachsen-Anhalt als &#8222;gesichert rechtsextrem&#8220; durch den Verfassungsschutz, <a href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2026/05/LSA-Szenario_2026_Web_Einzel.pdf">bei der Amadeu-Antonio-Stiftung</a> hei&#223;t es sogar, er wolle Asylsuchende nach der Wahl in Lagern konzentrieren.</p><h3><strong>Was man bei Mamdani lernen kann</strong></h3><p>Aber was hei&#223;t das f&#252;r das Projekt von Ulrich Siegmund? Was kann man, gut sechs Monate nach Mamdanis Amtsantritt, von ihm f&#252;r eine m&#246;gliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt lernen? An Mamdani l&#228;sst sich insbesondere sehen, wie schnell sich der Wind drehen kann. Seine Zustimmung liegt zurzeit bei rund 53 Prozent und damit deutlich h&#246;her als vor seiner Wahl. Zeitungen, die seinen Sieg noch als Menetekel gedeutet hatten, berichten inzwischen n&#252;chterner, teils sogar positiv.</p><p>Allen, die darauf hoffen, dass sich ein AfD-Ministerpr&#228;sident an der Macht schnell entzaubern k&#246;nnte, sollten bedenken: &#196;hnliches wie bei Mamdani k&#246;nnte auch bei Siegmund passieren, wenn er zu Beginn vor allem pragmatische Gesetze umsetzt. Das deutet sich bereits am <a href="https://afd-lsa.de/wp-content/uploads/2026/07/100-Tage-Sofortprogramm.pdf">100-Tage-Programm</a> der Partei an: Darin geht es etwa um einen F&#252;hrerscheinzuschuss f&#252;r Auszubildende, um Deutschland- statt Regenbogenflaggen an &#246;ffentlichen Geb&#228;uden, um eine Reduzierung der Ministerien. Nach hundert Tagen k&#246;nnten auch bei ihm, wenn er sich pragmatisch genug zeigt, viele den Eindruck gewinnen, er sei gar kein so schlechter Verwalter.</p><p>Doch darf man nicht vergessen, dass dahinter eine langfristige Vision f&#252;r eine grunds&#228;tzlich andere Gesellschaft steckt. Das L&#228;cheln, der Pragmatismus, der Gute-Laune-Populismus ist nur das Mittel, mit dem man sie verwirklichen will. Man sollte, wie Mamdani zeigt, die Effektivit&#228;t dieses Mittels nicht untersch&#228;tzen. Die Zukunft geh&#246;rt wohl &#8211; im Guten wie im Schlechten &#8211; diesen kreativen, pragmatischen Ideologen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eskalation in NRW: Worum geht es beim AfD-Streit?]]></title><description><![CDATA[Die AfD tritt zunehmend professionell auf. Doch ein Landesverband leistet Widerstand gegen den Kurs der Parteispitze. In NRW werden auf offener B&#252;hne Machtk&#228;mpfe ausgetragen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 25 Jul 2026 05:28:23 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/208341482/8527b3daa1a7fd06dd04d9351e8996e1.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>An den vergangenen beiden Wochenenden wollte die AfD in NRW eigentlich blo&#223; ihre Liste f&#252;r die Landtagswahl aufstellen. Doch der Parteitag eskalierte und sorgte daf&#252;r, dass der Landesverband sich nun im offenen Konflikt mit dem Bundesvorstand der Partei befindet. </span>Wir haben in den vergangenen Tagen mit Akteuren aus allen beteiligten Lagern gesprochen und so versucht, zu verstehen, worum es bei diesem Kampf um den Landesverband wirklich geht.</p><p>Deshalb rekonstruieren wir <span>in dieser Folge, was sich beim Parteitag abgespielt hat, bleiben aber nicht dabei stehen. Stattdessen beleuchten wir auch die Hintergr&#252;nde des Konflikts: Welche ideologischen, welche strategischen Differenzen spalten die Partei? Und was bedeutet der Machtkampf f&#252;r die Zukunft? </span></p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich &#8211; wie diese hier &#8211; mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Mark Terkessidis: Wie faschistisch ist die Linke? (Live)]]></title><description><![CDATA[Der Migrationsforscher Mark Terkessidis fragt sich, wo der Faschismus beginnt. Seine Antwort: Da, wo man ihn eher nicht vermuten w&#252;rde.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/mark-terkessidis-gewalt-am-denken</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/mark-terkessidis-gewalt-am-denken</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Sat, 18 Jul 2026 06:44:05 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/207413020/c41c464fe7dd6cb752f5e26c030c948a.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wann beginnt der Faschismus? Mark Terkessidis beantwortet die Frage nicht mit den erwartbaren Verd&#228;chtigen. Wer <em>Gewalt am Denken</em> aufschl&#228;gt in der Erwartung, dort Namen wie Musk, Trump oder die AfD zu finden, wird &#252;berrascht. Terkessidis findet Vertreter eines faschistischen Denkstils n&#228;mlich auch im eigenen, linksliberalen Milieu.</p><p>Terkessidis kommt aus dem Rassismus- und Migrationsdiskurs, sein erstes Buch widmete er schon 1995 der Neuen Rechten, zuletzt schrieb er &#252;ber koloniale Vergangenheit und Erinnerungspolitik. Mit <em>Gewalt am Denken</em> richtet er den Blick nun auf die eigene politische Herkunft, auf Identit&#228;tspolitik, Debatten um die Sprecherposition und Critical Whiteness. Er beschreibt darin dieselben Mechanismen der Angst und Ausgrenzung, die man sonst h&#228;ufig der radikalen Rechten zuschreibt. Im Gespr&#228;ch h&#246;rt man ihm einen Frust an, der &#252;ber akademische Entt&#228;uschung hinausgeht: An mehreren Stellen des Gespr&#228;chs berichtet er offen, dass er zwischenzeitlich &#252;berlegt hat, &#252;berhaupt noch etwas zu schreiben, so ersch&#246;pfend fand er das mediale Klima der vergangenen Jahre.</p><p>Das Gespr&#228;ch ist ein Mitschnitt der Veranstaltung, die Nils mit Terkessidis im Literaturforum im Brecht-Haus Berlin gef&#252;hrt hat. Es war die zweite Ausgabe der Reihe <em>Zeitanalysen</em>, einer Kooperation zwischen <em>&#220;ber Rechts</em> und dem Brechthaus. </p><p>Dies ist eine von zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wer hat in der AfD das Sagen?]]></title><description><![CDATA[Jetzt anh&#246;ren | Der AfD-Parteitag 2026 in Erfurt offenbart, dass unsere alten Kategorien nicht mehr funktionieren. Stattdessen pr&#228;gen neue Netzwerke und Kl&#252;ngeleien die Parteien. Wir versuchen, zu sortieren.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/wer-hat-in-der-afd-das-sagen</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/wer-hat-in-der-afd-das-sagen</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Mon, 06 Jul 2026 15:28:45 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/205534687/d54b5a4a5baf0f350fd6a1988eccd3ad.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Fr&#252;her waren AfD-Parteitage Orte der Wut, der Tr&#228;nen und der offenen Machtk&#228;mpfe. Inzwischen hat sich die Partei jedoch so weit professionalisiert, dass es deutlich gesitteter zugeht und vieles, was auf Parteitagen beschlossen wird, bereits im Voraus ausgehandelt ist. Auch der Bundesparteitag in Erfurt wirkt deshalb weniger wie ein offener Richtungsstreit, sondern eher wie das Ergebnis von Netzwerken, die im Hintergrund um Macht, Posten und das Personaltableau gerungen haben.</p><p>Alice Weidel und Bj&#246;rn H&#246;cke gelten gemeinhin als die gro&#223;en Gewinner dieses Parteitags. Wir schauen genauer hin und fragen: Wer hat in der AfD tats&#228;chlich das Sagen? Unsere Analyse zeigt: Weidel und H&#246;cke haben nur auf den ersten Blick gewonnen. Der eigentliche Gewinner ist das Netzwerk um den Bundestagsabgeordneten Sebastian M&#252;nzenmaier, in dem sich Akteure aus dem Umfeld Weidels ebenso wiederfinden wie Teile des H&#246;cke-Lagers. Wer geh&#246;rt zu diesem Netzwerk? Wie funktioniert es? Und wohin will es die Partei f&#252;hren?</p><p>Dabei zeigt sich: Die alten Kategorien, mit denen die AfD lange beschrieben wurde, tragen immer weniger. Aus dem Kampf zwischen Radikalen und vermeintlich Gem&#228;&#223;igten ist l&#228;ngst ein Kampf um Macht, Mandate und Einfluss geworden. Der neue Bundesvorstand wird von einem neuen Typus gepr&#228;gt: dem jungen Berufspolitiker. Er ist charmant, professionell, pragmatisch &#8211; und nicht minder radikal.</p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die jüngste Altpartei Deutschlands]]></title><description><![CDATA[Die AfD wollte immer gegen den Parteienfilz k&#228;mpfen. Der 17. Bundesparteitag der AfD in Erfurt zeigt jetzt eine Partei, die von Hinterzimmer-Diplomatie und Karrierenetzwerken gepr&#228;gt ist.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/afd-parteitag-2026</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/afd-parteitag-2026</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 05 Jul 2026 14:56:39 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/00fbf71f-e44f-422c-b73e-800cb6682751_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die AfD war eigentlich mal stolz darauf, eine Partei der Basisdemokratie zu sein, bei der man nie so richtig wei&#223;, was bei einem Parteitag passiert. Ein &#8222;g&#228;riger Haufen&#8220; eben, wie sie Alexander Gauland vor vielen Jahren einmal bezeichnete.</span></p><p><span>Entsprechend waren Parteitage der AfD &#252;ber Jahre hinweg sehr unterhaltsam. Selbst zu Zeiten J&#246;rg Meuthens gab es noch gerne mal Geschrei, Tr&#228;nen, Menschentrauben. Die Partei zeigte, dass sie sich nicht nur inhaltlich von den anderen Parteien unterschied, sondern auch in der Art und Weise, wie Konflikte immer wieder aufbrachen und weltanschauliche Widerspr&#252;che sichtbar wurden.</span></p><p><span>Als die schlimmsten St&#246;renfriede der rechten Einigkeit ausgeschaltet waren und aus Mitgliederparteitagen allm&#228;hlich Delegiertenparteitage wurden, gab es wenigstens noch ein paar Stellvertreterkriege, auf die Beobachter hinfiebern konnten. Der 17. Bundesparteitag der AfD in Erfurt aber lief an seinem ersten Tag, dem Tag, an dem der Bundesvorstand neu gew&#228;hlt wurde, so professionell und routiniert ab wie ein Parteitag der CDU: Alles steht ohnehin schon vorher fest, eigentlich tritt man nur f&#252;r die Fernsehkameras noch einmal zusammen.</span></p><h3><span>Stramm und glatt</span></h3><p><span>Man ahnte schon zu Beginn, dass in Erfurt keine gro&#223;en Linien gezogen w&#252;rden, sondern dass das Bild der Partei nach au&#223;en im Mittelpunkt stehen sollte: radikal rechts und professionell, stramm und glatt. Vor dem Parteitag war spekuliert worden, dass ein von Bj&#246;rn H&#246;cke unterst&#252;tzter Antrag gegen die Unvereinbarkeitsliste der Partei zumindest f&#252;r etwas Streit sorgen k&#246;nnte. Doch nicht einmal eine Stunde nach p&#252;nktlichem Beginn war die Sache erledigt.</span></p><p><span>Alice Weidel bedankte sich artig f&#252;r den Hinweis, die Liste zu &#252;berarbeiten. Der Bundesvorstand h&#228;tte das schon l&#228;ngst machen m&#252;ssen. Sie habe mit den Antragstellern gesprochen. Der neue Vorstand werde innerhalb eines Jahres die Unvereinbarkeitsliste &#252;berarbeiten. Antragsteller Joachim Paul zog den Antrag direkt zur&#252;ck und betonte, &#8222;volles Vertrauen&#8220; in den Bundesvorstand zu haben. Wof&#252;r man fr&#252;her mehrere Stunden hitziger Debatten gebraucht h&#228;tte, erledigt die Partei inzwischen in zwei Minuten.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><span>&#196;hnlich unspektakul&#228;r verlief die mit Spannung erwartete Rede von Bj&#246;rn H&#246;cke. Der Th&#252;ringer AfD-Chef durfte als Kopf des gastgebenden Landesverbands zu Beginn seine vermutlich bisher l&#228;ngste Rede bei einem Parteitag halten. Er referierte aus seinem Standardrepertoire: von der gebrochenen deutschen Identit&#228;t und den schlimmen Kartellparteien. Einzig sein kurzer Abstecher zum Thema Autobahntoiletten hatte etwas Innovatives: &#8222;Schaut auf den Zustand der Autobahntoiletten eines Landes und ihr erkennt den Zustand einer Gesellschaft!&#8220;, rief er den Delegierten zu.</span></p><p><span>Ihre Reaktionen, eingefangen von den Kameras: fragende Gesichter, leichte Andeutungen von Kopfnicken und zaghafter Applaus, um die Kunstpause zu f&#252;llen. Die Rede wurde insgesamt eher zur&#252;ckhaltend aufgenommen. Ein paar Fans standen auf, um zu applaudieren. Die meisten blieben sitzen, nach wenigen Sekunden ging es weiter.</span></p><h3>Chrupalla und Weidel in Konkurrenz und Eintracht</h3><p><span>Spannend h&#228;tte auch die Wahl der Bundesvorsitzenden werden k&#246;nnen, aber Tino Chrupalla und Alice Weidel traten jeweils ohne Gegenkandidaten an. Sie schlugen sich demonstrativ gegenseitig vor, hielten jeweils souver&#228;ne Reden. Weil es schon keine Kampfkandidatur gab, versuchten Journalisten und Delegierte immerhin, ein Duell zwischen Chrupalla und Weidel heraufzubeschw&#246;ren. Wer w&#252;rde mehr Zustimmung bekommen, nachdem beim letzten Mal Weidel hinter Chrupalla gelandet war? Weidel blieb auf dem Niveau von vor zwei Jahren und bekam schlie&#223;lich 81 Prozent. Chrupalla bekam 70 Prozent, gut zehn Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. Ein Signal, dass der Sachse Erfurt etwas geschw&#228;cht verl&#228;sst, wenngleich l&#228;ngst nicht so schwach, wie von Beobachtern im Vorfeld gemunkelt worden war. </span></p><p><span>Fr&#252;her ging man beim Blick auf die AfD von ideologischen Fl&#252;geln oder Lagern aus. Heute dominieren in der AfD Karrierenetzwerke. Da ist das m&#228;chtige Netzwerk um Alice Weidel und den Bundestagsabgeordneten Sebastian M&#252;nzenmaier. Dieses Netzwerk ist verb&#252;ndet mit dem Lager um Bj&#246;rn H&#246;cke. Daneben gibt es das schw&#228;chere Netzwerk um Tino Chrupalla, zu dem die Mehrheiten der Landesverb&#228;nde in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen z&#228;hlen.</span></p><h3>Kleinere Duelle und &#220;berraschungen</h3><p>Der Riss zwischen diesen Netzwerken geht zum Teil quer durch die Landesverb&#228;nde. Das zeigte sich in Erfurt bei der Wahl eines stellvertretenden Parteivorsitzenden: Kay Gottschalk gegen Sven Tritschler, beide aus Nordrhein-Westfalen, beide fr&#252;her eher solche, die sich gem&#228;&#223;igt gaben. Gottschalk hat sich in den vergangenen Monaten aber lager&#252;bergreifend wenig Freunde gemacht: Zun&#228;chst gab es im Bundestag Streit mit Beatrix von Storch, dann hatte er sich mit den Rechtsradikalen in der Partei angelegt, weil er sich f&#252;r den Ausschluss des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich eingesetzt hatte. Da n&#252;tzte es auch nichts, dass Gottschalk sich neulich auf einem Remigrationskongress in Portugal blicken lie&#223; und dort medienwirksam mit dem ehemaligen ICE-Kommandeur Gregory Bovino zusammentraf. Am Ende landete Tritschler, der von Alice Weidel pers&#246;nlich vorgeschlagen wurde, vor Gottschalk.</p><p>Die einzige wirkliche &#220;berraschung war die Wahl von Katrin Ebner-Steiner zur stellvertretenden Parteivorsitzenden. Die bayerische AfD-Chefin gilt als H&#246;cke-Vertraute, trat ohne Gegenkandidatin an und wurde mit lediglich 55,7 Prozent gew&#228;hlt. Wohl auch, weil der eigentlich f&#252;r diesen Posten vorgesehene Kandidat seine Kandidatur f&#252;r viele &#252;berraschend zur&#252;ckgezogen hatte.</p><p>Peter Boehringer ist seit 2022 im Bundesvorstand. Er ist ein harter Marktliberaler und dabei nicht minder rechtsradikal. Vor allem gilt er als flei&#223;ig. Kurz bevor Ebner-Steiner gew&#228;hlt wurde, erkl&#228;rte er jedoch seinen Verzicht auf eine Kandidatur. Er machte das ganz knapp, mit nicht besonders gl&#252;cklicher Miene und ganz sicher nicht von langer Hand geplant. Noch zwei Tage vor dem Parteitag hatte er in einem fast halbst&#252;ndigen Video seine erneute Kandidatur f&#252;r den neuen Bundesvorstand begr&#252;ndet. Warum er zur&#252;ckstecken musste, was seit Donnerstag in den Hinterzimmern und Netzwerken passiert ist, erfuhren die Delegierten nicht.</p><h3>Der Erfolg der Hinterzimmer-Diplomatie</h3><p><span>Jenseits der Netzwerke geht im Grunde nichts mehr in der AfD. Das zeigte sich bei der Wahl des Bundesschatzmeisters. Carsten H&#252;tter macht diesen Job seit vielen Jahren. Er bat in seiner Bewerbungsrede darum, nicht auf die Netzwerker und Einfl&#252;sterer zu h&#246;ren, sondern auf das eigene Gef&#252;hl. H&#252;tters Worte wurden nicht erh&#246;rt. Der einstige Chef der Jungen Alternative, Hannes Gnauck, der eigentlich keine Erfahrung auf diesem Gebiet hat, setzte sich durch. In zwei Wahlg&#228;ngen hatte auch er keine absolute Mehrheit, aber im dritten Wahlgang reichte es dann f&#252;r ihn.</span></p><p>Die meisten anderen Wahlen zum neuen Bundesvorstand gingen ger&#228;uschlos vonstatten, oft ohne Gegenkandidaten. Die Hinterzimmer-Diplomatie funktioniert besser denn je in der AfD. Der Politikwissenschaftler Floris Biskamp wies auf einen interessanten Umstand beim gew&#228;hlten Bundesvorstand hin: Der 14 Personen umfassende Bundesvorstand besteht aus zw&#246;lf M&#228;nnern und zwei Frauen. Die H&#228;lfte waren einst Kader der Jungen Alternative; bis auf eine Ausnahme sind sie alle unter 40. Diese Verj&#252;ngung h&#228;ngt unmittelbar mit dem M&#252;nzenmaier-Netzwerk zusammen, das sich wesentlich aus alten JA-Kontakten speist.</p><p>&#8222;So viel zur Ablehnung des Prinzips &#8218;Krei&#223;saal-H&#246;rsaal-Plenarsaal&#8216;, die mal so wichtig f&#252;r die Parteidentit&#228;t war&#8220;, <a href="https://bsky.app/profile/theflorislava.bsky.social/post/3mptg2uf7is23">kommentierte Biskamp</a>. Die Partei reproduziert sich immer mehr aus sich selbst und produziert eine neue Generation von Berufspolitikern.</p><p><span>Bei den Diskussionen zu den Satzungs&#228;nderungen am Sonntag, die kaum noch jemand wahrnahm, setzte sich ebenfalls die Professionalisierungsfraktion durch. Nachdem man mit dem Antrag, </span>wonach jeder Landesverband ab einer Mitgliederzahl von 8.000 k&#252;nftig nur noch Delegiertenparteitage durchf&#252;hren soll,<span> auf vergangenen Parteitagen immer wieder gescheitert war, ging auch dieser nun durch. Lange war die Zeit f&#252;r die einstige Partei der Basisdemokratie daf&#252;r offenbar noch nicht reif. In Erfurt aber konnte die Basisdemokratie als eine der letzten Altlasten der Gr&#252;nderjahre der Partei eingehegt werden. </span></p><p><span>So pr&#228;sentierte sich die Partei am Ende des Wochenendes radikaler denn je, j&#252;nger denn je, professioneller denn je &#8211; und immer mehr als das, was sie eigentlich nie sein wollte: eine Partei der Funktion&#228;re, Netzwerker und Berufspolitiker. Die AfD ist nun endg&#252;ltig eine Altpartei, wenngleich die j&#252;ngste und rechteste.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Springer braucht kein Geheimtreffen: Wie Bild und Welt die AfD hofieren]]></title><description><![CDATA[Fand zwischen Mathias D&#246;pfner und Friedrich Merz ein Vier-Augen-Gespr&#228;ch zur Brandmauer statt? Ein Blick in BILD und WELT verr&#228;t jedenfalls, was man bei Axel Springer von der Brandmauer h&#228;lt.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/springer-braucht-kein-geheimtreffen</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/springer-braucht-kein-geheimtreffen</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Thu, 02 Jul 2026 04:57:58 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/3447367e-47fd-42d8-8495-5ddb2c6e90df_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Aufregung in Berlin-Mitte: Springer-Chef Mathias D&#246;pfner soll Kanzler Merz offensiv dazu gedr&#228;ngt haben, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Das jedenfalls behaupten der Journalist Stephan Lamby und die Journalistin Eva Quadbeck <a href="https://www.rnd.de/politik/merz-und-doepfner-geraten-aneinander-die-ganze-geschichte-im-neuen-rnd-podcast-wenn-sie-wuessten-VSLZMQOY35CSHHHXRMIACGEMB4.html">in einem Podcast</a>. Sie berichten von einem Vier-Augen-Treffen zwischen D&#246;pfner und Merz, das Anfang des Jahres im Kanzleramt stattgefunden haben soll. Lamby und Quadbeck waren zwar nicht dabei, aber es gebe &#8222;Sekund&#228;rquellen&#8221;, &#8222;Indizien&#8221; und &#8222;gut informierte Personen&#8221;, auf deren Grundlage der Gespr&#228;chsverlauf rekonstruierbar sei. Merz soll demnach zu D&#246;pfner gesagt haben, eine Zusammenarbeit mit der AfD komme nicht infrage: &#8222;Das wird nicht passieren. Nur &#252;ber meine Leiche.&#8220; Anschlie&#223;end habe er D&#246;pfner rausgeworfen, der das Gespr&#228;ch beim Herausgehen mit einer Drohung beendete: &#8222;Das werden Sie noch bereuen.&#8220;</p><p>Der Springer-Konzern <a href="https://x.com/axelspringer/status/2072248906482663550">weist die Vorw&#252;rfe als absurd zur&#252;ck</a>: &#8222;Die Unterstellung, Mathias D&#246;pfner h&#228;tte den Kanzler zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedr&#228;ngt, ist eine glatte L&#252;ge.&#8220; In dem Statement verweist das Unternehmen noch auf etwas anderes: Bereits im November 2025 habe in Berliner Journalistenkreisen eine Nachricht kursiert, in der &#8222;nahezu wortgleich&#8220; ein Gespr&#228;ch zwischen D&#246;pfner und Merz wiedergegeben worden sei wie jenes, von dem nun Lamby berichtet &#8211; der datiert die Szene allerdings auf Anfang 2026.</p><p>Gro&#223;e Verwirrung im politischen Berlin: Fand dieses Vier-Augen-Gespr&#228;ch nun statt? Was wurde darin gesagt? Wenn es stattfand: Wann war es? Was steht in jener Nachricht, die in Berliner Journalistenkreisen kursiert haben soll? Und wer sind eigentlich diese &#8220;gut informierten Personen&#8221;, von denen die Rede ist?</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag von uns zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p>Es verwundert nicht, dass diese Fragen die Speerspitze des politischen Journalismus in Wallung bringen. Aber eigentlich br&#228;uchte es weder Vier-Augen-Gespr&#228;che noch kursierende Nachrichten. Ein kursorischer Blick in die Produkte des Springer-Konzerns ist aufschlussreich genug, um zu sehen, wohin die Reise f&#252;r einen der umsatzst&#228;rksten Medienunternehmen Europas gehen d&#252;rfte.</p><p>Etwa bei BILD: Dort schrieb Chefredakteurin Marion Horn k&#252;rzlich <a href="https://www.bild.de/politik/meinung-kommentare-kolumnen/brandmauer-reicht-nicht-deutschland-braucht-den-befreiungsschlag-6a11d0f23b7096456ac80c03">einen bemerkenswerten Kommentar</a> gegen die Brandmauer. Die Regierung habe nicht begriffen, wie ernst die Lage sei: &#8222;Deutschland braucht keinen weiteren Warnhinweis. Deutschland braucht endlich einen Befreiungsschlag. Bei Rente, Steuern, Arbeit, B&#252;rokratie&#8220;, schrieb Horn. Dagegen sei die Brandmauer noch keine Politik.</p><p>Wie die Bev&#246;lkerung die Sache sieht, wei&#223; BILD nat&#252;rlich auch. In dem Beitrag <em><a href="https://www.bild.de/politik/inland/brandmauer-zur-afd-einreissen-das-sagen-die-bild-leser-6a12a7983b7096456ac81225">Das denken die BILD-Leser &#252;ber die Brandmauer</a></em> verk&#252;ndete das Blatt Volkes Wille. Klares Ergebnis: 84 Prozent sind f&#252;r eine Zusammenarbeit mit der AfD.</p><p>Und weil Chefredakteurin und Leser noch nicht ausreichen, legte BILD noch einmal nach: &#8222;<a href="https://www.bild.de/politik/bild-fragt-unternehmer-das-sagen-wirtschafts-bosse-zur-brandmauer-6a1956f4411d40cd4c74b737">Das sagen Deutschlands Wirtschaftsbosse zur Brandmauer</a>&#8220;. Hier fiel das Bild etwas geteilter aus: Manche sind gegen die Brandmauer, andere Unternehmer aus Kostengr&#252;nden dagegen. Aber der Teaser gab den Takt vor: Merz wolle nicht mit der AfD zusammenarbeiten. &#8222;Doch die Zweifel daran, ob ihm mit den Sozialdemokraten der gro&#223;e Reformwurf gelingt, wachsen mit jedem Tag der Regierungskrise. Auch bei Unternehmern, die an massiven Wettbewerbsnachteilen (B&#252;rokratie, Energiepreise) leiden, oder die sogar um ihre Existenz k&#228;mpfen.&#8220;</p><p>Wer angesichts dieser Rahmung noch Zweifel hatte, bekam die Meinung gleich noch einmal mitgeliefert. Diesmal nicht von der Chefredakteurin, sondern von Vizechefin Linna Nickel. Sie lobte <a href="https://www.bild.de/politik/meinung-kommentare-kolumnen/unternehmer-fordern-mehr-mut-und-kritisieren-die-politische-blockade-6a1b0c5e411d40cd4c74cccf">in ihrem Kommentar</a> ausdr&#252;cklich einen Unternehmer, der findet, dass die Brandmauer das Land l&#228;hme. &#8222;Ich w&#252;nsche mir mehr mutige Unternehmer wie ihn, die endlich Position beziehen&#8220;, so die stellvertretende Chefredakteurin.</p><p>Diese vier Artikel sind nicht aus den vergangenen zwei Jahren zusammengesammelt, nicht m&#252;hsam aus dem BILD-Archiv herausgepickt. Sie erschienen allesamt binnen einer einzigen Woche Ende Mai. Zwar gibt es nicht jede Woche eine derart geballte Ladung zum Thema Brandmauer. Aber exemplarisch zeigt sich hier sehr gut, wie und mit welchen Mitteln vonseiten der BILD versucht wird, die Brandmauer einzurei&#223;en.</p><p>Auch bei Springers WELT schreibt man seit dem <a href="https://www.welt.de/debatte/kommentare/article254982012/Warum-Elon-Musk-auf-die-AfD-setzt-und-warum-er-dabei-irrt.html">Gastbeitrag</a>, in dem Elon Musk die AfD im Dezember 2024 als &#8222;letzten Funken Hoffnung&#8220; bezeichnete, kr&#228;ftig gegen die Brandmauer an. Die Redakteurin Fatina Keilani <a href="https://x.com/KeilaniFatina/status/1998626882267525342">fantasiert etwa auf X</a>, dass Deutschland &#8222;strukturell eine rechte Mehrheit&#8220; aus CDU und AfD habe, die es zu nutzen gelte. Im Februar 2025 <a href="https://www.welt.de/debatte/plus255478428/Bundestagswahl-Die-Un-Logik-der-Brandmauer.html">schreibt Magnus Klaue in der WELT</a>, die Brandmauer drohe &#8222;die Konkurrenz der Parteien vollends zu ersticken&#8220;.</p><p>Ansonsten geht es bei dem &#8222;Premium-Produkt&#8220; WELT vor allem um die Minderheitsregierung. Bei WELT TV etwa ist regelm&#228;&#223;ig von dieser M&#246;glichkeit die Rede. Am deutlichsten trug Ulf Poschardt, laut dem die Brandmauer &#8222;<a href="https://www.welt.de/debatte/plus255256764/Merz-Migrationspolitik-Das-Ende-der-moralischen-Anmassung-der-Gernegrossen.html">dem Machterhalt eines linken, rot-gr&#252;nen Milieus</a>&#8220; dient, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jRtJ3UwCupQ">die &#220;berlegung im November 2025 vor,</a> als SPD-Chefin B&#228;rbel Bas in der Kritik stand:</p><blockquote><p>&#8222;Ich haue ja gerne mal auf Friedrich Merz kritisch drauf, aber mit so einem Koalitionspartner kannst du das Land eigentlich nur an die Wand fahren. Und vor dem Hintergrund ist dann nat&#252;rlich auch noch mal anzugucken, wenn Alice Weidel ein paar vern&#252;nftige Sachen gesagt hat, die sie gerne machen w&#252;rde, ob man nicht wirklich Richtung Minderheitsregierung irgendwann nachdenken muss.&#8220;</p></blockquote><p>Dar&#252;ber wird also ganz offen bei Springer nachgedacht. Ob das auch explizit Thema in einem Vier-Augen-Gespr&#228;ch im Kanzleramt war, ist eigentlich zweitrangig. Man muss nur BILD lesen und WELT schauen. </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Hat die Links-Rechts-Unterscheidung ausgedient? | Philip Manow: „Spaltungslinien“ (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[Verl&#228;uft der zentrale Konflikt heute zwischen &#214;ffnung und Schlie&#223;ung, Globalisierung und Nationalstaat, liberal und illiberal? Was eine solche Perspektive sichtbar macht &#8211; und was nicht.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/philip-manow-spaltungslinien</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/philip-manow-spaltungslinien</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 27 Jun 2026 05:08:09 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/203482074/f913c512338fc72dfc94cb38e130c654.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Schon seit Jahrzehnten wird behauptet, die alte Aufteilung der politischen Lager in Links und Rechts h&#228;tten ihre Erkl&#228;rungskraft verloren. Die Konflikte der Gegenwart verliefen l&#228;ngst entlang anderer Spaltungs- und Konfliktlinien. Genau hier setzt der Politikwissenschaftler Philip Manow an, den die FAZ k&#252;rzlich zum &#8222;Denker der Stunde&#8220; adelte. In seinem neuen Buch <em>Spaltungslinien. Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats</em> behauptet er, dass Europ&#228;isierung und Globalisierung eine neue politische Konfliktachse hervorgebracht haben &#8211; und dass sich mit ihr auch der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien besser verstehen lasse.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!s85C!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc1f56391-9551-4d16-a417-a9b070071514_4200x2296.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!s85C!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc1f56391-9551-4d16-a417-a9b070071514_4200x2296.jpeg 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Beck erschienen ist. Zun&#228;chst diskutieren wir seine zentrale These: L&#246;st sich die alte Links-Rechts-Achse tats&#228;chlich auf? Oder &#252;berzieht Manow, wenn er die politischen Konflikte der Gegenwart vor allem als Gegensatz von &#214;ffnung und Schlie&#223;ung beschreibt?</p><p>Relativ einig si&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/philip-manow-spaltungslinien">
              Read more
          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Alles Faschisten außer der Linken?]]></title><description><![CDATA[Luigi Pantisano hat CDU und AfD f&#252;r faschistisch erkl&#228;rt und sich daf&#252;r wenig sp&#228;ter entschuldigt. Das war politisch unklug &#8211; wichtiger ist aber, was das Debakel &#252;ber den Begriff selbst sagt.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/alles-faschisten-auer-der-linken</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/alles-faschisten-auer-der-linken</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 24 Jun 2026 09:43:58 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/706cb8b6-7ca0-467c-9925-6b1429c8ece7_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte Luigi Pantisano &#252;ber Friedrich Merz sprechen. Als er am vergangenen Samstag zum neuen Linken-Vorsitzenden gew&#228;hlt wurde, hatte er eine klare Agenda: die unsoziale Politik der Bundesregierung angreifen und die Partei als erkennbare dritte Kraft zwischen Mitte-Parteien und rechtsradikaler Opposition aufstellen. Dann &#252;berlagerte ein Satz aus einem Bild-Interview alles: &#8222;Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst&#8220;, sagte er kurz vor dem Parteitag, auf dem er dann ohne Gegenkandidaten mit sehr knapper Mehrheit gew&#228;hlt wurde. </p><p>Nicht nur von der CDU und aus der Presse kamen R&#252;cktrittsforderungen und harte Kritik an seiner Aussage. Auch mehrere Mitglieder der Ostverb&#228;nde der Linkspartei distanzierten sich. Am Tag nach dem Parteitag nahm Pantisano seine Aussage dann als &#8222;verk&#252;rzt und in dieser Form falsch&#8220; zur&#252;ck. Das ganze Debakel zeigt, dass Pantisano noch nicht die Klaviatur professioneller politischer Rhetorik beherrscht. Analytisch interessanter ist es aber, sich dem Begriff zuzuwenden, mit dem er da operierte.</p><h3><strong>Der Faschismus-Begriff ist vieldeutig</strong></h3><p>Denn der Begriff &#8222;Faschismus&#8220; bezeichnet gleichzeitig zwei sehr verschiedene Dinge: einerseits ist es ein analytisches Konzept, andererseits der moralische H&#246;hepunkt im politischen Sprechen.</p><p>Als analytischer Begriff beschreibt er aus einem engeren historischen Blickwinkel ein spezifisches Ph&#228;nomen der europ&#228;ischen Zwischenkriegszeit. Die faschistischen Bewegungen jener Jahre zerschlugen die organisierte Arbeiterbewegung durch paramilit&#228;rische Gewalt, strebten einen streng hierarchisch strukturierten Staat an und legitimierten das mit Ultranationalismus und einem rassistischen Vernichtungsnarrativ. Damals ergab sich eine spezifische Situation, die eine zerst&#246;rerische Politik hervorbrachte, die sich qualitativ von allgemeinem Autoritarismus unterschied.</p><p>In einer eher weiten Deutung kann unter Faschismus eine politische Ideologie verstanden werden, die radikalen Nationalismus, Antiliberalismus und den Mythos der Wiedergeburt der Nation fasst. Eine strenger materialistische Analyse sieht im Faschismus eine Form der Ausnahmeherrschaft des Kapitals, wenn die b&#252;rgerliche Demokratie als nicht mehr funktionst&#252;chtig erscheint. Diese unvollst&#228;ndige Auflistung zeigt bereits, dass selbst ein analytisch gefasster Faschismusbegriff sehr unterschiedliche Akzente setzt. Was mit Faschismus gefasst werden kann, ist in der Fachwelt wie unter Linken h&#246;chst umstritten.</p><p>Der Alltagsverstand kennt insbesondere in Deutschland noch eine andere Bedeutung: Weil das historische Ph&#228;nomen so extrem war, avancierte das Wort nach 1945 zum absoluten H&#246;hepunkt moralischer Verurteilung. Wer jemanden anderen als Faschisten bezeichnete, wollte diskreditieren &#8211; die Linken die Rechten, aber auch umgekehrt, wenn Linke als rot lackierte Faschisten oder von Liberalen als &#8222;Linksfaschisten&#8220; beschimpft wurden.</p><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;12799d1e-d0a8-4f02-8716-a5deef61cb54&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Ausgehend von aktuellen Debatten diskutieren wir verschiedene Begriffsangebote, die derzeit im Umlauf sind. Wir sprechen &#252;ber den Faschismusbegriff im Alltagsverstand, &#252;ber den Begriff des &#8222;demokratischen Faschismus&#8220; bei Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey sowie &#252;ber den Begriff der Faschisierung, wie ihn etwa Mario Candeias verwendet.&quot;,&quot;cta&quot;:null,&quot;showBylines&quot;:true,&quot;showDescription&quot;:true,&quot;showImage&quot;:true,&quot;size&quot;:&quot;sm&quot;,&quot;isEditorNode&quot;:true,&quot;title&quot;:&quot;Warum wir nicht von Faschismus sprechen&quot;,&quot;publishedBylines&quot;:[{&quot;id&quot;:111371079,&quot;name&quot;:&quot;Sebastian Friedrich&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Freier Journalist und Autor (u.a. NDR, Panorama, Der Freitag) Podcast + Newsletter &#8222;&#220;ber Rechts&#8220;&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!XfPS!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffed732ec-af3d-4bdd-8130-e358d6d187d6_400x400.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100},{&quot;id&quot;:2651099,&quot;name&quot;:&quot;Nils Schniederjann&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Journalist.&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!MiNx!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F2fee6b98-5740-402f-b84a-6e6f6193073c_1178x1179.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100}],&quot;post_date&quot;:&quot;2026-04-12T04:56:56.801Z&quot;,&quot;cover_image&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/015aba20-1a86-4d2c-aa54-9a25930d0641_2100x1485.jpeg&quot;,&quot;cover_image_alt&quot;:null,&quot;canonical_url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/warum-wir-nicht-von-faschismus-sprechen&quot;,&quot;section_name&quot;:null,&quot;video_upload_id&quot;:null,&quot;id&quot;:193940851,&quot;type&quot;:&quot;podcast&quot;,&quot;reaction_count&quot;:20,&quot;comment_count&quot;:7,&quot;publication_id&quot;:4369993,&quot;publication_name&quot;:&quot;&#220;ber Rechts&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;youtube_url&quot;:null,&quot;show_links&quot;:null,&quot;feed_url&quot;:null}"></div><p>Aufgrund der abwertenden Dimension gibt es auch heute noch eine rhetorische Versuchung, auf das Wort Faschismus zur&#252;ckzugreifen. Ein Begriff, der den &#228;u&#223;ersten moralischen Ausschluss markiert, zieht deshalb tendenziell einen inflation&#228;ren Gebrauch auf sich: je st&#228;rker die moralische Ladung, desto gr&#246;&#223;er der Anreiz, ihn gegen alles einzusetzen, was man verdammen will. Aber die historische Pr&#228;zision und die moralische &#220;berladung stehen in einem Widerspruch, den der Begriff auf Dauer nicht aush&#228;lt.</p><p>Linke Theoretiker haben das in den vergangenen Jahren registriert und auch deshalb den Begriff der &#8222;Faschisierung&#8220; angeboten: Faschisierung als Prozess, als das Hineingleiten in faschistische Verh&#228;ltnisse noch vor &#220;berschreitung der historischen Schwelle, die seine Existenz f&#252;r alle sichtbar macht; Faschisierung als das &#8222;Changieren zwischen einem Gerade-Noch demokratischer Regelung und dem Noch-Nicht faschistischer Politik&#8220;, wie es <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/522410.faschismusdefinition-ein-griff-um-die-dinge-zu-bewegen.html">der Faschismusforscher Klaus Weber nennt</a>. Das ist nicht unklug, gel&#246;st ist das Problem damit aber noch nicht. Denn wenn jede autorit&#228;re Versch&#228;rfung und jede Austerit&#228;tspolitik als Schritt zur Faschisierung gilt, geht die Trennsch&#228;rfe trotzdem verloren. Gewonnen hat man zwar ein Spektrum statt eines Schwarz/Wei&#223;-Bilds, doch auf diesem l&#228;sst sich immer noch alles rechts der Mitte einordnen.</p><h3><strong>Pantisanos Faschismus-Definition</strong></h3><p>Pantisanos Aussagen zeigen genau dieses Problem. Nach dem Parteitag wurde er im Interview mit dem ZDF-Magazin Berlin Direkt noch einmal nach seinem &#8222;recht freih&#228;ndigen&#8220; Umgang mit dem Faschismusbegriff gefragt und um eine etwas genauere Definition gebeten. Pantisano antwortete:</p><blockquote><p>&#8222;Naja, ich w&#252;rde definieren, dass Politiken der AfD beispielsweise in Sachsen-Anhalt faschistische Z&#252;ge tr&#228;gt, die zum Beispiel an die Zeiten der Euthanasie in Deutschland erinnern lassen. Und wenn ein CDU-Fraktionsvorsitzender kumpelt mit dem Spitzenkandidaten der AfD dann bereitet mir das gro&#223;e Sorgen.&#8220;</p></blockquote><p>Auf eine Anfrage von <em>&#220;ber Rechts</em>, was der neue Parteivorsitzende mit seiner Aussage genau meinte, antwortete Pantisano, er beziehe sich dabei &#8222;auf die Abschaffung der Inklusion&#8220;. In <a href="https://afd-regierungsprogramm.de/">dem Programm der AfD</a> findet sich tats&#228;chlich die Forderung, behinderte Kinder an F&#246;rderschulen zu unterrichten, statt sie in den Regelbetrieb zu integrieren. (Daneben will die Partei die Zahl der Behindertenparkpl&#228;tze reduzieren.)  Die Trennung von behinderten und nicht-behinderten Kindern folgt tats&#228;chlich einer Aussonderungslogik, aber sie ist weit entfernt von der massenhaften Euthanasie von Menschen mit Behinderung, die im deutschen Kontext mit der Aktion T4, bei der die Nationalsozialisten bis zu 70.000 Menschen get&#246;tet haben, verbunden ist. Dass die AfD also eine tendenziell behindertenfeindliche Politik verfolgt, d&#252;rfte kaum jemand ernsthaft bezweifeln &#8211; aber macht sie das faschistisch?</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><h3><strong>Das analytische Defizit hinter dem Faschismus-Begriff</strong></h3><p>Der analytische Fehler folgt dabei durchaus einer gewissen Logik: Die linken Faschismus-Warner belegen zun&#228;chst die AfD mit dem Begriff, dann stellen sie Gemeinsamkeiten mit der CDU fest und schlie&#223;en daraus, dass auch letztere in dieselbe Kategorie geh&#246;rt. Dass es (insbesondere im Bereich der Migrations- und Sicherheitspolitik) immer wieder inhaltliche &#220;berschneidungen zwischen AfD und CDU gibt; dass die CDU etwa im Kampf gegen Antisemitismus zunehmend bereit ist, autorit&#228;re Mittel einzusetzen; dass die CDU im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik bereit ist, den Menschen eine gewisse H&#228;rte zuzumuten &#8211; all das ist unbestritten.</p><p>Dass es sich dabei allerdings schon um Faschismus (oder den Weg dorthin) handelt, konnte bislang niemand plausibel machen. Und deshalb braucht es immer wieder den Umweg &#252;ber eine potenzielle Zusammenarbeit der CDU mit der AfD, die nun auch Pantisano in den Mittelpunkt seiner Verteidigung stellt, wenn er sagt, ihm sei es nur darum gegangen, seine Sorge vor den Kumpeleien zwischen den Christdemokraten und der Rechtsau&#223;en-Partei zum Ausdruck zu bringen.</p><p>Damit d&#252;rfte er allerdings die Kooperationsperspektive mit der CDU in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig besch&#228;digt haben. Dort werden nach den Herbstwahlen m&#246;glicherweise B&#252;ndnisse zwischen Linken und CDU n&#246;tig sein, um eine AfD-Regierungsbeteiligung zu verhindern. Fast zeitgleich mit seinem Faschismus-Vorwurf hatte Pantisano sich &#252;brigens in einem ARD-Interview noch f&#252;r eben diese Zusammenarbeit ausgesprochen.</p><p>Hinter dem Scheitern der Faschismusrhetorik steckt also ein reales analytisches Defizit. Der Faschismusbegriff ist analytisch zu vieldeutig, um als allgemeines Verdikt zu funktionieren; gleichzeitig ist er zu moralisch aufgeladen, um analytisch pr&#228;zise zu bleiben. Was die gegenw&#228;rtige Rechte in ihren verschiedenen Auspr&#228;gungen will und ist, l&#228;sst sich beschreiben. Der Faschismusbegriff hilft dabei nicht.<span> </span>Und so zeigt sich an diesem Wochenende erneut, wie ungeeignet der Faschismusbegriff nicht nur ist, um die K&#228;mpfe der Gegenwart zu verstehen &#8211; er ist es erst Recht, um sie auszutragen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kumpelei zwischen AfD & CDU: Die glattzuspachtelnde Wirklichkeit]]></title><description><![CDATA[Der CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt liegt lachend im Arm von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die Reaktion der CDU zeigt, wie br&#246;ckelig die Strategie der Partei inzwischen ist.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/heuer-siegmund-kumpelei-zwischen-afd-und-cdu</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/heuer-siegmund-kumpelei-zwischen-afd-und-cdu</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:50:53 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/00f4ffec-297f-4571-9eae-e72a4d5d656d_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Vermieter kennen diesen Trick: Kurz bevor potenzielle Neumieter eine leere Altbauwohnung betreten, werden noch schnell die Risse in der Wand gekittet, mit dem Spachtel glattgezogen und anschlie&#223;end mit wei&#223;er Farbe &#252;berpinselt. F&#252;r den Moment sieht die Wand aus wie neu. Doch der Riss wird bald wieder an derselben Stelle sichtbar. Daf&#252;r braucht es nur eine kleine Bewegung im Mauerwerk, das ja unver&#228;ndert bleibt.</p><p>Die CDU in Sachsen-Anhalt erlebte vor ein paar Tagen eine solche Bewegung. Bei einer Veranstaltung griff Guido Heuer, Chef der CDU-Landtagsfraktion, zum Mikrofon und lag dabei lachend mehr oder weniger in den Armen von AfD-Landeschef Ulrich Siegmund. Ein Foto entstand und machte schnell die Runde. Heuer versuchte, die Szene wieder einzufangen und erkl&#228;rte, das Foto sei lediglich im falschen Moment entstanden. Er habe ein Mikrofon gebraucht, weil er Siegmund widersprechen wollte. Auch CDU-Ministerpr&#228;sident Sven Schulze gab sich gelassen: &#8222;Man sollte das Foto nicht &#252;berbewerten&#8220;, sagte er am Rande des Landesparteitags seiner Partei am Wochenende.</p><h3><strong>Ein Video zerst&#246;rt die offizielle Version</strong></h3><p>Negative Presse ist im Augenblick so ziemlich das Letzte, was die CDU in Sachsen-Anhalt gebrauchen kann, liegt sie doch in den Umfragen weit hinter der AfD. Doch noch bevor die Krisenkommunikation von Heuer und Schulze richtig verfangen konnte, tauchte ein Video auf, das die ganze Szene zeigte &#8211; und Heuers Erkl&#228;rung ad absurdum f&#252;hrte.</p><p>Heuers Widerspruch bestand tats&#228;chlich nur darin, sich von seiner eigenen Partei zu distanzieren und klarzustellen, dass er noch nie im Bundestag gesessen habe. Als Siegmund weitersprach, griff Heuer noch einmal ins Mikrofon, um weiterzuscherzen: Das defekte Ger&#228;t sei wohl das &#8222;Altparteien-Telefon&#8220; Siegmund stieg sofort ein: &#8222;Da war vielleicht der Verfassungsschutz direkt mit drinne!&#8221;</p><h3><strong>Das Machtwort von Friedrich Merz</strong></h3><p>Die Szene, ebenso wie das anschlie&#223;ende Herumlavieren des CDU-Vorsitzenden, zeigt, wie notd&#252;rftig und oberfl&#228;chlich hier verspachtelt wurde. Offiziell muss man sich in Sachsen-Anhalt energisch von der AfD abgrenzen, mit der man wohl eigentlich ganz gut k&#246;nnte. Offiziell darf kein Zweifel an der Brandmauer aufkommen, die man vermutlich selbst als ziemlich beschr&#228;nkend empfindet. All das darf nicht sichtbar werden, weil die Bundes-CDU sich eindeutig festgelegt hat, allen voran Kanzler und Parteichef Friedrich Merz. Er war es, <a href="https://www.ueberrechts.de/p/die-brandmauer-ist-nicht-links">der den Begriff von der Brandmauer &#252;berhaupt popularisiert hat</a>. Ende 2021 bekr&#228;ftigte er in einem Interview mit dem Spiegel nicht nur die Abgrenzung zur AfD, sondern sprach auch eine Drohung an die eigene Partei aus: &#8222;Die Landesverb&#228;nde, vor allem im Osten, bekommen von uns eine glasklare Ansage: Wenn irgendjemand von uns die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am n&#228;chsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an.&#8220;</p><h3><strong>Als die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD flirtete</strong></h3><p>Wen Merz damit genau meinte, ist nicht bekannt. Ziemlich wahrscheinlich ist aber, dass die Drohung vor allem in Richtung Sachsen-Anhalt ging. Dort soll ziemlich genau ein Jahr zuvor der damalige CDU-Innenminister Holger Stahlknecht auf die AfD zugegangen sein, um eine m&#246;gliche Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung auszuloten. Stahlknecht wurde nicht nur zur&#252;ckgepfiffen, sondern entmachtet. Er verlor sein Ministeramt und auch den Landesvorsitz. Seine politische Karriere war damit beendet, obwohl er als m&#246;glicher Nachfolger des beliebten Ministerpr&#228;sidenten Reiner Haselhoff galt.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Die Entlassung und das Machtwort von Merz zeigten Wirkung: Seitdem sind aus der CDU in Sachsen-Anhalt kaum offene Sympathiebekundungen f&#252;r die AfD zu vernehmen. Unwahrscheinlich ist aber, dass es sie auf Ebene der Landes-CDU und der Landtagsfraktion nicht gibt. Gerade aus Sachsen-Anhalt kamen immer wieder Stimmen, die sich zumindest mittelbar f&#252;r eine Normalisierung des Verh&#228;ltnisses zur AfD einsetzten. Am bekanntesten &#8211; neben Holger Stahlknecht &#8211; sind Lars-J&#246;rn Zimmer und Ulrich Thomas. 2019 sorgten sie mit einem Grundsatzpapier f&#252;r Aufsehen, in dem sich die beiden damaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden mit der AfD befassten. W&#228;hler von CDU und AfD h&#228;tten &#228;hnliche Ziele, die Mehrheit in Deutschland sei konservativ, doch die CDU verprelle ihre W&#228;hler, weil sie immer nur mit Linken zusammenarbeite. Es sei ein Fehler, die Sehnsucht nach Heimat nicht verteidigt zu haben. Der CDU m&#252;sse es wieder gelingen, &#8222;das Soziale mit dem Nationalen zu vers&#246;hnen&#8220;.</p><p>Thomas sprach sich damals auch &#246;ffentlich daf&#252;r aus, eine Koalition mit er AfD nicht f&#252;r alle Zeit auszuschlie&#223;en. Nach dem Stahlknecht-Aus hielten sich beide Politiker deutlich zur&#252;ck. Ihre Namen finden sich auf Platz vier und sechs der CDU-Landesliste f&#252;r die anstehende Landtagswahl. Man ahnt, wo sich beide positionieren w&#252;rden, g&#228;be es in der Union eine offen gef&#252;hrte Debatte zum Verh&#228;ltnis zur AfD.</p><h3><strong>Der Druck auf das Mauerwerk</strong></h3><p>Merz&#8216; Machtwort von einst hallt also noch immer nach. Aber in jenen kurzen Sekunden, in denen der CDU-Fraktionschef mit dem AfD-Chef auf offener B&#252;hne kumpelt, wird der Riss sichtbar. Auch deshalb, weil zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl der Druck auf das Mauerwerk so heftig ist wie nie. Wie soll eine Brandmauer halten, wenn keine Mehrheit ohne AfD oder Linke in Sicht ist, zu der es, beschlossen durch den Bundesparteitag, ebenfalls formal eine Brandmauer gibt?</p><p>Die CDU weigert sich seit einiger Zeit, eine neue Positionierung zu entwickeln, die dieser Realit&#228;t im Osten gerecht wird. Daf&#252;r m&#252;sste sie entweder die Kooperationsweigerung gegen&#252;ber der Linken kippen oder sich zur AfD hin &#246;ffnen. Indem sie beides nicht tut, verlangt die Bundes-CDU von ihren Ostverb&#228;nden, eine Fassade aufrechtzuerhalten, hinter der keine belastbare Grundlage mehr steht. Dass die Verb&#228;nde dann in der Realit&#228;t wiederum eher zu einer Zusammenarbeit mit der immens starken AfD neigen, ist keine &#220;berraschung.</p><h3><strong>Eine Fassade ohne Fundament</strong></h3><p>Das Problem reicht &#252;ber die CDU hinaus. Die Podiumsdiskussion in Sachsen-Anhalt wurde vom &#8222;Liberalen Mittelstand&#8221; veranstaltet, einer Vorfeldorganisation der FDP. Auch sie hatte die AfD eingeladen. Der Bundesvorstand reagierte mit &#8222;gro&#223;er Irritation&#8221; und bat um eine schriftliche Stellungnahme. Das Muster ist dasselbe: Bundesverb&#228;nde, die eine Abgrenzungsnorm formulieren, die ihre eigenen Landesverb&#228;nde unter realen politischen Bedingungen nicht einhalten k&#246;nnen oder wollen.</p><p>Solange die CDU keine Positionierung entwickelt, die der ver&#228;nderten Machtkonstellation im Osten Rechnung tr&#228;gt, wird sie weitere Momente bekommen, in denen der Riss sichtbar wird zwischen dem, was sie &#246;ffentlich behauptet, und dem, was politisch offenbar l&#228;ngst gedacht wird. Dass sie die Fassade der Brandmauer aufrechterhalten will, um die AfD nicht an die Macht kommen zu lassen, ist ein hehres Ziel. Aber dieses Ziel l&#228;sst sich kaum erreichen, wenn man die Widerspr&#252;che immer nur notd&#252;rftig verspachtelt und jedes Mal aufs Neue hofft, die Spachtelmasse m&#246;ge diesmal halten.</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>